Aufgestockt werden soll die ehemalige Akademie der Arbeit in der Mertonstraße. Dadurch und durch ein raumsparendes Konzept sollen 91 Menschen eine neue Heimat in dem Gebäude finden. Der Verein AdAptiv hat schon ein erstes Modell entworfen, jetzt beginnt die Detailplanung.
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Aufgestockt werden soll die ehemalige Akademie der Arbeit in der Mertonstraße. Dadurch und durch ein raumsparendes Konzept sollen 91 Menschen eine neue Heimat in dem Gebäude finden. Der Verein AdAptiv hat schon ein erstes Modell entworfen, jetzt beginnt die Detailplanung.

Wohnraum

Hier ist Platz für jede Generation

  • Matthias Bittner
    vonMatthias Bittner
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BOCKENHEIM Verein AdAptiv schafft Wohnungen auf dem Campus - Finanzierung steht noch nicht

Bockenheim -Einen straffen Zeitplan hat der Verein AdAptiv vor sich: Innerhalb eines Jahres muss die Finanzierung für das generationenübergreifende Wohnprojekt in der ehemaligen Akademie der Arbeit (AdA) in der Mertonstraße in trockenen Tüchern und der Bauantrag eingereicht sein. "Wir haben den Zuschlag erst am 26. November bekommen und sind ziemlich am Rödeln", sagte Anne Schwarz in der Sitzung des Ortsbeirates 2 (Bockenheim, Westend, Kuhwald), in der sie mit Manuel Mauder die Pläne vorstellte.

Entschieden hat ein Beirat aus Stadtverwaltung, Politik und Experten für gemeinschaftliches und genossenschaftliches Wohnen. Die Stadt vergibt den Boden in Erbpacht. Das Konzeptverfahren zielt auf die Vergabe an das beste Nutzungskonzept, nicht auf den höchsten Preis. Hierfür hatte die Konversions-Grundstücksentwicklungsgesellschaft (KEG) die Erbbaurechte vom Deutschen Gewerkschaftsbund erworben und verkauft das auf dem 1500 Quadratmeter großen Areal stehende Gebäude Anfang 2022 an AdAptiv.

Platz für 91 Bewohner

91 Bewohnern unterschiedlicher Altersgruppen soll das umgebaute Gebäude später eine Heimat bieten. Laut Mauder sind verschiedene Wohnkonzepte geplant: So wird es größere Einheiten für Familien und Clusterwohnen - ein Mix aus Gemeinschaftsflächen und Privatzimmern zum Zurückziehen - geben. Zu je einem Drittel sollen Wohnungen für Menschen der Alterskategorien null bis 30, 30 bis 50 und 50 plus belegt werden. "Wir stehen erst am Anfang", erklärte Mauder, dass die Detailplanung jetzt beginne.

Die größte Herausforderung aber wird die Finanzierung. Das Projekt inklusive Kosten für Grundstückserwerb (5 Millionen Euro) und Umbau hat ein Volumen von rund 16,5 Millionen Euro. Das Grundkonzept der Finanzierung stehe. "Wir suchen aber Menschen, die das Projekt gut finden, Lust und Mittel haben, unser soziales und nachhaltiges Projekt finanziell zu unterstützen - etwa durch den Kauf von Förder-Genossenschaftsanteilen", sagt Marcus Winkler vom Vereinsvorstand.

Um das Projekt realisieren zu können, gründet AdAptiv aktuell eine Genossenschaft. Deren Mitglieder sind Miteigentümer und berechtigt, im Gebäude zu wohnen. Statt Miete wird ein Nutzungsentgeld bezahlt. Aktuell sind 53 Erwachsene engagiert, dazu kommen mindestens 20 Kinder. Grundsätzlich will die Genossenschaft auch geförderten Wohnraum für Geringverdiener vermieten. Das ist laut Anne Schwarz aber problematisch, weil die bislang kalkulierte Miete mit 14,80 Euro pro Quadratmeter - darin enthalten sind drei Euro Erbbauzins - zu teuer für diese Personengruppe ist und zudem noch steigen könnte. Denn derzeit wird sogar über eine Erhöhung des Erbbauzinses diskutiert. Außerdem steigt dieser, je mehr Wohnfläche zur Verfügung steht. Die KEG hatte mit Platz für 41 Personen im Gebäude gerechnet. AdAptiv bringt durch Aufstockung, Umbau und raumsparendes Konzept aber 50 Personen mehr unter, sodass die Miete wegen eines höheren Erbbauzinses auf 17,40 Euro steigen würde. Das wäre dann wohl das Aus für das Projekt. Das ist aber noch nicht spruchreif. Und so sind die AdAptiv-Mitglieder voller Tatendrang und gehen von einem Einzugstermin Ende Dezember 2023 aus. "Das ist ambitioniert, aber zu schaffen", sagt Mauder.

Dachterrasse und Laubengänge

Erschlossen werden sollen die beiden Gebäudeteile über einen Mittelbau mit Treppen und Lift. In jeder Etage wird es Laubengänge geben, über die man die Wohnungen erreicht. Geplant sind eine begrünte Dachterrasse sowie eine großzügig begrünte Fassade. Das Wohnprojekt ist autofrei, deshalb wird es auch entsprechend viele Stellplätze für Fahrräder geben. Gemeinschaftliche, öffentliche und gewerbliche Nutzung ist im Hochparterre und Souterrain geplant. "Das fördert die Öffnung in das Quartier hinein", sagt Vorstandsmitglied Jan Schwarz. Denn die Gruppe will ein zukunftsorientiertes und lebendiges Lebens- und Lernfeld für Bewohner und Nachbarn aufbauen. Auch soziale Angebote, etwa für Kinder, sind geplant. "Wir wollen aber nicht in Konkurrenz zu bestehenden Angeboten treten", sagt Anne Schwarz. Über die Zukunft der AdA-Kantine, einer solidarischen Küche engagierter Gruppen aus Frankfurt in dem Gebäude, werden demnächst Gespräche geführt. Matthias Bittner

AdAptiv

Kontakt per Mail an adaptiv@mailbox.org. Unter AdAptiv Frankfurt e.V. werden derzeit noch Facebook- und Instagram-Profile aufgebaut.

In den 1950er Jahren wurde die Akademie der Arbeit errichtet. Die Räume sind derzeit überwiegend ungenutzt.

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