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Gewalt gegen Polizisten. (Symbolbild)

Angriff auf die Exekutive

Erschreckende Tendenz: Gewalt gegen Polizisten steigt 

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Gewalt gegen Einsatzkräfte gibt es nicht nur in der Silvesternacht. Angriffe auf Feuerwehrleute und Polizisten zählen in vielen deutschen Großstädten inzwischen zum Alltag. Auch in Frankfurt steigen die Zahlen seit Jahren.

Frankfurt - Zu so heftigen Attacken auf Polizeibeamte wie in Mannheim oder Berlin ist es in Frankfurt diesmal nicht gekommen. In der Platensiedlung, dem Ginnheimer Problemquartier, blieb die Silvesternacht ruhiger als im Jahr zuvor. Doch mindestens zwei Einsatzfahrzeuge wurden dort mit Steinen oder anderen Gegenständen beworfen, sagte eine Sprecherin der Frankfurter Polizei. Ein Großaufgebot verhinderte offenbar, dass es zu größeren Ausschreitungen kam. „Der Versuch, auf den Straßen Barrikaden zu errichten, wurde durch die eingesetzten Kräfte frühzeitig erfolgreich unterbunden“, zog die Polizei in einer Mitteilung am Neujahrstag Bilanz.

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Kriminalstatistik 2017: Angriffe auf Polizisten nehmen zu

Widerstands- und Gewalthandlungen vor allem gegen Polizisten gehören auch in Frankfurt mittlerweile zum Berufsalltag, nicht nur zum Jahreswechsel. Die entsprechenden Zahlen in der Kriminalstatistik steigen von Jahr zu Jahr, besonders seit 2015. Laut jüngster polizeilicher Kriminalstatistik wurden im Jahr 2017 insgesamt 1442 Frankfurter Polizeibeschäftigte Opfer von Gewalt im Dienst. Das ist ein Anstieg von 9,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Neuere Zahlen liegen noch nicht vor. Doch nach dem, was Polizeigewerkschaften berichten, ist eine Trendumkehr kaum zu erwarten.

Einen besonders krassen Fall schilderte die Frankfurter Polizei in ihrem Jahresbericht: Ein damals 32-Jähriger schlug im April 2017 mit einem kiloschweren Stein auf das Schild am 16. Polizeirevier ein, bis es sich löste. Dann verschwand er damit. Dank Zeugenhinweisen gelang es Beamten des Reviers, den Mann zu stellen. Doch er wehrte sich massiv, trat auf die Polizisten mit voller Wucht und Spikes an den Schuhen ein. „Ein Beamter wurde so schwer an der Hand verletzt, dass er seinen Dienst nicht mehr fortsetzen konnte und zwölf Tage dienstunfähig war“, heißt es im Polizeibericht. Eine Kollegin beschimpfte der Festgenommene als „ungläubige Schlampe“. Jüngstes Beispiel: Erst am Neujahrstag hat ein Unbekannter in Höchst vorm 17. Polizeirevier versucht, einen abgestellten Streifenwagen anzuzünden.

Um die Beamten vor solchen Gewaltexzessen zu schützen, setzt die Frankfurter Polizei verstärkt sogenannte Bodycams ein. Diese kleinen Videokameras werden an der Uniform angebracht und können eingeschaltet werden, wenn es brenzlig wird. „Nach den persönlichen Erfahrungen der Eingesetzten erzielt das Einsatzmittel Bodycam in Kontrollsituationen eine deeskalierende Wirkung“, heißt es etwas bürokratisch im jüngsten Jahresbericht. „Ferner erhöht es das Sicherheitsgefühl der Beamtinnen und Beamten in Kontroll- und Eingriffssituationen.“

Polizei Frankfurt: Kameras könnten schützen

Polizei mit Body-Cams

Polizisten, die mit einer Bodycam im Einsatz waren, erzählen: Allein die Ankündigung, mit der Videoaufzeichnung zu beginnen, lasse so manchen Unruhestifter schon zur Ruhe kommen. Sollte es dennoch zu einer Attacke kommen, läge zumindest aussagekräftige Beweismaterial vor, um den Täter strafrechtlich zu verfolgen.

Auch Feuerwehrleute könnten mit dieser Technik ausgestattet werden. In Darmstadt läuft bereits ein Pilotprojekt. Der Frankfurter Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) hat angekündigt, die dort gemachten Erfahrungen zu prüfen. Danach werde der Magistrat „über einen möglichen Einsatz in Frankfurt entscheiden“. Offiziell dienen die Feuerwehr-Kameras zwar zur besseren Aufklärung der Lage am Einsatzort. Doch gegen eine zusätzliche abschreckende Wirkung auf Gewalttäter hätten Feuerwehrleute sicher nichts einzuwenden. Denn auch sie sind im Dienst zunehmend Angriffen ausgesetzt. In ihren Uniformen werden Feuerwehrleute ebenfalls als Vertreter der Staatsmacht angesehen, erklären Experten dieses neue Phänomen.

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