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Michael Koch alias "Euro" auf seiner bunt bemalten Äppel-Ranch in den Oberräder Feldern.

Apfelwein-Tradition

Hier ist das Zuhause vom "Oberräder Fratzenschneider"

  • vonStefanie Wehr
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Die "Äppel-Ranch" von Michael Koch hat einen neuen Anstrich. Der diesjährige Schoppen ist schon in der Mache. Mit ganz besonderen Äpfeln...

Inmitten der herbstlich grau-braunen Felder von Oberrad erscheint vor dem Spaziergänger im trüben Novemberwetter ganz plötzlich eine Fata Morgana. Grünes Gras, ordentlich aufgereihte Apfelbäume und ein Haus, das in leuchtenden Farben erstrahlt, darauf steht geschrieben: "Oberräder Fratzenschneider". Auf dem Bild daneben verzieht ein Apfel das Gesicht zu einer Grimasse und streckt die Zunge raus. Ist diese Oase wirklich real?

Tatsächlich: Der Mann, der herauskommt, um die Spaziergänger zu begrüßen, ist real. Es ist Michael Koch. Der bunt besprühte Schuppen gehört zu seiner "Äppel-Ranch". Koch nennen alle, die ihn kennen, nur "Euro". Ein Kneipen-Spitzname. Der Oberräder Bub ist sichtlich stolz auf die farbenfrohen Gemälde an seinem vormals unscheinbaren Schuppen. "Das vordere Wandbild war ein Geschenk von meiner Frau zu meinem 60. Geburtstag. Und für die Seite habe ich vor kurzem den gleichen, professionellen Sprayer noch einmal beauftragt", erzählt er gut gelaunt.

Viele neue Apfelbäume gepflanzt

Der Garten gehört der Schwiegerfamilie. Vor sieben Jahren übernahm Koch das Gelände, um es im wahrsten Sinne des Wortes "aufzup-äppeln". Er pflanzte verschiedene Sorten Apfelbäume, räumte den Schuppen auf und machte ihn wieder nutzbar. Der Schwiegervater hat hier schon traditionell Schoppen gekeltert. "Das war so üblich, seinen eigenen Hausschoppen zu haben. Er hat ihn fast allein getrunken, übers Jahr hinweg."

Koch selbst erinnert sich gut an seine eigenen Anfänge beim Keltern. "1985 hab ich meinen ersten Schoppen gemacht. Zum Pressen habe ich eine alte Wäscheschleuder benutzt", sagt er und lacht.

Jedes Fass gibt einen anderen Geschmack

Auch dieses Jahr steht Michael Koch wieder an der Kelter. Schon zum vierten Mal läuft das Profi-Gerät, das er vor Jahren in Österreich erstanden hat. "Jeder meiner Schoppe wird ein bisschen anders. Kein Fass schmeckt gleich. Das zeichnet den ,Fratzenschneider' aus", erklärt er. Einzig die Umdrehungszahl hält sich gleich: Getreu dem Motto "Apfelwein mit Bumms und Biss" hat der Fratzenschneider ordentliche 7,5 Prozent Alkoholgehalt.

Was braucht man eigentlich, um einen guten Schoppen zu machen? "Auf jeden Fall braucht man einen Keller, am besten aus gekalktem Stein". Er muss kalt und dunkel sein. Michael Koch lässt seinen Schoppen in Fässern aus Edelstahl gären.

Die Äpfel bezieht er von Streuobstwiesen aus unterschiedlichen Gegenden. Die Bäume in Oberrad liefern nur einen Bruchteil der Früchte. Die übrigen kommen aus dem Taunus, dem Odenwald - und dieses Jahr sogar von ganz weit her: "Ich hab Äpfel aus dem Urlaub in Südtirol mitgebracht", verrät Michael Koch hinter vorgehaltener Hand.

Mit dem "Fratzenschneider" wurde er 2018 Hessenmeister der Hobbykelterer. Seither trägt der Schoppen seinen Namen. Auch beim Apfelwein-Festival des Oberräder Skiclubs (das dieses Jahr wegen Corona ausfallen musste), hat er schon gewonnen. Der "Fratzenschneider" wird jeden Samstag auf dem Wochenmarkt auf dem Buchrainplatz am Stand von Rolf Müller ausgeschenkt, wenn nicht gerade mal wieder ein Lockdown herrscht.

Und warum heißt Michael Koch nun "Euro"? "Weil ich in den 80ern in den Kneipen in Sachsenhausen nie Geld dabei hatte. Dann habe ich am Ende des Monats die Rechnung mit einem Euroscheck beglichen. Verwendungszweck: 100 Pils", verrät er und lacht.

Infos zum "Oberräder Fratzenschneider" gibt es unter www.oberraeder-fratzenschneider.de

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