Erwischt: Während ein Redner die Zuhörer zu bannen sucht, checkt doch tatsächlich ein anderer sein Smartphone. Wer bekommt da jetzt den Punktabzug? So geschehen bei der Gründungsparty der Mainhätten Toastmasters auf dem Uni-Campus Riedberg.
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Erwischt: Während ein Redner die Zuhörer zu bannen sucht, checkt doch tatsächlich ein anderer sein Smartphone. Wer bekommt da jetzt den Punktabzug? So geschehen bei der Gründungsparty der Mainhätten Toastmasters auf dem Uni-Campus Riedberg.

Rhetorik-Club

Hier sind alle große Redenschwinger

  • vonGernot Gottwals
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Die Mainhätten Toastmasters messen sich in der Kunst von Rhetorik und Präsentation.

Riedberg -Nein, ein Rosenkavalier war er sicher nicht. Doch als Dananjaya Hettiarachchi, der Weltmeister, die Bühne mit einer Rose betrat, die Blätter auszupfte und über Liebe, Leben, Ruf und Berufung philosophierte, rührte er viele Herzen.

Auch das von Laurenz Menzinger, der sich bei der Gründungsparty der Mainhätten Toastmasters auf dem Uni Campus Riedberg der Herausforderung stellt, die Rede des Toastmaster-Weltmeisters 2014 nach ausgiebigem Video-Studium zu analysieren. Schließlich geht es genau darum bei den Toastmastern: zu erkennen, worin eine gute Rede besteht - um es dem Vorbild möglichst gleichzutun.

Rund 15 solcher Toastmaster, Gäste und Freunde haben sich auf den luftigen Höhen im Stadtteil mit Weitblick versammelt. Die Skyline ist im Hintergrund zu erahnen. Und einen kleinen Denksport gibt es auch: "Querdenker", ein Begriff, den ausgerechnet der Lügenbaron von Münchhausen geprägt haben soll, wird zum Wort des Abends erklärt, das in jeden Redebeitrag eingebaut werden soll.

Vom Zauber des Anfangs

"Es ist erst unsere zweite Präsenzversammlung, vor einem Monat haben wir die nötige Mindestzahl von 20 Mitgliedern erreicht", erklärt Präsident Lutz Riehl. Vorher konnten sich die Toastmasters wegen der Corona-Pandemie meist nur zu Video-Konferenzen treffen, um ihre Rhetorik und Kommunikation nach festgelegten Spielregeln zu schulen. "Doch das ersetzt auf Dauer einfach nicht die Begegnung, wenn man die Menschen von Angesicht zu Angesicht erlebt", findet Martin Barschka, der den Sprachstil der Reden bewertet.

Seit 40 Jahren sind die Toastmasters in Frankfurt mit meist englischsprachigen Clubs aktiv. "Im Herbst 2019 entstand die Idee, die ,Mainhätten-Toastmasters' als zweiten deutschsprachigen Club zu gründen, da der ,Rhetorik-Club' inzwischen zu groß geworden ist", erklärt Riehl. Als Tagungslokal strebt der neue Verein die Saalbau Gutleut an.

Doch die große Freifläche vor dem Campus Riedberg ist ideal, solange es sommerlich ist und die Corona-Regeln gelten. "Die Mainhätten-Toastmasters haben inzwischen Wurzeln geschlagen, sogar einen Youtube-Kanal eingerichtet. Es bleibt etwas Besonderes, den Neuaufbau eines solchen Clubs zu erleben", betont der überregionale Area-Director Peter Blaskoda in seinem Toast, worauf die Sektgläser klingen.

Zwischenzeitlich haben sich Zeitnehmer und Sprachstilbewerter in Stellung gebracht. Und während Laurenz Menzinger die Rede des Weltmeisters 2014 rhetorisch in ihre Bestandteile zerlegt, wird er selbst auf Herz und Nieren geprüft, ob er sein Publikum zu fesseln und zu überzeugen vermag. "Hettiarachchi hat seinen Redebeitrag zielführend in Einleitung, Hauptteil und Schluss gegliedert und seine Zuhörer auf eine gedankliche Reise mitgenommen", analysiert Menzinger mit Blick auf dessen Lebenslauf.

Das harte Leben gekonnt genutzt

Die wegen Gefängnisaufenthalt unterbrochene Schulkarriere, die schwierige Liebe zu seiner Mutter, die spätere Berufung zum Lehrberuf, das alles brachte der Wettstreiter mit so viel Selbstironie, Emotionalität und Running Gags rüber, dass er zum Champion 2014 ernannt wurde. Eine Steilvorlage, auch für den zweiten Redner Lutz Riehl und die spontanen Stegreifreden weiterer "Querdenker".

Dabei geht es unter anderem um ausgelassene Straßenszenen, eine ungewöhnliche Begegnung vor Mac Donalds, eine geisterhafte Erscheinung von Donald Trump und seltsame Krönungsfeiern mit schrägen Vögeln. Und dann folgt die Kritik: Menzinger habe tatsächlich an der Rose des Weltmeisters gerochen, im Blickkontakt zum Publikum den roten Faden weitergesponnen, nur die ein oder andere Pause hätte gut getan. Präsident Riehl habe, seiner Berufung als Musiker und Fastnachter folgend, seinen Beitrag mit einer Passage aus "In Tagen wie dieser" der Toten Hosen zum weiteren Highlight gemacht.

Dann folgt die Bewertung der Spontanredner: Auch sie haben, passend zu ihren Themen, Party gefeiert, sich in Stand-up-Comedy geübt oder in etwas Theatralik, um Trump zu begegnen. Ein großes Kompliment geht an alle Redner: Die Zeit wurde eingehalten - davon könnte sich mancher Showmaster eine Scheibe abschneiden.

Infos: https://main-haetten-toastmasters.de/

Gernot Gottwals

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