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Neues Hochhaus am Frankfurter Opernplatz stößt auf Skepsis

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Winterruhe im Beach Club des Clubs Gibson auf dem Grundstück Opernplatz 2: Eigentümer Signa will hier gern ein Hochhaus bauen. Das soll nun im hinteren Teil des Areals neben dem Citi-Bank-Hochhaus entstehen, offenbar damit Opernplatz und Alte Oper nicht im Schatten liegen.
Winterruhe im Beach Club des Clubs Gibson auf dem Grundstück Opernplatz 2: Eigentümer Signa will hier gern ein Hochhaus bauen. Das soll nun im hinteren Teil des Areals neben dem Citi-Bank-Hochhaus entstehen, offenbar damit Opernplatz und Alte Oper nicht im Schatten liegen. © Michael Faust

Investor Signa will einen 60-Meter-Turm nahe der Alten Oper. Doch der Vorstoß irritiert wichtige Politiker.

Frankfurt ‒ Die Plakate für den Gibson-Beach-Club auf dem Grundstück des im Frühjahr abgerissenen Gebäudes Opernplatz 2 hängen noch. Er dürfte wohl auch nächsten Sommer wieder öffnen. Die Chance, dass sich Grundstückseigner und die Stadt Frankfurt bis dahin über die neue Bebauung einig sein könnten, ist nicht allzu groß.

Es ist ein paar Wochen her, da hat der Eigner, die Signa Real Estate des österreichischen Milliardärs und Karstadt-Besitzers René Benko, offenbar einen Testballon steigen lassen. 60 Meter hoch wolle man bauen auf dem Grundstück schräg gegenüber der Alten Oper, berichtete die FAZ.

Ganz neu ist die Idee nicht: Schon länger wurde kolportiert, dass die Signa hier gern hoch bauen wolle. Vom vorigen Besitzer des Geländes, die Allianz, hat sie 2019 eine baureife Planung samt Genehmigung übernommen - aber nur für einen Neubau in der Kubatur seines Vorgängers. Und der Plan sieht nur eine Höhe etwa wie beim vorigen Bau vor.

Stadt Frankfurt widerspricht Gerücht: Kein Kuhhandel für Karstadt

Mehrfach bereits hat die Stadt zurückgewiesen, dass es voriges Jahr einen Kuhhandel mit Signa gab: Weil er die Karstadt-Filiale an der Zeil bis Anfang 2025 geöffnet halte, dürfe Benko ein Hochhaus am Opernplatz bauen, lautete das Gerücht. „Wir haben nur die Zusage gegeben, ergebnisoffen die Möglichkeit des Baus eines Hochhauses am Opernplatz 2 zu prüfen“, unterstreicht Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Diese Zusage fiel Josef wohl nicht allzu schwer: Das Gebiet gehört zu jenem, das die Stadt ohnehin gerade für eine Neuauflage des Hochhausrahmensplans auf ihre Tauglichkeit für weitere Wolkenkratzer hin untersuchen lässt.

Was genau die Signa sich nun wünscht, ist bisher nicht klar. Das Unternehmen hat zuletzt auf mehrere Anfragen der Redaktion nicht reagiert. Josef-Sprecher Gellert bestätigt bloß, dass ein L-förmiger Baukörper vorgesehen sei. Zum Opernplatz hin seien darin sieben Geschosse und ein Staffelgeschoss geplant, also ähnlich der umgebenden Bebauung. Auf der dem Opernplatz abgewandten Geländeseite sei ein niedriges, 60 Meter hohes Hochhaus vorgeschlagen.

Hochhaus in Frankfurt: „Abgetreppte Lösung“ zur Skyline hin

Dieses würde dann direkt neben dem 89 Meter hohen Bürohaus an der Alten Oper stehen, das vor allem nach dem einstigen Hauptmieter als Citi-Bank-Hochhaus bekannt ist. Somit ergäbe sich „eine abgetreppte Lösung“ zur Skyline hin, erklärt Mark Gellert. Denn dahinter wiederum stehen an der Neuen Mainzer Straße erst das Eurotheum mit 110 Metern Höhe und dahinter die ganz hohen Türme des Bankenviertels inklusive der Nummern eins, vier und sechs in Frankfurts Skyline-Rangliste: der Commerzbankturm (259 Meter), der Maintower (200 Meter) und der Omniturm (190 Meter).

Ob eine solche „abgetreppte Lösung“ ansehnlich wirkt und zur Skyline passt, wird in der Fachwelt teils kritisch gesehen. Damit sie etwas zur Skyline beitragen, müssten Neubauten Fernwirkung haben, heißt es von Skeptikern. Genau diese Wirkung hat beispielsweise der 170 Meter hohe Opernturm, der nahezu direkt neben der Alten Oper steht.

Opernplatz Frankfurt: Mehrere andere Häuser im Umfeld haben ähnliche Höhe

Allerdings finden sich im Umfeld des historischen Baus auch gleich mehrere Gebäude mit einer Höhe ähnlich jener der Signa-Wünsche: Direkt nördlich erhebt sich das 50 Meter hohe, langgestreckte, massive Bauwerk „Die Welle“. Südwestlich stehen in der Nähe an der Taunusanlage an den beiden Seiten des Marienturms das 2015 entstandene 69-Meter-Hochhaus „T8“ sowie das 75 Meter hohe Gebäude „T11“ von 1972.

Nicht weit östlich überragt der 1998 entstandene Neubau des Hotel Hilton am alten Stadtbad Mitte 49 Meter hoch klar sichtbar sein Umfeld. Südlich des Opernplatzes liegt an der Freßgass das rund 40 Meter hohe Merkur-Haus von 1952. Es ist der letzte von Frankfurts „Wolkenkratzern“ der ersten Stunde.

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Warum das Planungsdezernat in Frankfurt skeptisch ist - und andere sauer

Ein Hochhaus am Opernplatz 2 sieht man auch im Planungsdezernat skeptisch. „Das ist ein sensibler Ort“, betont Josef-Sprecher Gellert. Es gelte, dass ein Neubau den Platz „nicht zusätzlich verschatten“ dürfe. Genau das dürfte die Signa im Sinn gehabt haben, wenn sie den Turm so weit wie möglich von der Alten Oper entfernt auf den Baugrund platzieren will. Ohne Zustimmung der Stadt aber kann sie das nicht realisieren.

Und die Chancen dafür sind zuletzt nicht gestiegen. Aus den Reihen der Grünen ist verstimmtes Grummeln zu vernehmen. In der führenden Partei der Römer-Koalition kam es nicht gut an, dass die Signa ihre Wünsche über eine Zeitung adressiert hat. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

Bald wird es noch spektakulärer in der Skyline: 300 Meter hoch soll der Millennium-Tower in Frankfurt werden. Er könnte eines der letzten Hochhäuser sein, die in Frankfurt gebaut werden.

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