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"Hochhaus im Park": Angst vor Lärm und hoher Miete

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Die unterschiedliche Fassadengestaltung soll auf die unterschiedliche Nutzung der beiden Türme hinweisen: Im linken Turm entstehen Eigentumswohnungen, der dunkle Turm wird als Hotel genutzt.
Die unterschiedliche Fassadengestaltung soll auf die unterschiedliche Nutzung der beiden Türme hinweisen: Im linken Turm entstehen Eigentumswohnungen, der dunkle Turm wird als Hotel genutzt. © KSP Jürgen Engel

Im "Hochhaus im Park" entstehen Wohnungen, Hotelzimmer und ein Kindergarten. Wegen schlechter Erfahrungen fürchten sich die Nachbarn vor Baulärm. Auch eine Debatte über bezahlbaren Wohnraum ist entbrannt.

Gern würde Andreas Goetz, Geschäftsführer der Building Construction Logistics GmbH erzählen, wie das „Hochhaus am Park“ zwischen Grüneburgweg und Wolfsgangstraße in den nächsten zwei Jahren umgebaut werden soll. Eine Frau ruft aber immer wieder dazwischen, während sie an ihrer Jacke zupft und auf der Bierbank hin und her rückt. Wie viele der etwa 100 Westendler in dem prallgefüllten Raum hat sie Fragen und vorauseilende Beschwerden, die sie äußern will. Dafür ist der Informationsabend der Immobilienunternehmen RFR, Hines und Revcap, die das Hochhaus ab Juni umbauen, ja da. So aber kommt Goetz manchmal kaum zu Wort. Dabei kennt er die Sorgen. Immer wieder wurden in den letzten Jahren die Bauarbeiten am nicht weit entfernten Onyx-Turm unterbrochen, weil die Lärmgrenzwerte überschritten wurden. Nun haben die Anwohner Angst, dass sich das wiederholt.

Die leise Baustelle

In den Doppeltürmen, die von nun an „160 Park View“ heißen, sollen 130 Eigentumswohnungen, ein Hotel mit 150 Zimmern ein Restaurant, ein Café und ein öffentlicher Kindergarten entstehen. Vorher muss das ehemalige Bürogebäude aber innen und außen saniert werden. Damit die Lärmbelastung so gering wie möglich bleibe, sagt Goetz, werde man an der Ostseite eine sechs Meter hohe Lärmschutzwand errichten. Außerdem werde die Fassade erst erneuert, wenn man die lauten Innenarbeiten abgeschlossen habe.

Laut Goetz wird sich auch die zusätzliche Verkehrsbelastung in Grenzen halten. Alle Lastwagen erhielten einen Zeitslot, damit sie sich nicht gegenseitig in die Quere kämen. Die Frau ruft dazwischen: „Dann stehen die hier in der Straße bei laufendem Motor, weil es im Winter kalt ist, und warten, bis sie an der Reihe sind.“ Empörte Zwischenrufe gesellen sich zu einander, und Goetz kann auf den Einwand nicht mehr reagieren.

Einige kritisieren auch, dass in dem höheren Turm vor allem teure Eigentumswohnungen entstehen sollen. Zwischen 6500 und 18 000 Euro werde der Quadratmeter kosten, sagt Alexander Kolbischek von RFR. Bei niedrigeren Preisen lasse es sich nicht finanzieren, das Gebäude auf diese Weise nutzbar zu machen.

Hans-Jürgen Hammelmann (Linke) ist das dennoch zu teuer. In Frankfurt fehle vor allem günstiger Wohnraum, sagte er am Montag im Ortsbeirat, darum solle man mindestens 30 Prozent der Fläche für Sozialwohnungen nutzen. In dem renovierten Bau sind dafür nur sechs Wohnungen vorgesehen. Die 30 Prozent für geförderten Wohnraum kann die Stadt nur fordern, wenn der Bebauungsplan für das Gelände zuvor geändert wurde. Das Projekt wurde aber vom Plan befreit. Das ist möglich, wenn es zum allgemeinen Wohl ist.

Hilft jede Wohnung?

Kaum einer wird daran zweifeln, dass Frankfurt mehr Wohnraum braucht. Der Streit führt daher zu der Frage: Ist jeder Wohnraum guter Wohnraum? Günter Pelke (FDP) findet die Unterscheidung zwischen guten und schlechten Wohnungen unsinnig. Wenn man in einem Wohngebiet wie dem Westend aus Büros Wohnungen mache, sei das grundsätzlich zu befürworten. Für Eva-Maria Winckelmann vom hessischen Mieterschutzbund ist die Frage, was mit den Wohnungen passiert. Werde man sie vermieten, hebten die teuren Wohnungen den Mietspiegel leicht an. Eigentumswohnungen hätten darauf dagegen keinen Einfluss und entspannten den Wohnungsmarkt eher. Jedoch brauche es in Frankfurt schon mehr als ein Hochhaus, bis das spürbar werde.

Probleme bei der Miete gibt es inzwischen auch beim angrenzenden Kiosk. Im Kiosk-Streit geht es um angeblich nicht gezahltes Geld.

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