lrike und Wolfgang Backhaus freuen sich, dass es bald wieder losgehen kann. Noch aber ist das Theater leer. FOTO: enrico sauda
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lrike und Wolfgang Backhaus freuen sich, dass es bald wieder losgehen kann. Noch aber ist das Theater leer.

Nordweststadt: Frankfurter Theaterszene

"Hier sind wir wieder"

  • Judith Dietermann
    VonJudith Dietermann
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Das Kinder- und Jugendtheater spielt draußen und hofft auf Besserung

Es ist still im Untergeschoss des Titus-Forums. Sehr still. Dort, wo sonst die Stimmen von Kindern den Raum erfüllen, hört man an diesem Vormittag nichts. Auch nicht im Theater. Leer ist die Bühne, leer sind die Stühle. Die Luft ist kühl. Seit fast einem Jahr wurde hier kein Theaterstück mehr aufgeführt, sagt Wolfgang Backhaus, Leiter des Kinder- und Jugentheaters (KiJu), das seine Mutter Margarete vor 52 Jahren gründete. Schwere Zeiten hätten sie seitdem schon erlebt. Aber so schwere Zeiten wie seit Beginn der Corona-Pandemie, daran könne er sich nicht erinnern. "Es ist vor allem für die Kinder schlimm. Sie hat die Pandemie am härtesten getroffen", sagt seine Frau Ulrike, die mit ihm das KiJu leitet. Denn es sei nicht nur das kulturelle Angebot, was weggefallen sei. Das Theater sei zugleich auch ein Treffpunkt, ein Ort zum Austausch gewesen. All dass kann man derzeit nicht anbieten.

Den Kopf in den Sand zu stecken, war aber noch nie Ulrike und Wolfgang Backhaus Art. Sie blicken nach vorne. Nicht nur, weil die stetig sinkenden Inzidenzen Hoffnung machen, dass nach der Sommerpause wieder Leben im Theater einzieht. Vor allem, weil es auch in diesem Jahr wieder ein Open-Air im Niddapark geben wird. "Yes we can" war das Motto im vergangenen Jahr. 2021 heißt es nun "Yes we can again!".

"Man braucht etwas zum Festhalten"

"Wir sind unglaublich glücklich, dass das funktioniert. Wir können den Kindern und auch ihren Eltern eine Perspektive und endlich etwas Normalität bieten", sagt Ulrike Backhaus. Bereits im Winter, mitten im Lockdown, war ihr klar: Im Sommer spielen wir wieder Theater. "Man brauchte ja etwas, an das man sich festhalten, auf das man hinarbeiten konnte", sagt sie. Premiere gefeiert wird am Samstag, 3. Juli, um 16 Uhr mit Robin Hood. Zudem werden "Shaun, das Schaf" und "Der kleine Wikinger" gezeigt.

Mindestens 200, vielleicht sogar noch mehr Plätze könnte man anbieten, sagt Wolfgang Backhaus. Ausreichend Abstand sei möglich, das hätten die Erfahrungen vom vergangenen Jahr gezeigt. So wird es wieder getrennte Ein- und Ausgänge geben, an den Toiletten und im Eingangsbereich muss eine Maske getragen werden, auf den Plätzen nicht. "Das Open-Air bietet uns ganz andere Möglichkeiten. Zudem ist es ein besonderes, ein ganz anderes Theatererlebnis", ist Ulrike Backhaus die Vorfreude in jedem Satz anzumerken. Es sei ein bisschen so, sagt sie, als erwache man aus einem ganz langen, einem tiefen Winterschlaf.

Während im Niddapark wieder Theater gespielt wird, wird es in den Räumen in der Nordweststadt erst einmal still bleiben. Abgesehen von einigen Workshops, die mittlerweile wieder angeboten werden können. "Ein bisschen was gab es immer, aber mit sehr großem Abstand, teilweise in einzelnen Räumen. Mit Theatererlebnis hatte das nur wenig zu tun", sagt Wolfgang Backhaus. Auch digital habe es ein Angebot des KiJu sowie der Kinder- und Jugendtheaterschule "Das Gewächshaus" gegeben. "Es ist etwas anderes, ob man sich im Internet trifft oder gemeinsam auf der Bühne steht. Wobei ich davon überzeugt bin, dass einige Dinge davon bleiben werden", sagt Wolfgang Backhaus.

Die lange Pause - im September vergangen Jahres habe es ein paar Aufführungen mit abstandsbedingt wenigen Gästen gegeben - habe man derweil genutzt wie viele andere Frankfurter auch. "Wir haben nicht nur das Open-Air vorbereitet, sondern viel renoviert und repariert und den Keller entrümpelt", sagt das Ehepaar. Zudem habe man einen größeren Fokus auf die sozialen Medien gelegt, künftig wolle man über das Internet, nicht nur über Facebook, sondern auch über Instagram, aktiver werden.

Ansonsten, sagt Ulrike Backhaus, hätten sie noch mehr Zeit mit der Familie verbracht und gelernt, was wirklich zählt. "Ich hoffe, dass die kleinen Dinge mehr wertgeschätzt werden. Es wäre schön, wenn das Theater dazu zählen würde", sagt sie und betont zum Schluss, dass sie "nix zu jammern" hätten. Sie seien gesund, das sei wichtig. "Ideell und finanziell werden wir auch unterstützt, wir sind gut aufgestellt für die kommende Saison. Und vielleicht so aufgeregt, wie noch nie", sagt sie. judith dietermann

Mehr Informationen

Den Spielplan für das Open-Air im Niddapark sowie Tickets gibt es im Internet unter www.kiju-theater.de.

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