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Kalle Kröber und Bonnie Fischer vor einem der neuen Wimpel an der Stelle, wo der Verkehr in den alten Ortskern fährt.

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Flotte Sprüche: Uff Hessisch gegen die Raser kämpfen

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Die Seckbacher machen wieder auf sich und den Verkehr im Stadtteil aufmerksam: Zunächst mit bunten Wimpeln und flotten Sprüchen, dann mit politischen Forderungen. Die Fahnen zieren bereits die Wilhelmshöher Straße entlang der Ortseinfahrten oder sollen dort demnächst aufgehängt werden.

Grün, lila oder rot sind die über zwei Meter hohen Wimpel, sogenannte Flags, die neuerdings an einigen Hauseinfahrten entlang der Wilhelmshöher Straße wehen. „Fahr net wie en Kranke, Seckbach wird ders danke!“, steht auf einem, darunter ist ein Kussmund abgebildet. „Busse runner vom Gehsteig“, steht an der Steigung Richtung Bornheim hinauf an einer Stelle, wo auf beiden Seiten nur ein knapper Meter zwischen Hauswand und Fahrbahn Platz ist. Ziemlich frech ist das „Sei kein Luschekopp und fahr rischdisch“, an Brummifahrer richtet sich angesichts des Durchfahrtverbots für Laster über 7,5 Tonnen die Frage: „Bist du hier rischdisch?“ Flotte Sprüche, mit denen die Aktionsgemeinschaft Wilhelmshöher hofft, ein wenig Rücksicht bei den Verkehrsteilnehmern zu bewirken. Denn deren Fahrverhalten sei eher schlimmer als besser geworden.

„Vor allem die Busse fahren wieder schneller und öfter über die Bürgersteige, um entgegenkommenden Bussen oder Lastern auszuweichen“, sagt AG-Sprecher Kalle Kröber. Auch dort, wo eigentlich genug Platz wäre, aneinander vorbeizukommen, wenn man langsam fährt wie zwischen Budge-Stiftung und Buchhändlerschule. Dort ist auf der Nordseite der Bürgersteig bereits auf 80 Zentimeter Breite deutlich niedriger als auf dem Rest des 30 Meter langen Abschnitts, weil der Gehweg das Gewicht von Bussen und Lastern nicht aushält. „Dabei hatte es bei den Busfahrern echt gut geklappt, nachdem wir mit ihnen gesprochen hatten“, ärgert sich AG-Sprecherin Bonnie Fischer über den Rückfall. Vielleicht seien beim Linienbetreiber ja auch inzwischen viele neue Fahrer auf der Linie 43 im Einsatz.

Funkstille nach der Wahl

Weil sich aber auch vonseiten der Stadt nach dem Aufstellen neuer Poller vor dem Gasthaus „Zum Rad“, am Abzweig der Leonhardsgasse von der Wilhelmshöher, nichts mehr getan habe, wolle die AG nun den öffentlichen Druck wieder etwas erhöhen. „Wir haben den Eindruck, kurz vor der Landtagswahl wollten die Politiker zeigen, seht her, wir tun etwas – aber jetzt herrscht wieder Funkstille“, sagt Bonnie Fischer.

„Wir Bürger müssen wieder besser sichtbar sein“, sagt Fischer. Die Wut angesichts der Automassen, die sich nicht nur zur Hauptverkehrszeit die Wilhelmshöher Straße entlang durch Seckbach drängen, nehme im Stadtteil wieder zu. Daher sollen die Wimpel, die nahe den Ortseinfahrten für mehr Aufmerksamkeit der Autofahrer sorgen sollen, nur der Anfang der Kampagne sein. Teil zwei werde eine Plakataktion. „Dabei werden wir Motive gestalten, aus den Forderungen, die die Bürger an die Stadt oder die Verkehrsteilnehmer stellen. Anfang Dezember werden diese individuellen Forderungen dann aufgehängt“, sagt Fischer. Standardsprüche zum Teil, wie „steigt um auf die Schiene“ oder „Mir stinkt’s gewaltig – Verkehrsberuhigung jetzt“.

Straße hat ein Gesicht

„Wir wollen den Autofahrern klarmachen, dass die Straße ein Gesicht hat: Jenes der Anwohner nämlich“, sagt Kröber und hält ein Tütchen mit kleinen roten Steinbrocken hoch. „Das hat mir gestern ein Nachbar gegeben, der in einem alten Fachwerkhaus direkt an der Straße lebt. Das sind Brocken von den Firstpfannen, die wegen der Erschütterungen vom Dachstuhl herunterbröseln.“ Fischer nickt. „Bei uns daheim kann man am Klirren der Gläser erkennen, was für ein Auto vorbeifährt: Ist es nur kurz, war es ein Bus. Ist es länger, war es ein Schwerlastwagen.“ Vor einigen Tagen sei die ganze Familie zwischen fünf und sechs Uhr früh wach gewesen, weil das Klirren im Schrank gar nicht mehr aufhören wollte. „Dabei gilt doch für Seckbach eigentlich ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen.“

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