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Zoltan Ajkay vom Mühlberglädchen verkauft jetzt auch hübsche Eintracht Frankfurt-Adventskränze. Foto: Michael Faust

Nachbarschaftstreff in Sachsenhausen

Hier schlägt das Eintracht-Herz höher

  • vonStefanie Wehr
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Erst seit Anfang Oktober ist das Mühlberglädchen wieder geöffnet. Jetzt gibt's SGE-Adventskränze und vieles Schönes mehr in dem beliebten Kiosk zu kaufen. In der Corona-Zeit haben sich ein paar Dinge im Laden verändert.

Frisch eingetroffen sind die Eintracht-Adventskränze im Nachbarschaftskiosk "Das Mühlberglädchen" - jeder mit einem schwarz-weißen Eintracht-Patch zum Aufnähen, einem Pin und Adler-Weihnachtskugeln versehen. Mit Liebe gebunden von Katja Schecker von der Gärtnerei Schecker in Oberrad. "Wir sind Nachbarn und gut befreundet", erzählt Zoltan Ajkay. Der Betreiber des Mühlberglädchens wohnt nicht weit von den Kräutergärtnern im Gärtnerdorf.

Das ist auch der Grund dafür, dass das Lädchen stets so gut mit frischer Grüner Soße ausgestattet ist, der Renner bei den Kunden. "Nach meinem eigenen Rezept, in Gläsern, verkaufe ich die Grüne Soße. Das Rezept stammt noch aus meiner Zeit als Koch bei Bruno H. Schubert gegenüber", verrät Ajkay.

Zehn Jahre lang war der ungarischstämmige Frankfurter Koch bei dem Henninger-Mäzen Schubert in dessen Villa am Wendelsweg. Das Lädchen war damals noch Teil eines Cafés. Bis Ajkay es von seinen Schwiegereltern übernahm, umbaute und zum Mühlberglädchen machte. "Im Januar ist es 14 Jahre her", sagt er und staunt über sich selbst. "Der Laden ist mein Lebenswerk."

Rubbel-Lose oder ein Schwätzchen

Wer ins Lädchen kommt, weiß meistens genau, was er oder sie will. "Ich möchte drei Portionen Frikadellen und Kartoffelsalat für morgen vorbestellen", sagt eine Mutter mit Kinderwagen. Viele kaufen einfach nur eine Zeitschrift oder Rubbel-Lose. Kinder suchen sich saure Zungen oder andere quietschbunte Gummibärchen-Varianten aus den am Eingang aufgereihten Gefäßen aus. Kaum ein Moment verstreicht, in dem die Tür nicht auf- und zugeht. "Die Leute brauchen das Lädchen. Wir sind das Herz des Mühlbergs geworden. Manche kommen auch nur auf einen Kaffee und einen Schwatz vorbei", erzählt Ajkay. "Hier haben sich schon Liebespaare vor der Tür kennengelernt", sagt er.

Die Pandemie habe das normale Verhalten der Leute ausgebremst, aber das Treffpunkt-Gefühl sei immer noch da. "Die Älteren, die sonst immer vorbeischauten, kommen nicht mehr. Viele trauen sich nicht mehr raus, andere ältere Nachbarn sind aber auch verstorben."

Vieles hat sich geändert im Lädchen seit Beginn der Corona-Pandemie. "Den ganzen Sommer über habe ich durchs Fenster verkauft", erzählt Ajkay und deutet auf das Klappfenster am Eingang. "Ich bin jeden Tag viele Kilometer immer hin und hergelaufen, um die Ware vorzubringen", fast so viel wie bei einem Marathon. Er muss es wissen, war er doch selbst Marathonläufer - bis es die Achillessehne erwischte. Das Laufen hat Ajkay sich abgeschminkt.

Honig vom Sachsenhäuser Berg

Umso mehr kümmert er sich um das Lädchen. Um das Sortiment, das er immer wieder erweitert. Was Lebensmittel angeht, hat er auf Nischenprodukte umgestellt. Als das Henninger-Areal fertig war mit Edeka und Drogeriemarkt, wollte Ajkay keine Supermarkt-Artikel mehr verkaufen. Dafür findet man bei ihm Honig vom Sachsenhäuser Berg, Wein aus Ungarn und Haddekuche vom "Sachsenhäuser Mädsche".

Wer ein Geschenk sucht, braucht gar nicht runter in die Stadt: Eine Fundgrube für echte Frankfurter ist der Tisch mit Taschen, T-Shirts, Büchern und anderen Dingen mit Frankfurt-Bezug. Offizieller Eintracht-Fanshop ist das Lädchen sowieso.

Im ersten Lockdown wurde renoviert und die Theke hübsch gemacht. Die Rückwand schmücken jetzt schicke weiße Fliesen. Eine große Postwaage steht neben der Kasse, "damit können wir die Süßigkeiten nicht stückweise, sondern nach Gewicht verkaufen", erklärt der Inhaber.

Was wegen Corona derzeit nicht mehr möglich ist, sind die beliebten Kulturabende am langen Freitag. Lesungen, Konzerte - Ajkay hat ein Händchen dafür, interessante Gäste aufzutreiben. Das Comedy-Duo "Frankfurter Klasse" etwa, Krimi-Autoren und Musiker. "Das vermisse ich. Aber irgendwann wird es wieder möglich sein." Erst einmal gilt es, Vorweihnachtsstimmung zu verbreiten - etwa mit einem schönen Adventskranz.

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