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Die Nachricht konnte nicht schlechter sein: Das Festival Barock am Main fällt aus. Michael Quast (hier als eingebildeter Kranker) und seine Truppe sehen keine wirtschaftliche Grundlage. Foto: Maik Reuß

Absage

Höchst: Barock am Main fällt wegen Corona ins Wasser

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Barock am Main kann mit den aktuellen Coronaberschränkungen nicht statt finden. Aus ist "Worschtmichels Traum" - obwohl, wer das Stück gerne sehen wollte, bekommt noch eine Chance. Im kommenden Jahr.

Frankfurt Höchst -Nun ist es Gewissheit: In diesem Jahr wird es kein "Barock am Main" in Höchst geben, weder im Bolongarogarten noch an seiner Ausweichstätte, dem Hof der Porzellan-Manufaktur in der Palleskestraße. Das Programm wird auf 2021 verschoben. ",Mit größtem Bedauern' und ,schweren Herzens' ist gar kein Ausdruck für unsere Gemütslage", sagt Impresario Michael Quast: "Barock am Main lebt vom gemeinsamen Lachen und Feiern, vom fröhlichen und unbeschwerten Miteinander auf engem Raum, sowohl im Publikum als auch auf und hinter der Bühne." Zwar dürfen nach Beschluss der Hessischen Landesregierung vom 7. Mai kleinere Veranstaltungen stattfinden - allerdings nur mit höchstens 100 Personen und unter strengen Auflagen, also unter Einhaltung der Abstands- und Hygienevorschriften, die sowohl für die Gäste als auch für alle Mitarbeiter gelten.

"Das ist für unser Festival künstlerisch und betriebswirtschaftlich nicht umsetzbar", sagt Quast. Ganz zu schweigen vom Verlust der Atmosphäre, die das Festival auszeichnet. "Auch ein Ersatzprogramm mit wenig Publikum und reduziertem Aufwand, das wir mit spitzer Feder durchkalkuliert haben, ist nicht möglich ohne erheblichen Qualitätsverlust und ohne finanziell an die Wand zu fahren. Der Traum des armen Worschtmichel, den Rainer Dachselt in saftigem Hessisch für uns geschrieben hat, kann erst im nächsten Jahr geträumt werden." In diesem Jahr hätte "Worschtmichels Traum oder Der König von Frankfort" auf dem Spielplan gestanden, eine Komödie in Frankfurter Mundart von Rainer Dachselt nach Motiven des dänischen Barockdichters Ludvig Holberg. Premiere sollte am 1. Juli sein.

Zum ersten Mal seit 15 Jahren fällt nun das weit über die Grenzen des Rhein-Main-Gebiets hinaus beachtete "Barock am Main" aus: Rund 60 Menschen hätten während des Festivals Arbeit gefunden, von den Künstlern über die Techniker bis hin zum Einlasspersonal, von den Schneiderinnen in der Kostümabteilung über das Organisationsteam bis zum Catering.

Erst vergangene Woche hatte Quast die Spielzeit seiner neuen Volksbühne im Großen Hirschgraben wegen der Corona-Pandemie vorzeitig beenden und alle geplanten Vorstellungen bis Ende Juni absagen müssen. Für das Festival in Höchst hatte Quast noch am Freitag Hoffnung gehegt. Zumal es schon einige Fährnisse überstanden hat: Mit der Sanierung des Bolongaropalasts, wo "Barock am Main" 2004 aus der Taufe gehoben worden war, konnten die Schauspieler den Garten und die Kulisse des größten bürgerlichen Barockpalastes nördlich der Alpen nicht mehr nutzen und mussten sich nach einem Übergangsspielort umschauen. Den fanden sie im Hof der Porzellan-Manufaktur - die jedoch dann Pleite ging. Ein neuer Investor übernahm im Sommer 2016 nur wenige Wochen vor Beginn der Spielzeit und zeigte sich von dem Theaterfestival so begeistert, dass er Quast und seine Truppe weiter spielen ließ.

Besonders bitter ist: Mehr als die Hälfte der Eintrittskarten sind bereits verkauft; der Vorverkauf hatte rechtzeitig vor Weihnachten begonnen. Alle Karten behalten nun ihre Gültigkeit für einen Termin im Sommer 2021. Sobald die Termine feststehen, wird die Fliegende Volksbühne ihr Publikum informieren. Außerdem besteht die Möglichkeit, einen Gutschein im Gegenwert des Eintrittspreises zu erhalten, die Eintrittskarte zu spenden oder sich den Betrag zurückerstatten zu lassen. Detaillierte Informationen dazu soll es demnächst geben.

Michael Quast wendet sich auch an seine Gastgeber: "Liebe Höchster, jetzt hat sich gerade unsere Ersatzspielstätte im Hof der Porzellan-Manufaktur etabliert und wir haben in den letzten Jahren dort gemeinsam wunderbare Sommerabende verbracht - und jetzt sowas! Wir werden die Durststrecke bis 2021 überstehen, und dann sehen wir uns alle wieder!" Holger Vonhof

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