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Frank Benner, der das allererste Elektro-Taxi in Frankfurt betreibt. Basaltstr. 19 Innenstadt, Frankfurt. Aufgenommen am 06.08.2018.

Umwelt

Hier fährt das erste E-Taxi durch Frankfurt

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Seit kurzem ist in Frankfurt das erste Elektrotaxi unterwegs, ein Tesla. Insgesamt aber hinkt die Stadt in Sachen Elektromobilität hinterher. Der Anteil der E-Autos an den zugelassenen Fahrzeugen liegt gerade mal bei 0,3 Prozent, und nach wie vor gibt es kaum Ladesäulen.

Wer ein Elektro-Auto fährt, der hat es in Frankfurt nicht leicht. Gerade einmal 37 öffentlich zugängliche Ladestellen gab es laut Bundesnetzagentur im vergangenen Jahr in der Mainmetropole. Zum Vergleich: In Hamburg und Berlin waren es jeweils mehr als 600 – also mehr als 16 mal so viele. Das spiegelt sich auch in der Zahl der Elektrofahrzeuge, die dort 2017 zugelassen waren: 1387 waren es in Hamburg, 2007 in Berlin, in Frankfurt lediglich 527.

Inzwischen sind es mehr: 802 rein elektrische Fahrzeuge tragen das Kennzeichen „F“ für Frankfurt, dazu 756 Hybridmodelle. Bei insgesamt 435 191 zugelassenen Fahrzeugen macht das aber nur eine kleine Gruppe von etwa 0,3 Prozent aus.

Vor kurzem ist ein besonderes Modell hinzugekommen: Frankfurts erstes Elektrotaxi, ein Tesla S. Frank Benner ist der stolze Besitzer. 75 000 Euro hat er für den Wagen gezahlt, plus in etwa die üblichen Kosten für Taxameter, Beschriftung und so weiter. „Die Fahrer sind begeistert, die Kunden auch“, berichtet der Chef des Taxibetriebs in der Basaltstraße in Bockenheim. Der Wagen ziehe gut und sei sehr angenehm zu fahren, berichtet Benner. „Die Fahrer balgen sich fast um dieses Auto.“

Nur einen Haken gibt es. „Etwa eine Stunde pro Schicht muss man an die Schnellladestation“, sagt Benner. Von denen gibt es mehrere, darunter eine am Hauptbahnhof, eine am Flughafen, eine an der Messe und eine weitere bei Kaufland in der Wächtersbacher Straße. Wenn die Fahrzeuge eine Stunde an der Station stehen – vorausgesetzt, diese ist frei – können sie weitere 200 Kilometer fahren.

Für die Fahrer bedeutet dies, dass sie planen müssen. Kommen sie mit dem Akku-Ladestand zum Fahrziel und zurück? Können sie unterwegs laden, etwa an einer Schnellladestation von Tesla in Wiesbaden oder in Erlensee? „Das ist anders als bislang, als man einfach zur Tankstelle gefahren ist“, sagt Benner. 20 Kilowattstunden verbraucht der Tesla in einer durchschnittlichen Schicht mit einer Fahrtstrecke von rund 200 Kilometern.

Ein zweites Elektrotaxi wird bald folgen: Taxiunternehmer Erwin Auth hatte bereits im Februar einen E-Hyundai bestellt, der Ende August geliefert werden soll. Dann sind die ersten zwei von insgesamt 1712 Taxis in der Stadt elektrisch betrieben.

Wie viele der Elektrofahrzeuge in Frankfurt von Privatpersonen gefahren werden und wie viele in Fuhrparks von Unternehmen rollen, dazu gibt es keine genauen Zahlen. Zum Fuhrpark der Stadt allein gehören 39 Elektrofahrzeuge bei 534 Autos und 356 Lastwagen, die sich insgesamt in städtischem Besitz befinden. Das geht aus einem kürzlich veröffentlichten Bericht des Magistrats hervor und entspricht einem Anteil von 7,3 Prozent der Fahrzeugflotte.

Das Laden sei in städtischen Betriebshöfen kein Problem, erklärt Ansgar Roese, bei der Wirtschaftsförderung für Elektromobilität zuständig: „Steckdose, Ladestation oder Wallbox – eine Art Spezialsteckdose an der Wand“, alles sei da. Und nachts stünden die Fahrzeuge ohnehin immer – Zeit zum Laden.

Da müssen die Taxiunternehmer Auth und Benner höhere Hürden nehmen. Beide fordern mehr Schellladestationen in der Stadt. Den Bedarf sieht auch der städtische Elektromobilitätsbeauftragte Roese. Er räumt ein, dass Frankfurt mit der Ladeinfrastruktur hinter Städten wie Amsterdam oder München herhinke – und gelobt Besserung: „Wir werden uns in den nächsten Tagen mit allen Beteiligten zusammensetzen.“

Gemeinsam mit den Taxiunternehmern will die Stadt klären, wo acht bis zehn neue Schellladesäulen über das Stadtgebiet verteilt hinsollen. Noch ist unklar, ob diese ausschließlich von Taxis genutzt werden sollen. „Wichtig ist, dass ein Taxi, wenn es leer ist, dort schnell laden und binnen 30 Minuten Strom für 200 Kilometer tanken kann“, sagte Roese.

Die Ladesäulen hätten aber auch ihren Preis. „40 000 Euro ist das Minimum für Schnellladesäulen, an denen man binnen 20 Minuten 80 Prozent des Akkus laden kann.“ Acht oder zehn solcher Ladestellen kosten demnach 360 000 bis 400 000 Euro. „Es darf auch nicht so sein, dass die Kilowattstunde 90 Cent kostet“, weiß Roese, dass ein solcher Preis manchen Taxiunternehmer abschrecken würde. Sie aber müssten mitziehen, wenn die Taxiflotten umweltfreundlicher unterwegs sein sollen.

Hans-Peter Kratz, Vorsitzender der Taxi-Vereinigung, versichert: „Wir gehen den Weg mit. Wir sind bereit.“ Allerdings müsse klar sein: „Wer die Musik bestellt, bezahlt sie. Wenn die Stadt will, dass die Taxis elektrisch fahren, dann ist es Aufgabe der Stadt, uns die Ladeinfrastruktur bereitzustellen.“

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