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Heute geht's zur Eintracht nach "Sevilljaaa"

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Von: Ute Vetter

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Detlev Huber (li.), hier mit seinem Kumpel Markus Pauly, hat bereits anno 1960 als achtjähriger Bub die Frankfurter Eintracht gegen die Glasgow Rangers im Waldstadion gesehen. Und heute ist er in Sevilla mit dabei. Beide freuen sich aufs Jahrhundertspiel.
Detlev Huber (li.), hier mit seinem Kumpel Markus Pauly, hat bereits anno 1960 als achtjähriger Bub die Frankfurter Eintracht gegen die Glasgow Rangers im Waldstadion gesehen. Und heute ist er in Sevilla mit dabei. Beide freuen sich aufs Jahrhundertspiel. © Rainer Rüffer

Für Detlev Huber schließt sich ein besonderer Kreis

Frankfurt -Detlev Huber (70) düst heute früh, 18. Mai, um 7.30 Uhr mit dem Flugzeug gen Spanien - nach Barcelona, dann Jerez und dann mit dem Mietauto nach Sevilla, na klar. Zusammen mit seinem Kumpel und ebenso glühenden Eintracht-Fan Freund Markus Pauly. Und natürlich mit den richtigen Devotionalien im Koffer für das Jahrhundert-Spiel, also das Europa-League-Finale gegen die Glasgow Rangers: Eintracht-Schal und Klamotten im Dresscode "Just white".

Die Freunde werden im Strom von schätzungsweise 50 000 Eintracht-Fans schwimmen, glückselig, dabei zu sein unter spanischer Sonne, in einer der schönsten Altstädte dieses Planeten, egal, wie dieser schon jetzt historische Kick ausgehen wird. "Als echter Eintracht-Fan gehst du alles mit, ob in die Regionalliga oder so wie jetzt durch die Decke", sagt Huber und lacht.

1960 im Waldstadion

die Rangers gesehen

Für den gebürtigen Frankfurter, der trotz seiner 70 Lenze noch immer als Diplom-Psychologe in seiner Praxis im Gutleutviertel unweit dieser Zeitung arbeitet ("ich kann noch nicht aufhören, es ist einfach so viel zu tun"), schließt sich mit dem Trip nach "Sevilljaaa" ein Kreis: Er hat anno 1960 als achtjähriger Bub mit seinem Vater im Frankfurter Waldstadion die Eintracht gegen die Rangers - jawoll, eben jene Glasgow Rangers! - spielen sehen. "6:1", sagt er nur, "6:1!"

62 Jahre ist das nun her, er kann es manchmal selbst kaum glauben. Es war das Halbfinale im Europapokal der Landesmeister 1959/60. Damals, es war Mittwoch, 13. April, strömten rund 72 000 Zuschauer in die Arena. "Da waren so Betonstufen, wir hatten Stehplätze", erinnert sich Huber nur dunkel. Fotos davon gibt es keine. Er weiß nur, dass sein Vater - gebürtiger Argentinier, mit drei Jahren an den Main verpflanzt und vor sechs Jahren mit 93 Jahren verstorben - "eigentlich kein großer Fußballfan gewesen war".

Schon als Bub

dauernd gekickt

Er selbst dagegen um so mehr. Schon als Fünfjähriger liebte er das Kicken über alles, schnappte sich in jeder freien Minute die "Pille" und marschierte aus der Wohnung in der Scheidstraße im Dornbusch zur Bertramswiese vorm Funkhaus, um dort zu kicken, bis nix mehr ging. Es war also fußballerisch gesehen schon längst vollkommen um ihn geschehen, als er mit acht Lenzen im Waldstadion "irgendwo ganz oben" stand und innerlich glühte.

Es war ein "prägendes Ereignis", sagt der Psychologe. Er wurde das, was man einen echten Eintracht-Fan nennt. "Mitglied bin ich aber erst seit dem 28. Juni 1984", sagt er fast entschuldigend. Hallo, das sind immerhin fast 40 Jahre. Dauerkarte? Na logo, sonst hätte er sich ja gar nicht um Tickets für "Sevilljaaa" bewerben können. Und sogar eine Europa-League-Dauerkarte hat er sich irgendwann mit seinem Kumpel gegönnt, pro Heimspiel zahlt er dann rund 350 Euro, aber das ist es ihm wert, "es ist toll, diese Spiele zu erleben. Dafür arbeite ich auch viel". Bestechende Logik.

Zurück in die Kindheit: "Ich durfte leider nicht in einen Fußballverein, das erschien meinen Eltern zu proletenhaft." Er spielte Hockey, Tennis, Tischtennis und Schach. Dabei war er längst ein guter Kicker, "Mittelstürmer, Mittelfeld. Ich war technisch recht gut, wenn auch nicht der Schnellste", erzählt er.

Er kickte, wo immer es nur ging: Klassenmannschaft, Freizeit-, Theken-, Stadtteilmannschaft; er war meist Kapitän, oft auch Torschützenkönig. "Auf die alten Tage dann Libero. Bis so mit 50 Jahren die Oberschenkel zugingen", erzählt er. Willi Huberts war sein Vorbild, "und natürlich der legendäre Uwe Bein und Lajos Detari fürs Mittelfeld, später Bruno Pezzey als Libero".

Tapas, Bier und dann

zum Spiel aller Spiele

Zurück zum historischen Eintracht-Spiel. Was werden er und sein Kumpel in "Sevilljaaa" tun? "Naja, was alle halt so tun: Bummeln, Sightseeing, Tapas essen, ein, zwei Bierchen trinken, feiern, das tolle Gemeinschaftsgefühl mit den anderen Eintracht-Fans genießen." Und was, wenn die Eintracht verliert? "Ach, erholen müssen wir uns so oder so nach diesem Spiel, ganz egal, wie es ausgeht", sagt er. Und rechnet trotz des starken Gegners (ein Traditionsverein auch dieser mit einer ebenso treuen Fan-Gemeinde wie die Eintracht) fest mit einem Sieg. Zudem sei die ganze Saison wegen des Wahnsinnserfolgs in der Europa League "grandios gelaufen - das muss sowieso gefeiert werden!". Ute Vetter

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