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Heute Abend Typisierungsaktion von Studenten

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Von: Julia Lorenz

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Simon Tobor (Zweiter von rechts) hat eine Stammzellspende das Leben gerettet ? jetzt unterstützt er Ruben Römer (von links), Maureen Jacob und Kai Ullmann bei ihrem Projekt ?Uni hilft?, das potenzielle Spender unter Studenten sucht.
Simon Tobor (Zweiter von rechts) hat eine Stammzellspende das Leben gerettet ? jetzt unterstützt er Ruben Römer (von links), Maureen Jacob und Kai Ullmann bei ihrem Projekt ?Uni hilft?, das potenzielle Spender unter Studenten sucht. © Michael Faust

Wie wichtig Spenden von Stammzellen sind, hat Simon Tobor (26) am eigenen Leib erfahren müssen. Er hatte Leukämie, konnte nur durch Stammzellen eines fremden Menschen überleben. Deshalb unterstützt er das studentische Projekt „Uni hilft“, das Typisierungsaktionen organisiert.

Früher hat Simon Tobor geboxt, mit ausgiebigen Krafttraining seine Muskeln aufgebaut. 100 Kilogramm stemmen – das war ein Klacks für den jungen Mann. „Und heute ist es jeden Morgen ein Kraftakt, überhaupt aus dem Bett aufzustehen“, sagt der 26-Jährige. Ende 2008 wurde bei ihm – er stand gerade vor seinem Abitur – ein Tumor an seinem Lymphgewebe festgestellt, der an der Uniklinik behandelt werden konnte. Doch gleichzeitig wurde auch Blutkrebs (Akute Lymphatische Leukämie) diagnostiziert. Bei dieser Krankheit bilden sich im Knochenmark zu viele weiße Blutkörperchen, was die normale Blutbildung verhindert.

Chemo und Rückfall

Es folgten intensive Chemo- und Strahlentherapien, Reha-Aufenthalte. Nach der ganzen Prozedur, die er über sich ergehen lassen musste, galt er eigentlich als geheilt. Doch dann der Schock: Die Leukämie kam zurück. „Nur eine Knochenmarkstransplantation konnte mich noch retten“, sagt der junge Mann. Nach einer missglückten Transplantation konnte Simon Tobor am 7. Dezember 2011 mit eine Stammzellspende das Leben gerettet werden. Er gilt als geheilt. „Seit dem feiere ich an jedem 7. eines Monats zusammen mit meiner Mutter meinen Geburtstag“, sagt er.

Nach diesen Erfahrungen setzt sich Tobor dafür ein, Aufklärung über Leukämie und die Möglichkeiten für Stammzellspenden zu betreiben. Er hält Vorträge an Schulen und schreibt Blogs im Internet. Zudem setzt er sich dafür ein, dass sich möglichst viele Menschen als Spender zur Verfügung stellen. Schon während seiner Krankheit hat er Typisierungsaktionen organisiert, damit es genug Spender gibt – nicht nur für ihn, sondern auch für andere. Heute unterstützt er die Medizinstudenten an der Uniklinik bei ihrem Projekt „Uni hilft – Gemeinsam Leukämie besiegen“, das im Jahr 2013 ins Leben gerufen wurde. Gemeinsam mit der vom Deutschen Roten Kreuz gegründeten Deutschen Stammzellspenderdatei mit Sitz in Niederrad organisieren die Studenten regelmäßig Typisierungsaktionen um mögliche Spender zu finden.

3382 Personen konnten seit Gründung der Studentengruppe schon typisiert und sechs potenzielle Spender an Leukämie-Patienten vermittelt werden. „Leider machen wir das alle nur ehrenamtlich und haben vor allem im vergangenen Jahr nicht viel Zeit gehabt, unser Projekt weiter voranzutreiben“, sagt Kai Ullmann von „Uni hilft“. Wurden in den Jahren zuvor noch weit mehr als 1000 Stammzellspender geworben, war die Zahl mit 372 im vergangenen Jahr stark rückläufig. „Das wollen wir jetzt wieder ändern“, sagt Ullmann. Heute Abend sind die Medizinstudenten auf der „Doc Rock“-Party im „Changó“ unterwegs, um von den Feiernden mit Wattestäbchen einen Wangenabstrich zu nehmen.

Genetischer Zwilling

Jährlich erkranken allein in Deutschland 11 000 Menschen an Leukämie. „Die letzte Chance ist meist aber nur die Stammzelltransplantation“, sagt Ruben Römer von der Deutschen Stammzellspenderdatei. Dafür muss der genetische Zwilling des Patienten gefunden werden, die Gewebemerkmale müssen nahezu vollständig übereinstimmen. „Je mehr Menschen sich registrieren lassen, desto größer ist dann natürlich auch die Wahrscheinlichkeit einen passenden Spender zu finden“, sagt Römer.

Typisieren lassen darf sich jeder, der 18 bis 55 Jahre alt und gesund ist sowie mindestens 50 Kilo wiegt. Wer registriert ist, darf bis zum 61. Lebensjahr spenden. „Das ist allerdings auch ein Problem. Der Großteil der registrierten Spender ist zwischen 45 und 55 Jahre alt. Lange können sie nicht mehr spenden“, sagt Römer. Umso interessanter sind für ihn auch die Typisierungsaktionen unter den Studenten. „Je jünger die Person ist, desto länger ist sie in der Datenbank.“

Dazu zählt auch Maureen Jacob (19), Medizinstudentin im ersten Semester, die „Uni hilft“ unterstützt und bei ihren Kommilitonen Werbung für die Aktionen macht. Natürlich hat sie sich längst typisieren lassen. „Das muss man einfach machen lassen. Es ist wirklich die einfachste Form, um ein Menschenleben retten zu können.“

Wer sich von „Uni hilft“ typisieren lassen will, der kann am heutigen Donnerstag ab 22 Uhr seine Speichelprobe im Club „Changó“, Münchener Straße 57, abgeben. Dort feiern die Medizinstudenten ihre „Doc Rock“-Party. Weitere Informationen gibt es unter im Internet.

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