Lecker: Dorle Horcher probiert das frisch gebackene Brot mit Kindern des integrativen Naturkindergartens der Lebenshilfe.
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Lecker: Dorle Horcher probiert das frisch gebackene Brot mit Kindern des integrativen Naturkindergartens der Lebenshilfe.

Lebenshilfe

Hier wird jetzt selbst gebacken

  • Sandra Kathe
    VonSandra Kathe
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25 000 Quadratmeter misst das Gelände, das die Lebenshilfe auf Gut Hausen für ihr integratives Programm nutzt. Bald wird hier neben der Krabbelstube auch der Naturkindergarten eröffnen. Neben Apfelsaft und Honig, der schon seit einiger Zeit selbst hergestellt wird, gibt es nun auch einen Holz-Backofen.

Für die Lebenshilfe könnte es in Sachen Timing gerade kaum besser laufen. Nicht nur, dass der Umzug der ersten Kinder in den neuen Naturkindergarten in kaum zwei Wochen angepeilt ist: Auch der neue Holzbackofen, ein großer Grillplatz und neue Spielgeräte auf dem Gelände vor der Apfelwiese sind seit dem Wochenende in Betrieb. Hier können die größeren Kinder dann beim Brot- und Pizzabacken experimentieren und eine Menge über die Herkunft von Lebensmitteln lernen.

Für Kita-Leiterin Dorle Horcher ist das eine willkommene Möglichkeit, um den Kindern noch lebhafter zu demonstrieren, dass dahinter eine ganze Menge Arbeit steckt. „Wir beobachten ja immer wieder, dass die Kinder aus der Stadt sich gar nicht bewusst darüber sind, dass Lebensmittel tatsächlich weiter zurückgehen als zum Supermarkt. Aber die Milch kommt eben nicht aus dem Tetrapack, genauso wenig wie das Brot frisch geschnitten aus der Tüte fällt“, sagt die Pädagogin, die schon ab nächster Woche mit ihren Schützlingen regelmäßig am Holzofen backen will.

Die vergangenen Wochen hatte sie zumindest Zeit, sich an die neue Errungenschaft der Lebenshilfe zu gewöhnen. „Wir haben immer wieder kleine Feuer in der unteren Etage des Holzofens gemacht, um das Innere auf die hohen Temperaturen einzustellen“, erklärt sie und betont, dass das genauso wie das Brotbacken selbst seine Zeit braucht. Die Vorfreude auf die Premierenbrote am Samstagnachmittag war beim Team der Lebenshilfe umso größer.

Spezieller Sauerteig

Und nicht nur hier wurde sich in den vergangenen Wochen aufs Brotbacken vorbereitet: Auch Hans-Martin Aurich, der das benachbarte Gewächshaus gepachtet hat, freut sich, dass es jetzt endlich losgehen kann. „Die Lebenshilfe hat mich eingeladen, jeden Freitag hier Brot zu backen, eventuell auch Kurse anzubieten, wenn die Nachfrage da ist“, erklärt er. Für den Samstagnachmittag hat er sich bereits in Bäckerkleidung geworfen und schon knapp eine Woche im Voraus Sauerteig aufgesetzt. Als spezielle Zutat an seinem ersten Teig hat er sich Lichtwurzel ausgesucht, eine Art Yamswurzel, die er im Gewächshaus selbst angebaut hat: „Das klingt alles nach einer Menge Aufwand. Ist es auch, aber es lohnt sich“, sagt er strahlend, als er die erste Fuhre Brot aus dem Ofen holt.

Auch das sollen die rund 20 Kindergartenkinder, die voraussichtlich in der letzten Juniwoche vom Übergangscontainer in ihre neue Natur-Kita einziehen sollen, von den Erwachsenen abschauen, sagt Horcher: „Dass es nicht nur eine Sorte Brot gibt, sondern dass man experimentieren und dem eigenen Geschmack vertrauen lernen kann. „Genauso wird das übrigens mit Pizza, Flammkuchen und verschiedenen Blechkuchen funktionieren.“

Es geht um Vielfalt

Finanziert wurden der neue Ofen, ein Grillplatz sowie zwei Schaukeln an dem beliebten Treffpunkt auf dem Gelände durch eine 37 000- Euro-Spende der englischen Bridgepoint-Stiftung, die auch in Deutschland aktiv ist: „Wir kennen die Lebenshilfe bereits seit einigen Jahren, als die Organisation auf uns zu kam und die Umgestaltung des Außenbereichs der Krabbelstube vorstellte. Als jetzt die Anfrage für den Holzofen kam, waren wir sofort begeistert“, sagt Stiftungskuratorin Stefanie Arensmann, die begeistert ist von der ersten Ladung Sauerteigbrot, die am Einweihungstag zu Würstchen und Salaten gereicht wurde.

Auf dem 25 000 Quadratmeter großen Gelände, die die beiden integrativen Einrichtungen bis in den hintersten Winkel nutzen können, ist der neue Ofen nur einer von vielen Höhepunkten. Es gibt eine Apfelwiese, aus der jeden Spätsommer literweise eigener Apfelsaft gekeltert werden, seit vergangenem Jahr sogar einen eigenen Bienenstock, der bereits 35 Kilogramm Honig abgeworfen hat. „Es geht eben um Vielfalt – bei den Tagesabläufen genauso wie bei den über 60 behinderten und nicht behinderten Kindern, die hier die ersten Jahre ihrer Kindheit verbringen. Darauf sind wir stolz und die wollen wir auch pflegen“, sagt Lebenshilfe-Vorstand Volker Liedtke Bösl.

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