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Hilfe für Kröten, damit Autos sie nicht töten

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Von: Stefanie Wehr

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Alle Hände voll zu tun: David (10) und Papa Michael Lemke halfen fleißig mit.
Alle Hände voll zu tun: David (10) und Papa Michael Lemke halfen fleißig mit. © Maik Reuß

SACHSENHAUSEN Oberschweinstiege organisiert sicheren Transport in den Jacobiweiher

Fünf kleine Kröten sitzen schon im Eimer, den David Lemke in der Hand hält. Mit seinem Papa Michael ist der Zehnjährige über den Krötenzaun gestiegen und hält auf dem Waldboden nach den braunen Tierchen Ausschau. Die sind im Laub gar nicht so leicht zu erkennen. "Wir müssen sie hinter dem Zaun aufsammeln, damit sie nicht auf die Straße hüpfen", erklärt der Bub. Da kommt auch schon ein Auto langsam um die Kurve, vorneweg rollt ein Helfer in neongelber Schutzweste auf einem Scooter und leuchtet mit der Stirnlampe aufs Pflaster. Keine Kröte sitzt dank des Zauns auf der Straße - trotzdem ist langsam fahren angesagt.

Unter neuer Führung

"Wir versuchen, so gut wie möglich aufzupassen, damit keine Amphibie überfahren wird", sagt Viola Federau, Pächterin des Restaurants Oberschweinstiege am Jacobiweiher. Das Ausflugslokal hat dieses Jahr erstmals die Organisation der Krötenwanderung mit freiwilligen Helfern und Mitarbeitern übernommen. Der Nabu, der in den Jahren zuvor traditionell einen eigenen Zaun aufbaute und mit Dutzenden Freiwilligen den Kröten über den Zuweg half, gab letztes Jahr auf. Es herrsche einfach zu viel Verkehr, die Stadt tue nichts, um hier zu helfen, lautete der Vorwurf.

Und so kommt dieses Jahr die Stadt nicht umhin, sich selbst um die Tiere zu kümmern, die zu den besonders geschützten Arten gehören. "Der Stadtforst hat einen Krötenzaun gekauft, der entlang der Oberschweinstiegschneise, also der Zufahrt zum Restaurant auf der linken Seite, aufgestellt wurde", erläutert die Sprecherin des Umweltdezernats Susanne Schierwater. An der schmalen Straße, die von der Isenburger Schneise zum Jacobiweiher führt, steht eine Absperrbake mit Schild: "Achtung Krötenwanderung!". Dort steht ein Helfer mit Walkie Talkie, der den anderen ein paar Hundert Meter weiter hinten Bescheid gibt, sobald ein Auto kommt. Erlaubt sind nur 10 Kilometer pro Stunde. Die Zufahrt von der Darmstädter aus ist gesperrt. Sie wird es auch künftig bleiben, hat die Stadt verkündet, weil sich der Weg zunehmend als Schleichweg zu etablieren drohte.

Als Partner der Stadt in Sachen Krötenschutz fungiert das Restaurant Oberschweinstiege. "Wir bringen uns sehr gerne mit ein", sagt Viola Federau. "Schließlich sind wir froh über unseren schönen Standort hier im Stadtwald, da gehört es dazu, dass wir auf die Tiere Rücksicht nehmen. Und Spaß macht es auch."

Anfang der Woche, als es regnete, ging das große Amphibienhüpfen los. Da tauchten die ersten Erdkröten und Grasfrösche am Zaun auf, berichtet Federau. Sogar ein seltener Bergmolch war dabei. "Jetzt sind wir jeden Abend mit Helfern draußen und sammeln die Kröten ein". David und sein Vater sind begeistert von der Aktion, von der sie durch Zufall beim Essen in der Oberschweinstiege erfuhren. Die beiden kommen aus Hamburg und verbringen gerade eine Woche in Frankfurt, wohnen im Hotel, so lange die Mama, die Flugbegleiterin ist, eine Fortbildung am Flughafen macht. "Wir haben das Restaurant in Google Maps gefunden und kamen zum Abendessen her. David hat ganz aufmerksam den Flyer über die Krötenwanderung gelesen. Und da haben wir uns spontan überlegt, mitzuhelfen", erzählt Michael Lemke.

Noch werden Helfer gesucht

Jetzt werden die kleinen im Eimer gefangenen Geschöpfe wieder freigelassen: An der Böschung zum mondbeschienenen Jacobiweiher legen die Helfer die Eimer auf die Seite, so dass die Kröten raushüpfen können. Und schwupps, machen die sich gut getarnt im Laub auf die letzte Etappe ihrer langen Wanderung: hinab in den Weiher. Im Wasser, wo sie selbst einst geboren wurden, laichen sie ab - manche sind offenbar noch mit der Paarung beschäftigt.

Auf weitere freiwillige Helfer hofft Viola Federau. Auch stundenweise seien alle willkommen, die helfen können. Ab 19 Uhr geht es los. In der "Krötenzentrale", einem Lagerraum im Nebengebäude, gibt es Schutzwesten, Handschuhe, Taschenlampen und Walkie Talkies - und natürlich etwas zu essen und zu trinken aus dem Restaurant. Bis 21 Uhr ist die Küche des Lokals während der Woche geöffnet, das heißt bis etwa 22 Uhr bleiben die letzten Gäste, die dann mit dem Auto abreisen, am Wochenende auch länger. Nach der Zeitumstellung am 27. März wird es abends länger hell bleiben. Die Zeit, in der die Kröten unterwegs sind, verschiebt sich dann in den späteren Abend. Wer helfen möchte, sollte etwa drei Stunden einplanen und sich vorher anmelden, am besten per Whatsapp unter der Telefonnummer 01 51/58 00 79 26. In einer Whatsapp-Gruppe wird der Einsatz koordiniert.

Hier sitzt eine Kröte auf dem Weg vor einem vorbeifahrenden Auto.
Hier sitzt eine Kröte auf dem Weg vor einem vorbeifahrenden Auto. © Maik Reuß

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