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Gisela Christ von Carben und Lisa Miriam Eder.

Ex-Volkstheaterchefin für Sprachentwicklung

Hessisch für Anfänger

"Hannebambel", "Ferz mit Krigge?" Die Schauspielschülerin Lisa Miriam Eder steht auf dem Schlauch, noch nie hat die Münchnerin diese hessischen Ausdrücke gehört...

Kein Wunder, denn die 22-Jährige ist neu in Frankfurt, und einen Handkäse hat sie auch noch nicht probiert. Erst seit Oktober studiert sie Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, insgesamt vier Jahre liegen vor ihr. Den Dialekt kann ihr Gisela Christ von Carben mühelos übersetzen, die Tochter der Schauspielerin Liesel Christ und ehemalige Leiterin des Volkstheaters Frankfurt, erklärt: „Die ,Ferz’ meint etwas Absurdes, Unfug. Meine Mutter sagte stattdessen oft ,schwarze Schnecken mit weißen Schwänzen’. Das gibt es eben nicht.“

Nach Mutter und Tochter Christ ist eine junge Stiftung benannt, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Vielfalt der Sprachlandschaft zu fördern. Vor allem Dialekte und regionale Umgangssprachen wie die Frankfurter Mundart stehen im Fokus. Besonders begabte Schauspielstudierende unterstützt die Stiftung mit einem Jahresstipendium. Lisa Miriam Eder hat nicht nur Talent, sondern auch das Glück die erste Stipendiatin zu sein. „Aus den Lebensläufen von fünf Studenten entschieden wir uns einstimmig für Lisa. In München hat sie bereits Mundart-Projekte realisiert, ihre Bühnenpräsenz ist beindruckend“, schwärmt Gisela Christ von Carben. Gleichzeitig betont die Stiftungsvorsitzende die enge Verbindung zur Hochschule, an der bereits ihre Mutter studierte.

Von „Mama Hesselbach“ und der Theater-Prinzipalin Liesel Christ erfuhr die Stipendiatin allerdings erst in der Mainstadt. In astreinem Hochdeutsch erzählt sie: „In Frankfurt sprach ich vor mit der Rolle der Tochter in ’Bauern sterben’ von Franz Xaver Kroetz. Ich finde es spannend, wie eine Figur allein aus dem Dialekt heraus entsteht, in diesem Fall Bayerisch.“ Die finanzielle Unterstützung macht vieles für die Studentin leichter, denn Zeit zum Jobben hat sie keine. „Oft endet der Unterricht gegen 22.30 Uhr“, sagt sie.

Für eine Rolle, die nun ansteht, muss sie nicht üben, sie spielt wieder den Weihnachtsmann: „Meine Großmutter ist Finnin, und daher gibt es bei uns daheim an Heiligabend immer Leckeres aus dem Norden, etwa finnische Aufläufe. Ein Höhepunkt ist, wenn ich mit rotem Mantel als ,Joulupukki’, wie die Finnen den Weihnachtsmann nennen, erscheine. Süß, die Kinder glauben, er sei echt.“ Keine Ferz mit Krigge: Von der Studentin wird man noch hören, sicher auch auf Hessisch. fai

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