Die Eis-Saison ist eröffnet: Lido-Eis-Chef Mario Talamini reicht Amelie eine Waffel mit einer Kugel Yoghurt-Eis. foto: Rainer Rüffer
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Die Eis-Saison ist eröffnet: Lido-Eis-Chef Mario Talamini reicht Amelie eine Waffel mit einer Kugel Yoghurt-Eis. foto: Rainer Rüffer

Niederrad: Ein Stückchen Sommer

Hier gibt's schon Gelato to-go

  • vonSabine Schramek
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Ein bisschen Nostalgie und jede Menge purer Geschmack. Das ist das Motto von Mario Talamini, der in zweiter Generation das Eiscafé Lido-Eis in der Bruchfeldstraße betreibt. Wie sein Vater stellt er jedes Eis vor Ort höchstpersönlich her. Ab sofort gibt es wieder Gelato to-Go.

Niederrad -Ein hoher Messbecher voller knallroter Erdbeeren, ein silberner Edelstahleimer und ein überdimensional großer orangefarbener Pürierstab sind das, was Marion Talamini (58) in der winzigen Küche zwischen silbernen Kühler und flacher Eismaschine umgibt. Sein Hemd trägt dieselbe Farbe wie sein Pürierstab, mit dem er den Erdbeeren zu Leibe rückt. "Es muss nach dem schmecken, was drin ist", sagt er lachend. An sein Eis kommen keine Konservierungsstoffe, keine künstlichen Zusätze und keine Marmelade. "Das Einzige, was heute anders als vor mehr als 60 Jahren bei den Zutaten ist, ist, dass kein Ei mehr verwendet wird. Das Handwerk hat Talamini von seinem Vater gelernt. "Er kam aus den Dolomiten, wo es das beste Eis der Welt gibt", erzählt der Inhaber von Lido-Eis. Seit genau 20 Jahren betreibt er das Café mit 25 Sitzplätzen innen und 35 auf der Terrasse.

Zuerst hatte sein Vater Sergio das Geschäft betrieben. Er hatte noch einen anderen Eissalon in Wächtersbach, den er an seine Tante aus Italien übergeben hat. Seine Frau Gerti stieg 1961 mit ein ins "Lido-Eis". "Meine Eltern haben sieben Monate im Jahr durchgearbeitet und waren fünf Monate in Italien. Mein Urgroßvater hatte in Venetien die Zeitung "Il Gazzetto" gegründet und die Familie ist nach Venedig gezogen - bis Mussolini kam, dessen Meinung mein Großvater nicht geteilt hat. Schon damals ging es so oft wie möglich in die Dolomiten. Seine Mutter, die gestern 80 Jahre alt wurde, lebt heute noch dort. Er selbst hat das Abitur in Italien gemacht und ein halbes Jahr Wirtschaft studiert. Er lacht. "Ich dachte, ich schaffe es, im Winter zu studieren und im Sommer im Eiscafé zu arbeiten. Das Eis hat mir besser gefallen", sagt er schmunzelnd. Gemeinsam mit seinem Bruder Bruno war er ab 1984 ständig mit im Geschäft. Nach und nach zogen sich seine Eltern zurück und auch sein Bruder kehrte nach Italien zurück. "Seit 2001 bin ich hier und ich liebe es", sagt der verheiratete Mann, der eine 13jährige Tochter hat. Wegen Corona hadert er nicht. "Naja, als wir letztes Jahr Ostern bei 25 Grad Celsius kein Eis verkaufen durften, war ich alles andere als entspannt", sagt er. "In der Lockdown-Zeit habe ich allerdings gemerkt, dass es auch anderes Wichtiges gibt. Dass auch die kleinen Dinge zählen. Im ersten Lockdown bin ich wieder auf den Boden gekommen und genieße die Zeit mit der Familie viel mehr." Normalerweise schließt er im Winter für sechs Wochen. Jetzt war es zwei Wochen mehr.

22 Sorten

im Angebot

Ohne Corona ist er um sechs Uhr morgens aufgestanden und erst spät nach Hause gekommen. "Ich mache das Eis im Sommer täglich frisch. Das dauert schon seine Zeit mit 22 Sorten." Als er wieder öffnen durfte, hat er die Zeiten geändert. Statt um zehn Uhr hat er um 11 Uhr aufgemacht und er hatte montags Ruhetag. So gab es mehr Zeiten für die Familie und sich selber. Die Winterpause hat Talamini mit "Holzarbeiten" genutzt. Was er so bescheiden nennt, sind wunderschöne Tische, edle Schneidebretter mit Schachbrettmuster und Uhren aus Naturholz. "Das habe ich alles verschenkt", erzählt er über die perfekten Kunstwerke in edelstem Design. "Wenn man selbstständig ist, sollte man keine zwei linken Hände haben", sagt der Eismacher achselzuckend. Jetzt sei es Zeit, wieder im Salon zu arbeiten. "Das freut auch meine Frau und meine Tochter, wenn ich mal wieder den ganzen Tag hier bin", meint Talamini. Während er im Eiscafé Sorbets und Milcheis macht, backt seine Frau zu Hause Kuchen, die ebenfalls verkauft werden. Für Anfang der Woche sei auch schon eine Eistorte bestellt worden, die er frisch macht. Seine Sitzplätze müssen noch zu sein, aber "ich will ein Zeichen setzen, dass wir noch da sind. Die Kunden sind froh darüber", weiß er schon jetzt.

Am Anfang gibt es acht Sorten Eis, er öffnet täglich von 12 bis 18 Uhr und liefert zwischen 16 und 18 Uhr auch aus. Die Nase voll von Eis hat er noch lange nicht. "Ich probiere jeden Tag jede Sorte durch. Da habe ich schon zum Frühstück eine gute Portion intus", verrät er. Seine Lieblingssorten sind die Klassiker Vanille, Schoko, Nuss und Zitrone. Sein Blick fällt auf die knallroten Erdbeeren, die er gerade püriert. "Und natürlich Erdbeereis."

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