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Hilmar Hoffmann und Petra Roth.

Trauer um Kulturpolitiker

"Hilmar Hoffmann hat Frankfurt neu erfunden"

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Parteiübergreifend sind am Wochenende Hilmar Hoffmanns Verdienste um die Kulturstadt Frankfurt gewürdigt worden. Der frühere Kulturdezernent ist am Freitag im Alter von 92 Jahren gestorben.

Politiker mit Ausstrahlung auf ganz Deutschland hat Frankfurt nicht sehr viele hervorgebracht. Hilmar Hoffmann, Kulturdezernent von 1970 bis 1990, gehörte ohne Frage hinzu. „Wir trauern um den bedeutendsten Kulturpolitiker der Bundesrepublik Deutschland“, sagte der Frankfurter SPD-Chef Mike Josef am Wochenende, nachdem er erfahren hatte, dass sein Parteifreund am vergangenen Freitag auf dem Weg ins Elisabethenkrankenhaus in Bockenheim gestorben war.

Er habe Frankfurt als Stadt der Kultur neu erfunden. Seine Erfahrung und sein umfassendes Wissen waren bis zuletzt gefragt. „Hilmar Hoffmann stand mir als Kulturpolitiker und Freund stets mit Rat und Tat zur Seite“, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Er bezeichnete den Verstorbenen als einen der Gründerväter „unserer modernen und weltoffenen Stadt“. Sein Tod sei ein „unersetzlicher Verlust für Frankfurt und die deutsche Kulturlandschaft“.

Kultur-Staatsministerin Monika Grütters (CDU) bezeichnete ihn als eine der „prägendsten und erfolgreichsten Kulturpolitiker, den das Land hatte“. Der Frankfurter CDU-Vorsitzende Jan Schneider erinnerte daran, dass Hilmar Hoffman immer ein verlässlicher Partner und Gesprächspartner gewesen sei. Seine Zusammenarbeit mit dem CDU-Oberbürgermeister Walter Wallmann seien „sehr gute Jahre für Frankfurt“ gewesen.

Für die aktuelle Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) ist Hilmar Hoffmann ein Vorbild: „Er war ein besonderer Mensch, trotz seines hohen Alters bis zuletzt wach und zugewandt.“ Das berichten auch andere, die ihn in den vergangenen Monaten getroffen haben. Die Mobilität machte im in jüngster Zeit zu schaffen, er war auf den Rollstuhl angewiesen. Trotzdem war er voller Tatendrang, schmiedete in seinem Haus in Oberrad bereits Pläne für sein nächstes Buch. Der frühere Baudezernent Hans-Erhard Haverkampf, der Hoffmann seit der gemeinsamen Zeit im Magistrat freundschaftlich verbunden war, hat noch vor zwei Wochen mit ihm darüber gesprochen. „Es sollte um die Geschichte der Oper gehen“, erinnert er sich. Aber Hoffmann wollte auch nach vorne blicken und sich mit der Zukunft des Musiktheaters befassen.

Haverkampf hat sich mit Hoffmann auch über aktuelle Themen unterhalten, etwa über die anstehende Sanierung der Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz. „Er hat sich entschieden gegen eine Verlagerung von Schauspiel und Oper ausgesprochen“, berichtet der Weggefährte. Frankfurt verliere eine „übermächtige Persönlichkeit“, die aus einer rein wirtschaftlich orientierten eine Kulturstadt gemacht habe. Er habe noch heute gültige Marken gesetzt.

In vielen Würdigungen wird das Museumsufer besonders hervorgehoben. Ohne Hilmar Hoffmann wäre es nie realisiert worden, betonten die Frankfurter Grünen. Es werde auf immer mit seinem Namen verbunden bleiben, sagt auch Kulturdezernentin Hartwig. Hoffmann selbst hatte immer betont, dass es für die Entwicklung des Museumsufers keinen exakten Plan gegeben habe. Zumindest keinen, über den er öffentlich sprach. Denn er wusste, dass er für ein Konzept mit zwölf Museumsneubauten nie eine Mehrheit bekommen hätte. Dass er es doch umsetzen konnte, lag an der fruchtbaren Zusammenarbeit mit Walter Wallmann. „Es waren ganz unterschiedliche Persönlichkeiten, aber sie haben sich respektiert“, erinnert sich Weggefährte Haverkampf.

Mike Josef betonte, dass es Hoffmann nie nur um Leuchtturmprojekte, sondern auch um kulturelle Basisarbeit gegangen sei. „Mit einer Vielzahl von Bürgerhäusern und Stadtteilbibliotheken hat er die Kultur in Frankfurt vom Kopf auf die Füße gestellt.“

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