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Das Jugend- und Sozialamt Frankfurt geht jedem Hinweis auf eine Kindesgefährdung nach. 

Jugendamt Frankfurt

Immer mehr Fälle von Kindesgefährdung ​in Frankfurt

Das Jugendamt Frankfurt registrierte zuletzt eine steigende Zahl an Hinweisen auf Kindeswohlgefährdung. Auch die Zahl der Fälle, in denen eine Gefährdung bestätigt wurde, ist gestiegen. Wie ist diese Entwicklung einzuordnen? Sie zeigt in erster Linie eine gesamtgesellschaftliche Sensibilisierung für das Kindeswohl.​ ​

Frankfurt - Die Anzahl der Hinweise auf eine Kindeswohlgefährdung hat sich im Jugendamt Frankfurt seit 2012 auf 3000 verdoppelt. Dabei ist der Anteil der Fälle, in denen sich der Verdacht bestätigte, von 33 Prozent im Jahr 2012 auf 43 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen. Das sind also fast 1500 Fälle – eine schockierende Zahl.

Sensibilisierung für Kindesmissbrauch in Gesellschaft 

Anke Siebert vom Jugendamt Frankfurt bezweifelt, dass die erhöhte Anzahl von Meldungen und bestätigten Fällen auf eine verschlechterte Situation der Kinder gegenüber früher zurückzuführen sei. Sie vermutet, dass mehrere Faktoren diese Entwicklung begünstigen: Einerseits spiele hierbei die gesamtgesellschaftliche Sensibilisierung für das Kindeswohl eine Rolle. Aufgrund der medial präsenten Missbrauchsfälle sei die Aufmerksamkeit für das Kindeswohl in der Gesellschaft insgesamt gestiegen. Siebert begrüßt die größere Bereitschaft, einen Verdacht zu äußern: „Mir ist es lieber, man ruft einmal zu viel an, als einmal zu wenig“. Im Endeffekt führt die erhöhte Anzahl an Meldungen in den letzten Jahren zur Aufdeckung von mehr Fällen, in denen Minderjährige in ihrer Entwicklung gefährdet waren.

Bessere Erreichbarkeit des Jugendamtes in Frankfurt

Siebert sieht noch einen weiteren Grund für die Zunahme von Meldungen: Das Jugendamt sei besser erreichbar. Im Jahr 2008 wurde das Frankfurter Kinder- und Jugendschutztelefon eingerichtet, das in der Regel von Montag bis Sonntag zwischen 8, beziehungsweise 10 und 23 Uhr unter der Telefonnummer (0800) 2 01 01 11 kostenlos und anonym kontaktiert werden kann. Auch bei der Entwicklung dieses Angebots spielten laut Siebert Medienberichte über aufgedeckte Missbrauchsfälle eine Rolle. So habe zum Beispiel der gewaltsame Tod des zweijährigen Kevin aus Bremen im Jahr 2006 die Arbeit des Jugendamtes Frankfurt beeinflusst. Das Kind starb an den Folgen einer schweren Misshandlung. Die beteiligten Behörden und ermittelnden Akteure standen damals in der Kritik. Das Jugendamt nutzt solche Fälle – wie auch den wiederholten Missbrauch auf dem Campingplatz in Lügde – , um mögliche Fehlerquellen und Verbesserungsmöglichkeiten bei der eigenen Arbeit zu erkennen.

Sexueller Missbrauch von Kindern geschieht meist im nahen sozialen Umfeld

Der eigentliche sexuelle Missbrauch macht bei den Misshandlungsfällen insgesamt nur ein Prozent aus. „Die Dunkelziffer liegt hier aber sicher höher“, sagt Siebert. Die Gründe hierfür seien komplex. Zum einen sehe man Kindern den sexuellen Missbrauch nicht direkt an. „Es gibt keine offensichtlichen Wunden“, so Siebert. Zum anderen komme es zu diesem Delikt meist im nahen sozialen Umfeld der Minderjährigen. Das erschwert eine Aufdeckung zusätzlich. Denn Kinder gerieten bei einem Missbrauch durch eine Person des nahen sozialen Umfelds in einen Loyalitätskonflikt, der oftmals verhindere, dass sie die Tat melden. Außerdem wollen viele Erwachsene trotz Verdachtsmomenten den sexuellen Missbrauch von Kindern besonders im familiären Kreis nicht wahrhaben, so Siebert. Daran konnte auch die gestiegene gesellschaftliche Sensibilisierung bisher wenig ändern.

von Astrid Theil

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