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Jürgen Croll, Vorsitzender des Traditionsvereins TSG Niederrad, will das angestammte Sportgelände nicht ohne einen nutzvollen Ausgleich für den Verein abgeben. Foto: Enrico Sauda

Niederrad: Stadtplanung

Hier soll übergangsweise eine Schule stehen

  • vonAlexandra Flieth
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Sollte im Lyoner Quartier gebaut werden, fordert die TSG einen angemessenen Ausgleich

Dass die Stadt beschlossen hat, ein Interimsgebäude für eine Grundschule auf dem TSG-Vereinsgelände zu bauen, hat Jürgen Croll, Erster Vorsitzender des Vereins, erst aus der Zeitung erfahren. Die Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) hatte die Neuigkeit am 23. Oktober auf einer Informationsveranstaltung über die Schulsituation im Frankfurter Süden verkündet. Croll: "Es wäre schön gewesen, dies direkt von der Stadt zu erfahren". Schließlich ist Niederrads ältester Fußballverein schon seit Jahren darüber informiert, dass dieses Schicksal droht. Deshalb wundert sich Croll nicht über die Tatsache, sondern darüber, dass er selbst auf Nachfrage von der Stadt dazu noch gar nichts gehört hat.

Wenn ein Schulbau, dann kein Provisorium

"Wir haben nichts gegen den Bau der Schule. Die Kinder müssen ja irgendwo unterkommen", sagt Croll. Doch wenn, dann sollte die Schule ganz dort gebaut werden - inklusive einer Sporthalle, die der Verein mitnutzen kann. "Von einem Provisorium halten wir nichts". Denn der Verein möchte im Tausch mit der gepachteten Fläche als Ausgleich einen Kunstrasenplatz - und das Recht, die Turnhalle zu nutzen.

Bildungsdezernentin Weber hatte jahrelang darauf gepocht, dass die dringend benötigte Grundschule für das neue Mischviertel Lyoner Quartier nicht unter der Einflugschneise des Flughafens entsteht. Das im Bebauungsplan 872 vorgesehene Gelände auf den Sportplätzen der TSG liegt im Siedlungsbeschränkungsgebiet, der Tagschutzzone 2. Schulen dürfen dort nur mit Ausnahmegenehmigung des Landes Hessen gebaut werden - wegen des Fluglärms. Kinder sollen nicht in einem von Krach geprägten Umfeld zur Schule gehen, ist der Standpunkt der Sozialdemokratin. Deshalb soll weiter gesucht werden. 17 Grundstücke wurden im Lyoner Quartier geprüft, keines sei für eine Schule geeignet gewesen, so Weber. Bis ein endgültiger Standort außerhalb der Tagschutzzone 2 gefunden ist, soll die fünfzügige Grundschule als Provisorium dort entstehen.

"Mit dem Bau der Schule sind wir einverstanden. Wir haben sogar unsererseits Vorschläge gemacht, wie das Gelände bebaut werden kann, inklusive Schulgebäude", erinnert Croll. Wie in dieser Zeitung bereits berichtet, hat der Architekt Eckart von Schwanenflug mehrere Entwürfe bei der Stadt eingebracht, etwa mit einer Dreifeldhalle, die auf dem Dach bespielt und von Schule, Vereinen und Firmen genutzt werden kann. "Die Entwürfe sind bei der Stadt bekannt. Gehört haben wir dazu noch nichts", sagt Croll enttäuscht.

Die Stadt hegt offenbar nicht die Absicht, auf die Vorschläge einzugehen. Geplant sei der temporäre Bau der Schule "auf der im Bebauungsplan vorgesehenen Fläche westlich der Sportanlage Hahnstraße", teilt die Bildungsdezernentin auf Anfrage mit. Der Bau sei beim Amt für Bau und Immobilien (ABI) in Auftrag gegeben. "Die Turnhalle soll von der TSG mitgenutzt werden können", so Weber. Ob die TSG Ausgleichsflächen erhalte, darüber werde mit dem Verein zu sprechen sein.

Die TSG braucht dringend einen Kunstrasenplatz. Denn der Rasenplatz ist nur im Sommer bespielbar. Diese Woche fängt der Verein damit an, in Eigenregie den Hartplatz zu sanieren. Die Seniorenmannschaften haben sonst im Winter so gut wie keine Trainingsmöglichkeit - auf dem Sportplatz Hahnstraße nebenan sind sie Mieter, die sich den Platz mit anderen Vereinen teilen müssen. Auch die neue Cricket-Abteilung nutzt den Hartplatz rege.

Eine moderne Sporthalle wäre in Niederrad dringend nötig. Einzig die Halle der Friedrich-Fröbel-Schule ist brauchbar und entsprechend stark frequentiert. Hallenplätze für den Winter sind im Stadtteil rar gesät und kosten die Vereine viel Geld. Stefanie Wehr

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