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3,5 Millionen-Projekt: Im Riederwald soll der neue „Musik-Bunker“ entstehen

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Von: Friedrich Reinhardt

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Verlassen und von Efeu bedeckt: Seit Sechs Jahren gehört der Bunker Lassallestraße der Stadt, genutzt wird er fast gar nicht. FOTO: reinhardt
Verlassen und von Efeu bedeckt: Seit Sechs Jahren gehört der Bunker Lassallestraße der Stadt, genutzt wird er fast gar nicht. © Friedrich Reinhardt

Der Umbau des Weltkriegsbunkers im Frankfurter Riederwald kostet 3,5 Millionen Euro und dauert gut drei Jahre. Das sind die Pläne.

Frankfurt – Der Bunker in der Lassallestraße in Frankfurt-Riederwald soll ein Heim für die Musik werden. Als Ersatz für die Proberäume, die im sogenannten Musik-Bunker am Marbachweg im Stadtteil Dornbusch wegfallen, sollen im Riederwald neue Proberäume für Bands und Solisten entstehen. So kündigte es Baudezernentin Sylvia Weber (SPD) an. Im Riederwald wird diese Nachricht erfreut aufgenommen, seit Jahren fordern Stadtteilpolitiker den heruntergekommenen Bunker nutzbar zu machen.

„Für den Stadtteil wäre das großartig, wenn Frankfurter Bands hier proben“, sagt Quartiersmanager Sebastian Wolff. „So etwas haben wir im Riederwald gar nicht.“ Allerdings leiden auch die Riederwälder Vereine an Platznot. Auch sie sollten in dem Bunker Flächen bekommen können.

Weltkriegsbunker in Frankfurt soll Proberaum werden: Die Vereine nicht vergessen

Ähnlich äußern sich Stefan Helming (SPD) und Christoph Zielonka (Grüne), beide Mitglieder des Ortsbeirats 11 (Fechenheim, Riederwald, Seckbach). Unter Raumnot leidet etwa die SG-Riederwald. Auch die Boxabteilung des Polizeisportvereins Grünweiß hat sich im Stadtteil niedergelassen und könne sich gut vorstellen, auch zu bleiben.

Bis die ersten E-Gitarren und Schlagzeuge im Bunker Lassallestraße tönen, dauert es aber noch. Etwa drei Jahre brauche es, bis die Arbeiten abgeschlossen sind, schätzt man im Baudezernat. Allein die veranschlagte Dauer und die Kosten lassen erahnen, wie groß der Aufwand ist, den die Stadt in den Bunker stecken muss. Mit Kosten von 3,5 Millionen Euro rechnet das Dezernat. „Die Maßnahmen betreffen nahezu alle Gewerke. Heizung, Lüftung, Sanitär, Elektro, Brandschutz, Hochbau“, heißt es aus dem Dezernatsbüro.

Bunker im Frankfurter Riederwald: Zahl und Zweck der Räume noch unklar

Die Stadt hat den Bunker 2016 im sogenannten Bunker-Paket zusammen mit fünf weiteren Hochbunkern von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gekauft. Dazu gehörte auch der Bunker Schäfflestraße. 290.000 Euro zahlte die Stadt damals für den Beton-Koloss in der Lassallestraße. Dass umfängliche Investitionen in den Bunker notwendig werden würden, war damals schon klar.

„In diesem Bunker gibt es freie Flächen, die nach dem Erwerb und der brandschutztechnischen Ertüchtigung bedarfsorientiert potenziellen Nutzern angeboten werden können“, erklärte der Magistrat 2016. Derzeit nutzt der Verein Riederwald 81 nur den kleinen Vorbau als Abstellkammer. Und der Vorplatz dient als Parkplatz.

Ob und wie viele Räume für Riederwälder Vereine entsteht werden, lasse sich nach Auskunft des Dezernats noch nicht absehen. Die Planungen stehen erst am Anfang. „Die Raumaufteilung ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht finalisiert und hängt letztlich auch von technischen Faktoren ab.“ Das Dezernat tausche sich dazu mit dem Quartiersmanagement aus. Klar sei aber, „Hortplätze lassen sich im Bunker nicht realisieren.“ Die Vorgaben an Raumgröße, Lichteinfall, Rettungswege, Außenflächen seien für Betreuungseinrichtungen extrem streng und ließen sich in einem Bunker nicht erfüllen. Der Hort würde schlicht nicht genehmigt werden.

Nutzung von Weltkriegsbunkern in Frankfurt: Eine Frage des Zivilschutzes

Der Raumbedarf für Vereine, Initiativen und Hortplätze aus dem Stadtteil ist das eine. Unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs stellen sich für Ortsbeirat Thomas Dorn (Grüne) Fragen, die den Bunker als das ins Zentrum rücken, wofür er einmal gebaut wurde: Zivilschutz. „Mit den vielen Rechenzentren und dem Chemiepark Allessa liegt viel kritische Infrastruktur auf engem Raum bei uns im Ortsbezirk beieinander“, sagt Dorn und spitzt zu: „Wir sind quasi Erstschlagsgebiet.“

Dorn verbindet damit keine Forderung. Es geht ihm darum, die Diskussion anzustoßen, welche Rolle der Zivilschutz besonders in den Frankfurter Stadtteilen haben sollte, die viel sensible Infrastruktur innehat. Einen entsprechenden Antrag möchte er zu kommenden Sitzung des Ortsbeirats stellen. Für das Baudezernat spiele Zivilschutz aber keine Rolle bei der Sanierung in der Lassallestraße. Dafür sei die zuständige Stelle der Katastrophenschutz. (Friedrich Reinhardt)

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