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Hier können in Frankfurt Riedberg alle den König jagen

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Die weißen Türme sind auf der offenen Linie verdoppelt, der schwarze König steht offen in der Mitte - Im Familienzentrum Billabong hat Reiner Liebske, Vorstandsmitglied des Schachvereins Frankfurt-Nord, hat mit Weiß seinen Gegner in eine fast aussichtslose Stellung getrieben. FOTO: Sauda
Die weißen Türme sind auf der offenen Linie verdoppelt, der schwarze König steht offen in der Mitte - Im Familienzentrum Billabong hat Reiner Liebske, Vorstandsmitglied des Schachvereins Frankfurt-Nord, hat mit Weiß seinen Gegner in eine fast aussichtslose Stellung getrieben. © Enrico Sauda

Ob Profi oder Anfänger - beim Schachtreff im Familienzentrum sind alle willkommen.

Konzentriert mustert Alexander das Brett mit den 64 schwarzen und weißen Feldern vor ihm. Es sieht nicht gut aus für den Siebenjährigen, denn sein Schachgegner Reiner Liebske hat ihm schon etliche Figuren genommen. Aber Alexander kämpft unverdrossen weiter. „Du müsstest deine Figuren aktivieren“, rät ihm Liebske. „Guck mal, dein Läufer kann gar nichts machen.“ Daraufhin zieht der Junge einen Bauern um ein Feld nach vorne, um Raum für den Läufer zu schaffen. „Genau“, lobt das Vorstandsmitglied des Schachvereins Frankfurt-Nord.

Alexander und Reiner Liebske sind nicht die einzigen, die sich an diesem Abend im Familienzentrum Billabong am Frankfurter Riedberg auf einem Schachbrett duellieren - an fünf Tischen brüten die Spieler über den schwarzen und weißen Figuren. Seit Sommer bietet der Schachverein Frankfurt-Nord hier jeden Freitagabend zwischen 18 und 20 Uhr einen Schachtreff an. Vor allem Jugendliche und Kinder wie Alexander nutzen dieses Angebot. Aber auch ältere Interessenten seien willkommen, sagt der Organisator des Treffs, Martin Bennedik, ebenso Neulinge, die noch kaum Ahnung von den Regeln haben. Hier hätten sie die Möglichkeit, einfach mal zu spielen und könnten ganz nebenbei auch Tipps von Vereinsmitgliedern bekommen, wie sie ihre Figuren am besten einsetzen.

Seit sieben Jahren gibt es den Schachtreff

Alexander hat sich inzwischen in eine fast aussichtslose Position manövriert. Liebske versucht ihm zu helfen: „Den Turm kannst du noch nach vorne ziehen.“ Doch dann ist endgültig Schluss. Kein Problem für den Siebenjährigen, der sich gleich in einer neuen Partie versuchen will.

Seit etwa sieben Jahren gibt es den Schachtreff am Riedberg. In den ersten Jahren habe man sich im Bettinahof getroffen, erinnert sich Martin Bennedik. Doch mit Ausbruch der Corona-Pandemie war das nicht mehr möglich. Anfang dieses Jahres wurde das Angebot wiederbelebt, zunächst im Jugendhaus Riedberg. Dort allerdings standen den Spielern nur vier Tische zur Verfügung - „und die waren immer schnell voll“, sagt der Leiter des Treffs. Deshalb zog man in eine Schule um, wo man jedoch bald mit demselben Problem zu kämpfen hatte. Umso erleichterter ist der Verein darüber, dass die Schach-Interessenten nun am Familienzentrum Billabong zusammenkommen können, wo endlich genügend Platz zur Verfügung steht. 20 bis 30 Teilnehmer lockt das Angebot regelmäßig an, in den Ferien sind es etwas weniger.

Zu ihnen gehört auch der zehnjährige Elyas, der sich gerade mit der gleichaltrigen Kathy in einen zähen Kampf um die Vorherrschaft auf dem Brett verstrickt hat. Ihre beiden Türme stehen auf der Grundlinie in seiner Hälfte und kommen seinem König gefährlich nahe. „Ich hab’s befürchtet“, seufzt der Zehnjährige, stützt seinen Kopf auf die Fäuste und entscheidet sich schließlich, seinen König aus der Schusslinie zu nehmen. Während die beiden ausgiebig über jeden Zug diskutieren - „wenn ich meinen Läufer hierhin ziehe, dann ist dein Turm in Gefahr, aber vielleicht auch meiner“. Seine im Hintergrund wartende Mutter erzählt, dass sie seit einigen Monaten regelmäßig aus Eschersheim zu dem Treff kommen: „Er hat Schach im Hort gelernt. Hier kann er spielen und auch ein paar Anweisungen erhalten. Das macht ihm Spaß.“

Was, wenn keine Figur ziehen kann?

„Ich glaub’, ich hab’ gleich gewonnen“, freut sich der Zehnjährige, als es gelingt, einen von Kathys Türmen zu schlagen. Doch seine Gegnerin wehrt sich tapfer, obwohl sie schließlich auch ihren zweiten Turm und fast alle anderen Figuren verliert - bis auf ihren König, während Elyas neben seinem Regenten immerhin noch Springer, Läufer und Turm vorweisen kann. Dennoch ist er ratlos: „Ich krieg’ sie nicht in die Ecke, ich weiß nicht, wie ich sie matt setzen soll.“ Endlich steht ihr König am Rand - ohne Möglichkeit, sich noch bewegen zu können. Beide sind einen Moment verwirrt: Ist das nun ein Unentschieden? Martin Bennedik kommt und wirft einen Blick auf die Partie: „Ja, das ist Remis.“ Während über Kathys Gesicht ein zufriedenes Lächeln huscht, wirkt Elyas ein wenig enttäuscht darüber, dass er seinen Vorteil nicht nutzen konnte. Aber nicht lange - schon nächsten Freitag gibt’s die Gelegenheit zur Revanche. Brigitte Degelmann

Spielzeiten im Schachtreff

Der offene Schachtreff des Schachvereins Frankfurt-Nord für alle Alter und Niveaus findet jeden Freitag von 18 Uhr bis 20 Uhr im Familienzentrum Billabong in der Graf-von-Stauffenberg-Allee 46b statt.

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