+
Rainer Weber (rechts), hier mit Gerd Vogel, wehrt sich gegen eine Nachverdichtung am Röderbergweg 71-81.

Siedlung am Röderbergweg

Grüne Lunge wird immer kleiner: Anwohner im Ostend fürchten Nachverdichtung

Anwohner im Röderbergweg sorgen sich um das schwindende Grün in ihrem Hinterhof. Einige werten die Baumfällung als Zeichen, dass nun doch gebaut wird.

Frankfurt - Rainer Weber engagiert sich mit voller Kraft dafür, dass die Grüne Lunge des Hinterhofs am Röderbergweg erhalten bleibt. Sogar ein teures Mikroklimagutachten haben er und weitere Anwohner in Auftrag gegeben. „Wir unterstützen die Absicht der Umweltdezernentin, für das Grün in der Stadt zu kämpfen“, sagte Weber am Dienstag in der Bürgerfragestunde des Ortsbeirats 4 (Bornheim, Ostend), denn das sei auch seine Absicht: möglichst viel Grün zu erhalten, damit es in heißen Sommern nicht unerträglich wird für die Anwohner der Siedlung am Röderbergweg 71-81.

Lesen Sie auch: Bürgerinitiative feiert ersten Erfolg gegen den geplanten Frankfurter Stadtteil "Josefstadt"

Die Wohnbaugenossenschaft plante vergangenes Frühjahr die Nachverdichtung im Innenhof des Röderbergwegs 71-81. Zur Freude der Anwohner wurde der Bauantrag aber nicht genehmigt. Die Bauaufsicht lehnte ihn ab, weil die gewünschte Bebauung mehr Grundfläche beansprucht hätte, als es der Bebauungsplan zulässt. Allerdings ließ die Bauaufsicht wissen, dass eine Nachverdichtung dort sehr wohl möglich sei und ein veränderter Antrag die Chance hätte, genehmigt zu werden. Die Wohnbaugenossenschaft hielt ihrerseits an ihrem Vorhaben fest, einen Neubau mit 14 Wohnungen zu bauen. Im Juni hatte sie angekündigt, in Verhandlungen mit der Behörde treten zu wollen.

Baum gefällt: Anwohner fürchten Nachverdichtung im Hinterhof des Röderbergwegs 

Seither war es ruhig um den Hinterhof. Jetzt sind die Anwohner wieder alarmiert, weil vor gut zwei Wochen ein Baum gefällt wurde. „Einer der ältesten Bäume des Viertels wurde vernichtet“, berichtete Rainer Weber dem Ortsbeirat, „eine Pappel, gepflanzt etwa im Jahr 1936, der Stammdurchmesser betrug eineinhalb Meter.“ Am 10. Januar seien die Baumfäller angerückt und hätten ihr den Garaus gemacht. „Zurückgeblieben ist eine Wüstenei.“ Auch dem Umweltausschuss hatte Weber seinen Ärger vergangene Woche vorgetragen und um Unterstützung gebeten. „Aus unserer Sicht war es Unfug und nicht nötig, die Pappel zu fällen.“

Anwohner vermuten, dass die Baumfällung nur der Auftakt war: Wird jetzt im Hinterhof des Röderbergwegs gebaut?

Die Anwohner vermuten, dass die Baumfällung der Auftakt zu weiteren Rodungen ist, dem dann der gefürchtete Bau des Wohnhauses folgen wird. „Wir verstehen den Bauwahn in dieser Stadt nicht,“ klagte im Ortsbeirat ein anderer Anwohner. „Wir sollten nicht den Fehler machen, alles zuzubauen, denn es wird definitiv zu warm werden.“ Der Verdacht, dass nun doch im Hinterhof gebaut werden soll, erhärte sich, wenn man sehe, dass die gefällte Pappel „zufällig genau dort stand, wo die Tiefgarageneinfahrt geplant ist“, so Weber.

Baum im Hinterhof des Röderbergwegs ist aus Sicherheitsgründen gefällt worden

„Die Pappel ist aus Sicherheitsgründen gefällt worden“, widerspricht auf Anfrage Martin Müller vom Frankfurter Umweltamt. Der Baum habe immer wieder Äste abgeworfen, was ein Zeichen dafür sei, dass er „schwächele“. Denn Pappeln seien eigentlich eher für Feuchtgebiete in Flussnähe geeignet, nicht aber mitten in der Stadt. Mehrfach musste deshalb die Krone gekappt werden. Außerdem wurzelten Pappeln sehr stark, was ebenfalls in der Stadt nicht hilfreich sei. „Ein eindeutiges Gutachten, im Auftrag der Wohnbaugesellschaft, durch einen Sachverständigen, der über jeden Zweifel erhaben ist, hat ergeben, dass der Baum einsturzgefährdet ist und binnen drei Monaten gefällt werden muss“, sagt Müller. Das Ganze stehe nicht im Zusammenhang mit einem geplanten Bau, jedenfalls nicht in diesem Behördengang. Andere Bäume auf dem Areal seien nicht überprüft worden, so Müller. Für das Umweltamt stehe fest, dass die Platanen im Hinterhof erhalten bleiben sollen. „Diese zu fällen, dafür wird es keine Genehmigung von uns geben.“

Auch interessant: Protest gegen Wohnungsbau: Anwohner starten eine Online-Petition

Die Wohnbaugenossenschaft hatte sich Anfang der Woche bereits in einer Zeitung zu Wort gemeldet. Es sei nicht wahr, dass ein Baum unnötig gefällt worden sei, sagte Vorstandsmitglied Wolfgang Hoffmeister. „Die Sicherheit geht hier leider vor.“

VON STEFANIE WEHR

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare