Galeristin Brigitte Maurer vor Objekten von Joseph Stephan Wurmer, im Hintergrund sind Papierarbeiten von Aja von Loeper zu sehen. Nicht nur in den Räumen, auch im Schaufenster in der Fahrgasse präsentiert Maurer Werke ihrer aktuellen Ausstellung.
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Galeristin Brigitte Maurer vor Objekten von Joseph Stephan Wurmer, im Hintergrund sind Papierarbeiten von Aja von Loeper zu sehen. Nicht nur in den Räumen, auch im Schaufenster in der Fahrgasse präsentiert Maurer Werke ihrer aktuellen Ausstellung.

Ausstellung

Hier wird Kunst schon von außen sichtbar

Die Frankfurter Galerie Maurer zeigt Papierarbeiten und Holzobjekte auch im Schaufenster - ganz coronakonform.

Ein Schaufensterbummel lohnt sich für Kunstliebhaber, denn viele Galerien präsentieren im zweiten Lockdown Kunst auch zur Straße hin. Eine solch besondere Ausstellungseinladung entdeckt man in der Fahrgasse in der Altstadt bei der Galerie Maurer. Unter dem Motto "Konturen der Natur" bespielen Papierarbeiten von Aja von Loeper sowie Skulpturen von Joseph Stephan Wurmer und Paul Diestel die Fenster.

Bereits auf den ersten Blick ist das verbindende Moment trotz aller Unterschiede deutlich. Denn die Künstler verzichten auf grelle Farbigkeit und bevorzugen dezente Naturfarben. Die Papierarbeiten der Künstlerin Aja von Loeper (1971), eine Hommage an die Farbe Weiß, bezaubern mit einer filigranen und dennoch plastischen Aussage. Selbst für die Bildtitel wählte von Loeper die Bezeichnung "Weißes Blatt". Die Meisterschülerin von Christine Colditz, die in Nürnberg lebt und arbeitet, hat eine einzigartige Technik entwickelt, für die noch immer ein passender Begriff gesucht wird. Sie bearbeitet Spezialpapiere, indem sie mit einem abgerundeten Birkenholzkeil auf das Papier einschlägt und thermische Prozesse in Gang setzt. Dabei driften Papierfasern auseinander, um sich neu zu sortieren. Nicht die Verletzung des Papiers, sondern seine Reise mit Verweis auf Plastizität ist ihr wichtig.

Abenteuerliche Suche nach des Pudels Kern

Auch bei dem niederbayrischen Bildhauer Joseph Stephan Wurmer (1956) steht das Material im Vordergrund. Er arbeitet mit Naturholz und verzichtet konsequent auf Bemalung, stattdessen legt er Wert auf Sichtbarkeit der Holzmaserungen. Seine Skulpturen, in denen geometrische und dynamische Formen miteinander in Dialog treten, loten die extreme Bandbreite des Gestaltens mit Holz aus. Er kämpft sich vom Äußeren eines Holzstammes bis in kleinste Unterwelten und muss so in Kauf nehmen, dass das Werk auseinanderbrechen kann. Seine Objekte schweben zwischen Figuration und Abstraktion. Es scheint, als beabsichtige er, alltäglichen Dingen auf den Grund zu gehen. Insbesondere die aus Zedernholz geschaffenen Objekte des Zyklus "Lichter Raum" diskutieren diese abenteuerliche Suche nach dem Kern des Pudels.

Der Schweinfurter Bildhauer Paul Diestel (1996), Meisterschüler von Mirjam Thormann und Jens Brand, ist der Jüngste und der Frechste der Galeriekünstler. Er inszeniert Naturformen und präsentiert stark vergrößerte Ausschnitte von Knospen, Blättern oder auch Larven. Zudem setzt er mit Hilfe von Naturpigmenten farbliche Akzente. Sowohl die erzielte Form als auch die akzentuierte Farbgebung erstaunen durch äußerste Treffsicherheit und Chuzpe. Es scheint, als ob er Naturmomente mit einem Schmetterlingsnetz einfängt, beobachtet und vergrößert, um sie in atemberaubender Form als Diestel-Objekte auf den Punkt zu bringen. Das Spannende an dem Künstler ist zudem, dass er erst am Anfang seiner Laufbahn steht. Auch auf die nächsten Objekte darf man gespannt sein.

"Konturen der Natur"

Die Ausstellung ist noch bis zum 6. März 2021 in der Galerie Maurer eingeplant. Viele Kunstobjekte sind derzeit auch in den den Schaufenstern sichtbar. Galerie Maurer, Fahrgasse 5, www.galerie-maurer.com.

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