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Der 2000 Jahre alte Pferdekopf, um den der Rechtsstreit entbrannte, ist im Museum des Römerkastells Saalburg ausgestellt. 

Sensationsfund 

Antiker Pferdekopf 1,6 Millionen Euro wert - Hessen muss Landwirt hohe Entschädigung zahlen

Nun wird es wohl doch teurer für das Land Hessen: Einem Landwirt steht nach einer Gerichtsentscheidung eine hohe sechsstellige Summe für einen archäologischen Fund zu, der als Sensation gilt. Dies sieht nun auch die nächste Instanz so.

Update vom 07.11.2019, 17:00 Uhr: Im Streit über einen bronzenen Pferdekopf, der bei Grabungen in Mittelhessen gefunden worden war, hat das Oberlandesgericht Frankfurt einen Vergleich vorgeschlagen. Das Land solle dem Besitzer des Grundstückes in Waldgirmes (Lahn-Dill-Kreis) rund 748 000 Euro plus Zinsen zahlen, schlugen die Richter nach einer mündlichen Verhandlung am Donnerstag vor. Beide Seiten erklärten, den Vorschlag innerhalb von drei Wochen überdenken zu wollen. 

Antiker Sensationsfund in Hessen mehr als 2000 Jahre alt

Der antike Pferdekopf war vor zehn Jahren entdeckt worden. In der Fachwelt galt der Fund als Sensation, denn vermutlich handelt es sich um einen Teil eines prunkvollen Reiterstandbildes, das einst in einer römischen Siedlung stand (Aktenzeichen 1 U 174/18). Der vergoldete, lebensgroße und fein gearbeitete Pferdekopf war in einem elf Meter tiefen Brunnenschacht entdeckt worden, er überdauerte die vergangenen rund 2000 Jahre nach Einschätzung von Experten erstaunlich unbeschadet. 

Pferdekopf mittlerweile im Museum des Römerkastells Saalburg zu sehen

Der Rechtsstreit hatte die Ausstellung der wertvollen Bronze lange verzögert. Seit August 2018 ist der Pferdekopf im Museum des Römerkastells Saalburg zu sehen. Das Landgericht Limburg hatte das Land Hessen verurteilt, dem Landwirt eine Entschädigung von insgesamt rund 821 000 Euro zu zahlen. Dagegen legte das Land Berufung ein, der allerdings am Donnerstag während der Verhandlung vor dem Oberlandesgericht geringe Erfolgsaussichten eingeräumt wurden. Der Anwalt des Landes kritisierte ein Gutachten, auf dessen Grundlage die Richter in Limburg zu ihrer Einschätzung gekommen waren. Teilweise seien die Schlussfolgerungen nicht nachvollziehbar. Dem folgten die Richter des Oberlandesgerichts (OLG) nicht. Das Gutachten - eines von mehreren in dem Fall - sei nicht zu beanstanden. Es schätzte den Pferdekopf aufgrund seiner historischen Bedeutung sowie seines künstlerischen Werts auf rund 1,6 Millionen Euro. 

Wert des antiken Fundes schwer zu ermitteln

Nach damaliger Rechtslage steht dem Grundstückseigentümer die Hälfte zu. Die OLG-Richter erklärten, es handele sich um einen schwierigen und für die Kammer auch ungewöhnlichen Fall, denn der Wert eines solchen antiken Stücks sei kompliziert zu ermitteln. Der Sachwert sei vermutlich eher gering, der ideelle Wert aber sehr viel größer. Auch der Landwirt hatte Berufung eingelegt, er wollte nach Gerichtsangaben auch aufgrund anderer Gutachten mehr Geld haben und strebte eine siebenstellige Summe an. Auch dies wiesen die Richter in der Verhandlung am Donnerstag zurück. Kommt es zu keiner Einigung, wollen sie am 6. Februar ein Urteil verkünden.

Erstmeldung vom 27.08.2019, 12:00 Uhr: Frankfurt - Im Rechtsstreit um den Wert eines römischen Bronze-Pferdekopfes hat das Land Hessen Berufung beim Oberlandesgericht Frankfurt (OLG) eingelegt. Damit wolle man die Interessen und die Rechtsposition des Landes wahren, sagte eine Sprecherin des Kunstministeriums am Montag in Wiesbaden. Das Landgericht Limburg hatte in erster Instanz Ende Juli entschieden, dass Hessen einem Mann aus Lahnau 773 000 Euro zahlen muss. Ein Termin für die Verhandlung vor dem OLG steht einer Sprecherin zufolge noch nicht fest (Az.: 1 U 174/18).

Antiker Pferdekopf auf Grundstück eines Landwirts im Lahn-Dill-Kreis gefunden 

Der antike Pferdekopf war auf dem Grundstück des Mannes im Lahn-Dill-Kreis gefunden worden und ging nach der Entdeckung im Jahr 2009 in den Besitz des Landes über. Nach der damaligen Rechtslage steht dem Landwirt die Hälfte des Wertes als Entschädigung zu - wie hoch dieser anzusetzen ist, ist zwischen dem Ministerium und dem Mann aber strittig. Eine vom Landgericht Limburg beauftragte Gutachterin hatte den Wert zuletzt auf 1,6 Millionen Euro geschätzt, worauf sich das erstinstanzliche Urteil stützte.

Der Pferdekopf war Teil eines Reiterstandbilds, das wohl Kaiser Augustus (63 v. bis 14 n. Christus) darstellte. Die Öffentlichkeit kann sich das wertvolle Stück seit dem 19. August im Römerkastell Saalburg bei Bad Homburg ansehen.

dpa

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