Eine Frau schnieft hinter einer Birkenblüte. Derzeit fliegen vor allem diese Pollen. Foto/Grafik: dpa
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Eine Frau schnieft hinter einer Birkenblüte. Derzeit fliegen vor allem diese Pollen. Foto/Grafik: dpa

Gesundheit

Heuschnupfen kann gefährlich werden

Laufende Nase, rote und juckende Augen, Probleme beim Atmen ? diese Symptome kommen derzeit wieder auf Menschen zu, die an Heuschnupfen leiden. Denn im Frühjahr erreicht der Pollenflug seine intensivste Phase.

Nicht jeder kann sich derzeit über das Frühlingswetter freuen. Denn mit den sommerlichen Temperaturen fliegen auch wieder Pollen und Blütenstaub durch die Luft. Für Allergiker beginnt damit eine lästige Phase. Ausflüge ins Grüne werden schnell zur Tortur: Ständig läuft die Nase und die Augen jucken.

Heuschnupfen ist eine Volkskrankheit: Rund 20 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Form der Pollen-Allergie, schätzt Gernot Rohde, Professor für Pneumologie und Allergologie und Chefarzt des Universitätsklinikum Frankfurt.

Die Anlage für den Heuschnupfen erben die meisten Menschen von ihren Eltern. Für die Entwicklung der Allergie spielen aber weitere Faktoren eine wichtige Rolle – zum Beispiel die zunehmende Umweltbelastung oder übertriebene Hygiene. Tatsächlich ist mittlerweile klar, dass Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen, signifikant weniger Allergien entwickeln als Kinder, die in der Stadt aufwachsen. Die Entwicklung der Sensibilität kann außerdem durch bestimmte Infektionen im Kindesalter begünstigt werden. Und auch die Nahrung scheint Einfluss zu haben – genau wie der Klimawandel.

Inzwischen, sagt Allergologe Gernot Rohde, komme es häufiger vor, dass Menschen jenseits der 50 erstmalig eine Pollenallergie entwickeln. Möglicherweise „altert“ das Immunsystem – und verliert dabei einige seiner Eigenschaften. Komplett wirksame Präventivmaßnahmen, um sich und seine Kinder vor Heuschnupfen zu schützen, gibt es nicht. Eine vollwertige Ernährung aus frisch zubereiteten Zutaten, das Meiden von Luftverschmutzung und Feinstaub, keine übersteigerte Hygiene und keine vorschnelle Antibiotikatherapie könnten jedoch helfen.

Je nachdem, gegen welche Pollen und Gräser die Betroffenen allergisch sind, können die Beschwerden im Laufe des Jahres zu- oder abnehmen. Der Pollenflug beginnt mit Haselnuss- und Erlenpollen schon im Januar. Jetzt im März und April fliegen vor allem Buchen-, Eschen- und Birkenpollen, danach Gräser und Getreidearten. Kräuter wie Beifuß, Brennnessel und Ambrosia sind als Spätblüher im Sommer und Frühherbst die Schlusslichter. Vor allem Frankfurt und Umgebung hat laut dem Deutschen Wetterdienst derzeit, je nach Wetterlage, eine hohe Belastungsintensität an Birkenpollen.

Gerade diese Pollenart, aber auch Ambrosia-Pollen können zu den aggressiveren Allergenen gezählt werden. Doch der Pollenflug kann nur ungefähr vorausgesagt werden. Wetterverhältnisse können die Dauer und Intensität des Pollenflugs beeinflussen. Laut der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst sind in diesem Jahr jedoch vor allem deutlich mehr Birkenpollen als in 2017 zu erwarten.

Dass die Symptome von einer Pollen-Allergie oftmals unterschätzt werden, bestätigt auch Rhode. „Ich sehe viele Patienten, die erst den Lungenfacharzt aufsuchen, wenn sie schon Luftnot haben. Luftnot ist aber ein absolutes Alarmsymptom und diese Menschen berichten dann häufig über schon seit sehr langem bestehenden Atemwegssymptomen wie Heuschnupfen und Husten“. Betroffene sollten in jedem Fall ihre Allergie durch einen Allergietest beim Arzt einschätzen und so die genauen Auslöser des Heuschnupfens feststellen lassen, um eine gezieltere Behandlung zu gewährleisten.

Danach erfolgt die Therapie meist zunächst lokal mit Augentropfen und Nasensprays. Weiterhin können Antihistaminika verordnet werden, also Mittel, die sich gegen den Botenstoff der Allergie, das Histamin, richten. Bei unteren Atemwegsbeschwerden helfen lokale entzündungshemmende und bronchialerweiternde Sprays. „Bei den rezeptfreien Medikamenten, sind vor allem Nasensprays, Allergietabletten und Augentropfen die am stärksten nachgefragten Mittel“, bestätigt auch Johanna Hauser, Bereichsleiterin der Landesapothekenkammer Hessen.

Der Deutsche Wetterdienst und die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst bieten Voraussagen zu Pollenflügen und betroffenen Gebieten, sowie Wochenpollenvorhersagen an.

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