Handgemachte Musik fürs Herz: "Calon Lân" (v.l.) mit Guido Knörzer, Louie Hölzinger und Klaus Boll proben in der "Mainlust", der traditionellen Ebbelwoi-Kneipe, die im Stadtteil nach einem legendären Wirt auch als "Desche Otto" bekannt ist. FOTO: Maik reuss
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Handgemachte Musik fürs Herz: "Calon Lân" (v.l.) mit Guido Knörzer, Louie Hölzinger und Klaus Boll proben in der "Mainlust", der traditionellen Ebbelwoi-Kneipe, die im Stadtteil nach einem legendären Wirt auch als "Desche Otto" bekannt ist.

Frankfurter Musik- und Kneipenszene

Hier singt der Wirt noch selbst

  • Michael Forst
    VonMichael Forst
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Der Schwanheimer Louie Hölzinger macht mit der Folkband "Calon Lân" einen Neustart - CD und Konzerte inklusive

Kräftig und wohlig dringt die Baritonstimme aus den Tiefen von Louie Hölzingers imposantem Leib, dass die an der Decke aufgehängten Bembel in seinem Lokal "Mainlust" in der Hegarstraße sanft zu vibrieren beginnen. Der musikalische Wirt probt dort mit seiner Folkband "Calon Lân" dieser Tage in der Traditionsgaststätte. Die Band hat gerade eine neue CD aufgenommen, die sie am Wochenende des 11. und 12. Dezembers live vorstellen wird - und neben der ganz typisch zwischen Melancholie und Lebensfreude pendelnden keltischen Musik schwingt noch etwas anderes mit, wenn Gesang, Gitarre, Mandoline und Banjo erklingen: die Lust am Neubeginn. Denn war die Band zuletzt lange als Duo unterwegs, hat sie sich jetzt mit Guido Knörzer aber Verstärkung an Bord geholt.

Und damit, so erzählt Louie Hölzinger in einer Pause zwischen zwei Liedern, schließt sich ein Kreis. "Denn mit unserem neuen dritten Mann Guido habe ich vor 47 Jahren in der Schule gemeinsam die Liebe zu dieser Musik entdeckt." Der Multi-Instrumentalist Knörzer, der den Kontrabass ebenso kompetent wie Gitarre und Banjo zu zupfen weiß, bereichert das Spektrum der Gruppe um einige neue Farben. Da kommt Hölzinger ins Schwärmen: ",Calon Lân' klingt ganz anders als vorher."

Keine bierseligen

Gassenhauer

Wer bei angelsächsischer Folk-Musik nur an bierselige Mitklatsch-Gassenhauer wie "Wild Rover" - hierzulande vor allem in der deutschen Fassung "An der Nordseeküste von Klaus & Klaus bekannt - oder "Whiskey in the Jar" denkt, ist bei "Calon Lân" nach Hölzingers Worten an der falschen Adresse. "Die spielen wir bewusst nicht." Zwar hat das Trio durchaus populäre Lieder der irischen Sangeslegenden Christy Moore oder Van Morrison im Gepäck, aber eben auch nahezu unbekannte Instrumentalstücke schottischer und irischer Komponisten aus dem 16. Jahrhundert.

Über Tod, Liebe

und ewige Treue

Denn für ihn und seine Mitstreiter gehe es vor allem darum, das reiche musikalische Erbe der keltischen Kultur lebendig zu halten und weiterzugeben, sagt Hölzinger: "Wir graben lieber alte, vergessene Lieder aus, als das abgenudelte Zeug zu spielen." Schließlich stehe echte Folk-Musik für die großen, in wunderschöne Melodien gepackten Gefühle; für Geschichten über Tod, Liebe, Leidenschaft und ewige Treue.

Und treu war Louie Hölzinger diesen Klängen schon seit Kindertagen: "Mit 14 Jahren hörte ich zum ersten Mal die ,Dubliners'", erzählt er von seinem musikalischem Erweckungserlebnis dank der bis ins 21. Jahrhundert wegweisenden irischen Folkgruppe. "Da wusste ich sofort: So etwas willst Du auch singen", erinnert er sich. Damals schwappte die Folk-Welle mächtig auch auf Deutschland über - und als Louie Hölzinger 1974 mit seiner ersten Band "The Rovers" startete, traf er allenthalben auf ein begeistertes Publikum.

"Wir haben damals die Jugendzentren klargemacht", sagt er in typischer Musiker-Diktion. "Da war immer die Hütte voll - Irish Folk war damals unheimlich angesagt." Und, für einen jungen Mann wie ihn damals vermutlich mehr als nur ein charmanter Nebenaspekt: "Auch die Mädels sind drauf angesprungen, vor allem auf die Balladen", sagt er mit schelmischem Grinsen. Doch leider, so bedauert er rückblickend, trennten sich nach dem Abitur die Wege der Freunde. Die Gruppe fiel auseinander und jahrelang verstummte die Musik. Die Leidenschaft lebte indes in Hölzinger weiter: Mit seiner Frau bereiste er Irland, musizierte oft in Pubs zusammen mit den Einheimischen. Wobei er, der eigentlich Englischlehrer hatte werden wollen, sein Ohr immer weiter an den Liedern und den Akzenten schulte. Mit Erfolg, denn die irischen Musiker verorten ihn ob seines authentischen Dialekts auch schon mal in die südirische Stadt Cork, wie er stolz erzählt.

Seine heutige Band, nach der walisischen Hymne "Calon Lân" ("reines Herz") benannt, entstand aus einem Zufall heraus: 2014 erzählte ihm ein Gast, der Schwanheimer Schotte Anthony Manners, an der Theke von seinen musikalischen Ambitionen. Und siehe, es passte: Ein Duo war geboren, und nach einem dreiviertel Jahr stieß noch Klaus Boll dazu. Doch das Trio schrumpfte schon zwei Jahre später auf ein Duo zurück, weil es Manners beruflich nach München verschlug.

Umso begeisterter ist Hölzinger jetzt, dass mit Guido Knörzer nun ein früher Weggefährte und nach seinen Worten "exzellenter Musiker" mit an Bord ist. Auf der neuen CD, die im Dezember in der "Mainlust" ihre Live-Premiere erfährt, hat Knörzer zwar noch nicht gespielt. Aber die im nächste Jahr geplante Produktion soll er dafür bereichern. Überhaupt will "Calon Lân" dann richtig in die Vollen gehen, wie Hölzinger begeistert ankündigt: "Da holen wir uns noch Gastmusiker, etwa Geiger, dazu." Die neuen Lieder sollen dann wie live, also in einem Stück, im Studio aufgenommen werden. Die keltische Liederquelle in Schwanheim sprudelt wie nie zuvor. Michael Forst

Nur mit Anmeldung!

In der "Mainlust", Hegarstraße 1, gilt die 2 G-Regel; der Eintritt ist frei. Konzertbesucher müssen sich anmelden unter Telefon (069) 35 65 09.

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