+
Planungsdezernent Mike Josef (SPD) stellt das Umweltkonzept "Frankfurt 2030+" vor. Initiativen kritisieren das Programm.

Stadtentwicklung

Mike Josef (SPD) stellt Umweltkonzept "Frankfurt 2030+" vor - doch es gibt Kritik

Planungsdezernent Mike Josef (SPD) stellt das Umweltkonzept "Frankfurt 2030+" vor. Initiativen kritisieren das Programm.

Frankfurt -  Draußen zeigt das Thermometer noch immer stickige 30 Grad an. Zwei Stunden lang bereits haben Bürger, Politiker und Stadtplaner im Technischen Rathaus diskutiert. Doch auch wenn es drinnen wohltemperiert ist, ist die Zahl der Hitzköpfe in den Besucherreihen ungewöhnlich hoch.

Dabei hat sich Planungsdezernent Mike Josef (SPD) schon zu Beginn alle Mühe gegeben, das Epochale am integrierten Stadtentwicklungskonzept "Frankfurt 2030+" (Istek) herauszukehren. Das stellt Josef an diesem Abend öffentlich vor und erinnert, dass die Kommune nun erstmals eine strategische Stadtentwicklung vornehmen könne, "statt nur punktuell zu reagieren" wie bisher stets.

In jahrelanger Kooperation von elf Ämtern, Interessenvertretern und Bürgern in Dialogforen erarbeitet, setze das Istek "die Leitplanken" für die Entwicklung, sagt Martin Hunscher, der Leiter des Stadtplanungsamtes. Viele Vorschläge seien nur konzeptionell, Optionen müssten noch abgewogen werden, die Politik entscheiden. Wofür das Istek aber erstmals die Grundlage liefere.

"Frankfurt 2030+": Klimanotstand ausrufen

Auch wenn mehrere Redner aus der Menge der gut 350 Besucher ausdrücklichen Dank für die Mühe der Ausarbeitung äußern, sind es laute Aktivisten, die sich mühen, die Diskussion fürs Wiederholen ihrer Interessen zu nutzen. Stefan Hess von der Initiative "People for Future" findet, dass das "Oberinteresse Klima vorangestellt" werden müsse vor den Wohnungsbau, dass die Stadt "den Klimanotstand ausrufen" müsse.

"Kurzfristig, hektisch zu reagieren" sei die falsche Lösung, widerspricht Torsten Becker, der Vorsitzende des Städtebaubeirats. "Der Klimawandel ist eine 20 Jahre alte Erkenntnis, wir müssen jetzt grundlegend umsteuern." Das mache das Istek. Allerdings findet Professorin Constanze Petrow von der Hochschule Geisenheim, dass das Thema Klima im Konzept "völlig unterbelichtet sei". Diese Sichtweise stört Infraserv-Geschäftsführer Jürgen Vormann: "Wir sollten nicht im Entweder-oder denken, sondern lieber Sowohl-als-auch." Die Stadt müsse zugleich das Klima schützen und ausreichend Arbeitsplätze und Wohnungen bieten.

Dem stimmt Professor Michael Peterek von der Fachhochschule Frankfurt zu. Nur auf Klimaschutz zu setzen, genüge nicht. "Wenn wir keinen Wohnungsbau machen, sieht die Stadt in ein paar Jahren sozial ganz anders aus." Frankfurt wächst laut Prognosen - von heute 748 000 Einwohnern bis 2030 auf 810 000 - wofür 90 000 Wohnungen nötig werden. Das Istek sehe extra die Entwicklung auch von Grünflächen vor, erinnert Mike Josef. Das realisiere die Stadt sogar schon, etwa mit Parks im Umfeld der Platensiedlung in Ginnheim, wo gerade dreistöckige Mehrfamilienhäuser zu Fünfstöckern aufgestockt wurden. "Es wird immer jemand geben, dem das zu wenig Grün ist", räumt er ein. Diese widerstrebenden Ansichten aber müssten Politik und Stadt aushalten.

Initiative fordert Grünflächen und wenig Verkehr

Rüdiger Hansen spricht über seine Angst, "dass vor der Nordweststadt erneut eine Trabantenstadt" entsteht. Die Bewohner fühlten sich mit ihren Bedenken gegen das Neubaugebiet im Nordwesten nicht ernst genommen. Soziale Probleme könnten überschwappen, warnt er. "Wir dürfen nicht Bevölkerungsgruppen gegeneinander ausspielen", hält Caritas-Chefin Gaby Hagmans dagegen. Der neue Stadtteil werde modern und "nicht aussehen wie die Nordweststadt oder der Riedberg", ergänzt Michael Peterek.

Auch Vertreter der Bürgerinitiative "Grüne Lunge am Günthersburgpark" ergreifen das Wort, sprechen für Klimaschutz und gegen das - allerdings durchaus grün und verkehrsarm - geplante Wohngebiet Günthersburghöfe in Bornheim. Constanze Petrow aber lässt das nicht durchgehen: Frankfurt müsse zugleich sozial und ökologisch verträglich entwickelt werden, "da darf nicht eines gegen das andere ausgespielt werden". Torsten Becker mahnt: "Stadtplanung ist viel komplizierter, als verbal Maximalforderungen aufzustellen."

Von Dennis Pfeiffer-Goldmann

Lesen Sie auch:

Würden Sie auf Ihr Auto verzichten, um die Umwelt zu schützen?

Das können sich nur wenige Deutsche wirklich vorstellen. Eine aktuelle Umfrage zeigt, wer auf den fahrbaren Untersatz am ehesten verzichten würde.

Frankfurter Eiscafés schonen die Umwelt - Mit dieser einfachen und genialen Idee

Nur noch wenige Plastikbecher sind in den Regalen im Eiscafé Lido zu finden. Geschäftsführer Mario Talamini hat seit Kurzem auf nachhaltige Produkte umgestellt. Für ihn ein Schritt in die richtige Richtung.

Nach Tatenlosigkeit der Politik: Schüler nehmen Umweltschutz selbst in die Hand

Schüler und Studenten auf der ganzen Welt haben genug vom Nichtstun der Politiker in Sachen Globaler Erwärmung und gehen selbst auf die Straße, nun auch zum dritten Mal in Frankfurt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare