"Schönster Tag des Lebens"

Hochzeitsmesse "Trau Dich": Der Auftritt der Bräute

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200 Anbieter rund um den „schönsten Tag des Lebens“ waren am Wochenende auf der Messe versammelt. Ihr Geschäft ist nicht ganz einfach.

Heiraten ist Frauensache. Das ist der Trend, der alle 200 Stände auf der Hochzeitsmesse „Trau Dich!“ überstrahlte: Er sollte die entscheidende Frage stellen – um die eigentliche Hochzeit kümmert sich die Braut. Und so waren es in vielen Fällen nicht Paare, sondern Bräute mit Freundinnen, Müttern und Schwiegermüttern, die am Samstag und Sonntag aufs Messegelände kamen, um sich über die neuesten Trends und die Vielzahl von Angeboten für den „schönsten Tag des Lebens“ zu informieren. Die Frauen, so wurde an beinahe allen Ständen beteuert, stellten sich ihren Hochzeitstag als solchen vor. Und planen deshalb immer länger im Voraus darauf hin. „Die meisten, die in diesem Jahr heiraten wollen, haben ihr Kleid schon. Wir haben bereits Brautkleider für Termine in 2016 verkauft“, bestätigt Meike Buschening-Kaffenberger, Inhaberin von „Der Brautladen“ in der Frankfurter Bethmannstraße, einen Trend in der Branche. Modisch seien weiterhin Creme und Elfenbein die Farbe der Braut, Spitze der letzte Schrei und tiefe Rückenausschnitte ein Muss.

Buschening-Kaffenbergers Firmenphilosophie zielt allein auf die Frauen ab: „Die Hochzeit, das ist doch ihr Tag im Leben.“ Alle Blicke ruhten auf der Braut, da solle sie sich als die Schönste fühlen. Zwischen 800 und 1500 Euro lässt sich eine Frau das im Durchschnitt kosten. Männer geben in der Regel halb so viel für ihren Anzug aus.

Oberste Priorität in der Hochzeitsvorbereitung sollte das Kleid allerdings nicht haben. „Mit der Location steht und fällt alles“, sagt Lisa Weil von der „Agentur Traumhochzeit“, die den Paaren auf Wunsch die gesamte Hochzeitsvorbereitung abnimmt. Wer weiß, wann er heiraten möchte, sollte sich zuerst darum kümmern, wo danach die Party steigt. Beliebte

Orte sind schnell ausgebucht. „Viele Leute wollen irgendwo aufs Land, mögen es romantisch-rustikal“, sagt Weil. Zwischen 70 und 90 Gäste zählt die durchschnittliche Hochzeitsgesellschaft, um die 15 000 Euro der große Tag mit ihnen. 18 Prozent der Hochzeitskosten beanspruchen die Planer für sich. „Zu uns kommen vor allem Paare, die sich aus beruflichen Gründen nicht um alles selbst kümmern können.“

Anders als die Hochzeitsplaner wird auf der Messe an zwei Ständen die Prioritätenliste aufgestellt: Auch die Kirchen sind vertreten und geben Rat, wenn es um Trauspruch oder Musikauswahl für den Gottesdienst geht. „Wir sind auf der Messe, aber auch während der Planung so etwas wie ein Ruhepol“, sagt Pfarrer Jeffrey Myers. Deshalb erinnere er die Paare in Gesprächen daran, „dass es ihre Hochzeit ist, sie nicht allen gefallen können“.

Josephine und Johannes, beide 25 und Sozialarbeiter, glauben, das rechte Maß gefunden zu haben. Sie wollen im Juni Hochzeit feiern und haben alles schon geplant. „Jetzt fehlt nur noch mein Anzug“, so Johannes. Über 11 000 Euro wird ihre Feier mit 100 Gästen kosten. Ein großstädtisches Fest stellt sich das Paar vor: „Nach der Trauung fahren wir mit der U-Bahn zur Feier.“

Die Frankfurterin Gamze Steiger (27) wünscht es sich klassischer. Sie ist bereits standesamtlich verheiratet, für Oktober ist das Jagdschloss Platte in Wiesbaden gemietet, sind 140 Verwandte und Freunde zu einem glanzvollen Fest eingeladen. Um alles weitere kümmert sich die Architekturstudentin allein. Sie brachte gestern lieber Mutter und Schwester statt des Bräutigams mit auf die Messe. „Ihm ist es egal, ob die Deko golden oder silbern ist. Das ist okay.“ Also entscheidet sie. Doch die gut organisierte Braut winkte wie viele andere an den meisten der 200 Stände ab: „Ich habe an alles gedacht. Allein die Idee, vorher noch einmal die Zähne aufhellen zu lassen, ist für mich neu“, zog sie ein enttäuschtes, aber mit sich zufriedenes Resümee.

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