Katze Lira liebt Vitaminpaste - ein wichtiger Hinweis für den Katzensitter. Damit gelingt es Dagmar Nord, der Ehrenvorsitzenden des Katzensitterclubs Frankfurt, die Katze sogar vor das Objektiv der Fotografin zu locken.
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Katze Lira liebt Vitaminpaste - ein wichtiger Hinweis für den Katzensitter. Damit gelingt es Dagmar Nord, der Ehrenvorsitzenden des Katzensitterclubs Frankfurt, die Katze sogar vor das Objektiv der Fotografin zu locken.

Urlaubszeit

Hier in Frankfurt ist die Mieze in guten Händen

  • VonMichelle Spillner
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Wohin mit der Mieze, wenn es in den Urlaub geht? Katzenbesitzer in Frankfurt helfen sich gegenseitig.

Frankfurt -Das Konzept auf Gegenseitigkeit hat sich bewährt - seit 30 Jahren. Wenn Dagmar Nord verreist, dann müssen ihre drei Katzen Lira, Lara und Lu nicht nur zu Hause bleiben, sie dürfen es und bekommen zwei Mal täglich Besuch. Katzen vertragen Ortswechsel nicht so gut wie Hunde. Besser ein Katzensitter kommt zu ihnen, als die Katze zieht in eine Pension um.

Diese Erfahrung machte Hans-Rainer Mehlem. Als er nach einem Urlaub seine Katze aus einer Pension holte, sei sie in keinem guten Zustand gewesen. Nicht noch einmal wollte er sie weggeben, wollte sie lieber bei sich zu Hause betreuen lassen. Aber wie einen Katzensitter finden, der zuverlässig ist, dem man vertrauen kann und der auch noch Ahnung von Katzen hat? "Die besten Katzensitter sind diejenigen, die selbst Katzen haben. Sie wissen, wie man mit Katzen umgeht, und sie würden auch merken, wenn etwas nicht stimmt mit dem Tier", weiß Dagmar Nord. Das Beste also sei, Katzenbesitzer miteinander zu vernetzen, dachte sich damals Mehlem und gründete den Katzensitterclub Frankfurt, der am Montag, 21. Juni, sein 30-jähriges Bestehen feiert.

Die Lösung für die Mieze in der Urlaubszeit: der Katzensitterclub

Dagmar Nord ist Ehrenvorsitzende des Katzensitterclubs. 20 Jahre hat sie ihn geleitet und die Zahl der Mitglieder ebenso erhöht wie seine Bekanntheit. 345 Mitglieder hat der Club in Frankfurt inzwischen, und es dürfen gerne noch mehr werden, sagt sie. Das Prinzip ist einfach: Interessenten werden Mitglied und erhalten dann eine Liste mit allen Katzensitterclub-Mitgliedern in Frankfurt. Die Mitglieder kontaktieren sich und organisieren selbstständig die Katzensitting-Zeiten. Dabei werde nicht aufgerechnet, wer wie viel sitte, so Dagmar Nord. Aber die Idee sei schon, dass man nicht nur sitten lasse, sondern auch selbst Katzen anderer betreue - auf Gegenseitigkeit, ehrenamtlich, kostenlos. Voraussetzung ist, dass die Katzen geimpft sind und keine ansteckenden Krankheiten haben.

Das Gute an diesem Konzept: "Wir sind ja nicht anonym. Wir notieren alle Daten." Man kennt sich also und muss so keine Sorge haben, dass die Katze verwahrlost und der Fernseher weg ist. Und die Katzen kennen die Sitter. Ja, mehrere. "Wir empfehlen eine Betreuungszeit auf mehrere Katzensitter zu verteilen", so Dagmar Nord. Mindestens zwei Betreuer, einer für morgens und einer für abends, damit es für einen nicht zu viel wird. "Das hat auch den Vorteil, dass einer einspringen kann, wenn ein anderer ausfällt, sie haben ja jeder einen Schlüssel", erläutert die 66-Jährige. Und wenn wirklich Not am Mann ist und ein Katzensitter absagen muss, dann kann der Vorstand helfen, eine nahtlose Betreuung zu sichern.

Erlebnisse mit Phantomen

Vorm Sitting gibt es einen Kennenlerntermin "zum Beschnuppern", damit die Katzen nicht vom Kratzbaum fallen, wenn plötzlich jemand Fremdes in ihrem Revier steht. Da wird dem Sitter alles erklärt: Sind die Fellnasen scheu oder schmusig, werden sie lieber hinter den Ohren oder am Bauch gekrault, was fressen sie gerne, brauchen sie womöglich Tabletten und wie bekommt man diese in die Katze hinein, wo sind ihre Futterplätze und wo sind ihre Lieblingsplätze? "Ich habe auch schon mal die Situation gehabt, dass ich ein Phantom gesittet habe. Der Napf war leer, das Klo war voll, aber ich habe nie jemanden gesehen", erinnert sich Dagmar Nord an eine besonders scheue Katze. Da ist es gut zu wissen, wo das Versteck ist, um mal nach dem Rechten sehen zu können.

Bei ihren drei Schätzen könne das nicht passieren. Spätestens wenn sie den Deckel der Vitaminpaste abschraubt oder die Leckerlies in der Dose klappern lässt, überwindet selbst die scheue Lara sich zum Fremdmenschenkontakt. "Die liegt gerne im Schlafzimmer", erklärt das Frauchen und erinnert sich an einen Fall, bei dem eine rötliche Katze mucksmäuschenstill und unbewegt auf einem rötlichen Kissen von einem Katzensitter lange nicht entdeckt wurde und der sich fragte, ob da überhaupt eine Katze sei. Ja, da könne man auch etwas erleben.

Spieleabende und Musik hören, aber alles mit Katze

Jede Menge Katzen und vor allem auch deren Besitzer lernt man kennen. Freundschaften sind entstanden, manche treffen sich zu Spieleabenden, Rockmusikfans lernen Klassikkenner kennen und werden von Ihnen in Beethoven und Brahms eingeführt, und junge Katzenbesitzer treffen sich zu Literaturabenden mit Katzenfreunden älterer Semester. Die Katze ist der gemeinsame Nenner, der ganz unterschiedliche Frankfurter zusammenbringt. Und wenn die Freundschaft sich so sehr vertieft, dass man gemeinsam in den Urlaub fahren möchte, dann kann man ja in die Liste der Katzensitter schauen, um die gegenseitige Betreuungslücke zu schließen.

Zehn Euro Jahresbeitrag kostet die Mitgliedschaft im Katzensitterclub Frankfurt. Mit diesen Einnahmen deckt der Vorstand clubinterne Kosten wie Porto, Versandmaterial, Fotokopien, Telefonkosten und Mietkosten für Versammlungsräume. Alle zwei Jahre findet eine Mitgliederversammlung statt, bei der es auch einen Fachvortrag gibt. Alle sechs Jahre wird der ehrenamtlich tätige Vorstand mit einem Vorsitzenden, bis zu drei Stellvertretern und einem Kassierer gewählt. Vorsitzender ist seit vergangenem Oktober Gerd Merkel. Außerdem gibt es - außer seit Beginn der Pandemie - Stammtischtreffen in den Stadtteilen. Termine findet man auf der Homepage, wie auch alle anderen Informationen bis hin zur Satzung des Clubs: www.katzen-sitter-club-frankfurt.de (Michelle Spillner)

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