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Ärztemangel in Frankfurt spitzt sich zu – Wie sich das verhindern lassen könnte

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Von: Friedrich Reinhardt

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Mit 72 Jahren im Dienst am Frankfurter Berg: Hausarzt Ingo Gabriel mit seinem Team Britta Ragge (v.l.) und Silvia Friedrich. FOTO: rainer rüffer
Mit 72 Jahren im Dienst am Frankfurter Berg: Hausarzt Ingo Gabriel mit seinem Team Britta Ragge (v.l.) und Silvia Friedrich. © Rainer Rüffer

Die Verteilung der Ärzte wird in Frankfurt immer ungleichmäßiger. Und auch in den nächsten Jahren droht sich die Situation zu verschlechtern.

Frankfurt – Ingo Gabriel wird mittlerweile öfter von seinen Patienten gefragt: „Wie lange machen sie denn noch?“. Der Internist und Hausarzt am Frankfurter Berg wird in der kommenden Woche 73 Jahre alt. „Ein paar Jahre mache ich noch“, antwortet er dann. Noch mache ihm der Beruf Spaß und Körper und Kopf sind noch fit.

Ein Grund, weiterzumachen, sei aber auch die Frage: Was wird aus seinen Patienten, wenn er aufhört? Für die 8000 Einwohner am Frankfurter Berg gebe es dann nur noch Frau Doktor Anja-Susanne Eivazi-Veith. Er fürchtet, der Frankfurter Berg könnte sich entwickeln, wie Berkersheim. Da gibt es seit Jahren keinen niedergelassenen Hausarzt mehr.

Ärztemangel in Frankfurt: Jeder dritte Hausarzt über 60

Die medizinische Versorgung im Frankfurter Osten ist in vielen Stadtteilen prekär. Laut der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV) sollten auf einen Arzt nicht mehr als rund 1700 Einwohner kommen. In Eckenheim kümmern sich vier Hausärzte um 14 151 Einwohner, in Bonames kommen auf 6393 Einwohner zwei Hausärzte und in Preungesheim sind es sieben Hausärzte und 15 745 Einwohner. In den kommenden Jahren könnte sich diese Situation noch verschärfen.

Viele Ärzte werden in den nächsten Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden. In Frankfurt ist jeder dritte Hausarzt über 60 Jahre alt. Und ob sich die neuen Ärzte am Frankfurter Berg, in Berkersheim oder Bonames niederlassen, oder lieber in Stadtteilen mit wohlhabenderer Bevölkerung, ist fraglich. Zudem arbeitet Ingo Gabriel noch über 40 Stunden in der Woche, wenn man die Fortbildungen mitzählt.

Der nachfolgenden Generation gehe es dagegen stärker um eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Peter Tinnemann, Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes, sprach am Dienstagabend im Ortsbeirat 10 (Berkersheim, Bonames, Eckenheim, Frankfurter Berg, Preungesheim) von einer „Feminisierung der Medizin“, Frauen machten 80 bis 90 Prozent der Studierenden aus. Da noch immer Frauen den größten Teil der Kinderbetreuung übernähmen, lege die neue Generation mehr Wert auf Zeit mit der Familie. Und fehle in den Praxen.

Immer weniger Ärzte in Frankfurt – Platz für neue Praxen fehlt

Für die Stadtteile werben, hilft allein nichts. Die Zahl der Hausärzte wird durch die KV begrenzt. Nur so viele dürfen sich niederlassen, wie nötig sind, um die Einwohner zu versorgen. Und Frankfurt - das als ein Versorgungsgebiet geführt wird - ist mit 494 Hausärzten bereits überversorgt. Nur sind die Arztsitze ungleich verteilt. Die Innenstadt hat laut KV einen Versorgungsgrad von über 250 Prozent, das Bahnhofsviertel von mehr als 350 Prozent. Die Versorgungsgebiete kleiner zuschneiden, könne die KV nicht, erklärt ein Sprecher. Ihre Größen werden von der bundesweiten Bedarfsplanungsrichtlinie festgelegt.

„Das Dilemma wird man möglicherweise nur lösen können, wenn man Ärzten die Möglichkeit gibt, ohne unternehmerisches Risiko im Angestelltenverhältnis in einer Kommunalen Gesundheitseinrichtung zu arbeiten“, sagte Gesundheitsamtsleiter Tinnemann. Damit könnten die Stadtteile für Hausärzte attraktiver werden. Nur: Dafür fehlte der Platz, sagte Julian Langner (FDP). Selbst für eine Gemeinschaftspraxis gebe es etwa in Berkersheim keine Räume.

Langner verwies auf die Forderung des Ortsbeirats, im Bebauungsplan für das Gebiet nördlich der Weinstraße ein Ärztehaus einzuplanen. Der Magistrat hatte abgelehnt. Ärzte könnten in den Wohnungen ihre Praxen eröffnen. Aber Ärzte, die allein eine Praxis betreiben wollen, findet man kaum noch. Langner bat Tinnemann, dass das Gesundheitsamt Druck auf den Magistrat machen sollte, dass etwa am Hilgenfeld Räume für ein Ärztehaus entstehen können. Ingo Gabriel hat noch nicht begonnen, einen Nachfolger für seine Praxis zu suchen. Dass diese in einem Ärztezentrum im Neubaugebiet Hilgenfeld aufgeht, könne er sich aber gut vorstellen. Hauptsache, seine Patienten sind gut versorgt. Hauptsache, „dass es am Frankfurter Berg nicht wird wie in Berkersheim“. (Friedrich Reinhardt)

Erst kürzlich haben Ärzte in Hessen gegen Preissteigerungen und Energiekosten protestiert. Vielerorts blieben die Praxen geschlossen.

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