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Wo heute noch ländliches Idyll herrscht, könnte in ein paar Jahren ein neues Wohngebiet entstehen.

SPD ist hin- und hergerissen

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Grüne und CDU im Frankfurter Norden sind gegen ein Neubaugebiet auf dem Pfingstberg zwischen Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach. Schwerer tut sich die SPD, auch wenn ihre Mitglieder mehrheitlich gegen die Pläne sind. Denn ihr Stadtverband befürwortet den neuen Stadtteil.

Gut zwei Jahre ist es her, dass Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und die Römer-Fraktion seiner Partei das bereits in den 1990er Jahren erstmals geplante Neubaugebiet „Pfingstberg“ zwischen Nieder-Eschbach, Nieder-Erlenbach und Harheim erneut in die Diskussion warfen (wir berichteten). „In letzter Zeit bringt die SPD das Thema immer häufiger ins Gespräch“, sagt Michael Paul, Vorsitzender der Nieder-Eschbacher Grünen. Daher haben die Grünen im Frankfurter Norden ein Strategiepapier entwickelt. Sie machen klar, dass sie dieses Baugebiet nicht wollen. Auch die CDU ist gegen die Pfingstberg-Bebauung.

Komplizierter geht es innerhalb der SPD zu. Denn viele Genossen im Frankfurter Norden sind gegen das Bauvorhaben – trotz eines Parteitagsbeschlusses der Frankfurter SPD, den neuen Stadtteil zu bauen. Im Arbeitskreis Nord, in dem die SPD-Ortsverbände von Kalbach bis Nieder-Erlenbach, aber auch Bonames, Berkersheim und der Frankfurter Berg zusammen geschlossen sind, wird darüber noch diskutiert. Während etwa der Vorsitzende des Arbeitskreises, Günther Häfner, klar für die Pfingstberg-Bebauung ist, tun sich die Genossen aus Nieder-Eschbach, Nieder-Erlenbach und Harheim damit noch sehr schwer.

Häfner ist Berkersheimer. Aus seiner Sicht ist der neue Stadtteil notwendig, um in Frankfurt genügend bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. „Das ist ein ureigenstes Thema der SPD“, erklärt er. Nur allein mit Nachverdichtung sei das Problem nicht zu lösen.

Das sieht auch Ingo Kusch so, SPD-Vorsitzender in Nieder-Erlenbach. Trotzdem ist er gegen die Pfingstberg-Bebauung, so wie eine deutliche Mehrheit seines Ortsverbandes auch. Zum einen trage der Frankfurter Norden bereits viel mit Neubaugebieten dazu bei, das Frankfurter Wohnungsproblem zu lösen. „Nicht zuletzt haben wir im Ortsbeirat mitgeholfen, dass das neue Baugebiet Südlich Am Riedsteig entwickelt wird.“

Statt einen neuen Stadtteil zu schaffen, der in Konkurrenz zu den benachbarten gewachsenen Stadtteilen träte, hält Kusch es für besser, bestehende Stadtteile – wie bisher Usus – behutsam auszubauen. „Man könnte etwa Nieder-Erlenbach in Richtung Harheim oder Nieder-Eschbach erweitern.“

Persönlich sei sie klar gegen die Bebauung des Pfingstbergs, sagt die Fraktionsvorsitzende der SPD im Nieder-Eschbacher Ortsbeirat, Beatrix Krings-Schütz. Wie das in ihrem Ortsverband aussehe, sei noch unklar. „Wir haben das noch nicht abschließend ausdiskutiert.“ Dazu diene unter anderem eine Veranstaltung im Juni, zu der auch Frankfurter SPD-Prominenz wie Klaus Österling geladen wird. „Erst danach kann man sagen, wie der Ortsverein das Thema sieht.“ Sie vermute aber, dass er mehrheitlich gegen die Baupläne sei. Hin und hergerissen ist auch Harheims SPD-Vorsitzende Kristina Luxen. Sie hält nichts von einer Bebauung des Pfingstbergs. Die landwirtschaftlichen Flächen seien wichtig, die Bauern müssten bleiben. „Hier zu bauen, widerspricht meinen Grundsätzen. Wir müssen die Natur bewahren.“

Anderseits gebe es einen deutlichen Parteitagsbeschluss der Frankfurter SPD, räumt Luxen ein. Darin sei aber von Bauen keine Rede, sondern nur davon, den Vorschlag zu prüfen. „Es geht darum, die letzten Flächen für Baugebiete zu finden.“ Noch sei die Diskussion offen, sowohl im Ortsverband als auch im SPD-Arbeitskreis Nord, sagt Luxen. „Natürlich wollen wir als SPD mit einer Stimme sprechen.“

Auch wenn offen diskutiert werde, bestehe natürlich ein gewisser Druck, erklärt Kusch. Ein Druck, den Krings-Schütz noch nicht gespürt hat. „Jeder sagt seine Meinung und dann wird geredet.“

(hau)

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