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Sammelt, reinigt und verkauft alte Lichtreklamen: Der Produktdesigner Fabian Thiele (47). Oder er kreiert ganz neue Objekte. Jüngst wurde aus dem Opel-O eine Wohnzimmerbeleuchtung.

Sachenhausen: Einzelhandel

Hier hält das Licht, was es verspricht

  • vonSabine Schramek
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Sammler schenkt historischen Neonreklamen neues Leben

Was wären Großstädte in aller Welt ohne Leuchtreklame? Auf jeden Fall weniger bunt. 1919 wurde die erste in Frankreich hergestellt, schwappte in die USA und nach Asien. Heute sind Leuchttafeln im weltweiten Trend. Seit 20 Jahren sammelt Fabian Thiele ausgediente historische Leuchtbuchstaben von A bis Z und lässt sie seit 2008 als Kunstobjekte modern strahlen.

W wie Weihnachten strahlt natürlich grün

Ein großes schnörkeliges S wie Schatz leuchtet wie ein Kirmesstand in der Nacht. Das W wie Weihnachten strahlt in Weihnachtsbaumgrün. Im Schaufenster von "Noneon" lassen Worte wie "Yes!", "Smile", "No", "Pop" und "Dreams" in Pastell- und Klarfarben jeden Passanten mit einem kleinen Grinsen für einen Moment innehalten.

Der Produktdesigner Fabian Thiele (47) sitzt zwischen knalligen Lettern und schraubt an einem O, das sich von grellweiß bis sanft hell dimmen lässt. "Das kommt ins Allgäu in ein großes Wohnzimmer als Lichtakzent", erzählt Thiele. Das Besondere an seinen Buchstaben und Worten ist, dass sie ausnahmslos aus alten Original-Leuchtreklamen bestehen, die er reinigt, repariert und mit LED-Technik zu neuem Leben erweckt.

Wer die Buchstaben sieht, erkennt sofort die Typographie. Von Banken, Versicherungen, Werbefirmen, Autohäusern, Modemarken, Tankstellen, Apotheken, Getränkemarken, Zeitungen oder bekannten Geschäften. Thiele kennt die Geschichte von fast allen. "Mein Hobby ist, Neonreklamen zu suchen, zu dokumentieren, zu konservieren, zu sammeln, zu archivieren und zu restaurieren. Seit 20 Jahren bin ich überall unterwegs, wo es leuchtet." Er sammelt direkt von Gebäuden, wenn sie umgebaut oder abgerissen werden, wenn neue Reklamen die alten ersetzen, und er sammelt auf Antik- und Flohmärkten. Daraus entstand nicht nur ein riesiges Lager, sondern auch seine Werkstatt mit Laden in der Schulstraße. Zuvor hatte er sein Geschäft am Alten Polizeipräsidium. Regelmäßig ist er mit seiner Kunst bei der Luminale mit dabei. 2018 hat er Schaufensterinstallationen gestaltet. Seine Lichtobjekte gestalten Foyers, Büros und Wohnungen. Die Körper bestehen oft aus Metall. Er schraubt sie ab und reinigt sie. "Nach Jahrzehnten an Fassaden dauert das Reinigen oft mehrere Stunden. Handwerklich sind sie absolut perfekt und präzise hergestellt worden. Das habe ich schon während meines Studiums festgestellt und gedacht, dass die Reklamen, die auf so hohem Niveau gebaut wurden, nicht einfach verschwinden sollen." Manchmal wird er belächelt, wenn er fragt, ob er Neonreklamen haben kann, bevor sie im Müll-Container für immer verschwinden. "Wenn sie geworfen werden, sind die Deckel kaputt. Dann werde ich kreativ."

Von Marken und Namen

So ersetzen auch mal Kirmeskappen die frühere Auflage. Auch so entsteht ein Kunstobjekt. Kunden gucken entweder bei ihm vorbei, was er gerade hat, oder nennen ihre Vorstellungen. "Die einen geben eine Größe an, die sie sich wünschen, andere bestimmte Buchstaben und wieder andere Markennamen", sagt er.

Seine Sammlung ist so ausgefeilt, dass er nach Größe, Herkunft, Schriftart und vielem mehr Vorschläge machen kann. "Es gibt Klein- und Großbuchstaben, alle erdenklichen Farben, Typographien und Corpus-Materialien. Das ist schon knifflig." Thieles Traum ist es, einmal durch die USA zu reisen, um antike Neonreklamen zu sammeln. Und nach Hong Kong, wo es überall leuchtet.

In seiner Sammlung sind auch Frankfurter Namen dabei. Die ursprüngliche Leuchtschrift von Elektro Leiber in der Paradiesgasse in Alt-Sachsenhausen, der Ende Oktober nach über 60 Jahren im Familienbetrieb endgültig geschlossen hat. Oder die Schrift von Blumen Beuchert am Rathenauplatz, vom Leuchten-Laden Salzner in der Braubachstraße oder von der Carolus-Apotheke in der Brückenstraße. Kunst-Wort-Objekte gestaltet er aus unterschiedlichen Reklamen. Ganze Worte oder Slogans, die neu zusammengefügt kunterbunt leuchten und das Schaufenster füllen. Oder das Opel-O als Wohnzimmerlampe.

Thiele genießt seinen Leucht-Spleen. "Ich mache das aus purer Leidenschaft. Ich liebe Up- und Recycling." Am liebsten mag er es, wenn er seine Objekte dort sieht, wohin er sie verkauft. "Da haben die Leuchtreklamen noch einmal eine ganz eigene Wirkung." Das Telefon klingelt. Der Kunde aus dem Allgäu möchte auch noch das P vom Opel-O. P wie Petra. Seine Frau.

Infos gibt es unter www.noneon.de und auf Instagram unter noneon_ffm .

SABINE SCHRAMEK

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