Henning Brandt, der Verwaltungsstellenleiter im Bolongaropalast, im schönen Garten.
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Henning Brandt, der Verwaltungsstellenleiter im Bolongaropalast, im schönen Garten.

Lieblingsort

Höchst: Eine Oase im Dornröschenschlaf

  • Holger Vonhof
    vonHolger Vonhof
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Sechs Wochen Sommerferien, das sind 42 Tage, die viele Frankfurter - wegen Corona - zu Hause verbringen werden. In einer Serie stellen wir deshalb Lieblingsorte in allen Frankfurter Stadtteilen vor: Für Henning Brandt, den Leiter der Verwaltungsstelle Höchst, ist es der Garten des Bolongaropalasts.

Ansehnlich ist anders. Im Garten des Bolongaropalasts stehen große, rostige Metallcontainer, und der Triton-Brunnen in der Mitte der Anlage plätschert zwar, ist aber eingezäunt: Der Garten ist derzeit Lager und Werkstatt für die Bauarbeiter, die den Palast sanieren und barrierefrei ausbauen.

Doch Henning Brandt (64), seit August 2006 Chef im Bolongaropalast und derzeit mit seinem Verwaltungsstab im östlichen Gartenpavillon untergebracht, hat trotzdem strahlende Augen, wenn er von diesem Garten spricht. Der drahtige Brandt ist ganz Fußballer: Er sieht weniger die schorfigen Wunden denn eher den angepeilten Sieg: In drei Jahren, wenn der Palast wieder seiner Bestimmung übergeben sein soll, wird der Garten umgestaltet und in neuem Glanz erstrahlen. Er liege derzeit im Dornröschenschlaf, werde dann wieder wachgeküsst. Dazu gehört, dass er neu angelegt wird. Die Wegebeziehungen bleiben erhalten, auch das früher beliebte Freiluft-Schachspiel soll wieder zugänglich sein.

Aber die Grünfläche wird größer: Bis auf einen verschwinden alle Parkplätze in den kleinen Zwischenhof, wo früher der Zugang zum Filmtheater Valentin war; Fahrradständer werden an der Bolongarostraße und der Seilerbahn eingerichtet. Wo jetzt geparkt wird und Baumaterial lagert, wird die Außengastronomie des Lokals platziert, das im Palast entstehen soll und etwa von Hochzeitsgesellschaften genutzt werden kann, die zu den Trauungen im Emmerich-Pavillon, dem westlichen Gartenhäuschen des Palasts, kommen.

"Der Garten ist kein stiller Ort, sondern ein Ort, der lebt", sagt Brandt, der nichts dagegen hat, wenn Hochzeitsgesellschaften auch mal einen Stehtisch auf der unteren Terrasse des Gartens für ihren Sektempfang aufschlagen. Trotzdem seien viele Gäste überrascht, einen solchen Ort in Höchst vorzufinden.

Der Garten ist oft auch Hintergrund für Hochzeitsfotos, auch wenn derzeit viele wegen der Baustelle ausweichen: bis vor Kurzem aufs "Gaaßebrickelche", das jetzt selbst Baustelle ist, oder an die große Weide auf der Wörthspitze.

Den Blick in die Zukunft

Brandt, der früher im Landkreis Offenbach gelebt hat, wohnt seit Sommer 2014 im Ostflügel des Palasts: Die Stadt Frankfurt hat 15 Wohnungen im Ost- und 17 im Westflügel, die allerdings nichts Hochherrschaftliches an sich haben. Von seinen Fenstern kann Brandt in den Garten schauen. Ab und an muss er nächtliche Besucher darauf hinweisen, dass der Aufenthalt im Garten verboten ist, nachdem abends die Zugänge abgeschlossen sind. Aber ein bisschen Verständnis hat er dafür, dass hin und wieder jemand über die Mauer steigt. Und ihm gefällt es, Dienst und Freizeit so nahe nebeneinander zu haben. Aus seinem alten Büro im Palast, das derzeit auch Baustelle ist, habe er etwa jede Zeile bei den Proben für das Freiluft-Mundarttheater "Barock am Main" gehört, das seit Beginn der Bauarbeiten Asyl im Hof der Porzellan-Manufaktur an der Palleskestraße genießt. Aber: "Das ist ja das Schöne an diesem Fleckchen Erde: Dass es so wandelbar ist und doch so bleibt." Werde nach "Barock am Main" die Zuschauertribüne abgebaut, erhole sich der Rasen schnell. Deswegen werde der Park auch nach den Bauarbeiten schnell wieder erblühen - wie die große Magnolie, die jedes Jahr im Frühling eine Attraktion des Palastgartens ist und tausendfach fotografiert auf Hochzeitsbildern wie ein rosa Konfettiregen wirkt.

Henning Brandt hat unlängst auf einer privaten Italienreise Station in Stresa am Lago Maggiore gemacht, dem Ort, aus dem die Kaufmannsfamilie Bolongaro stammt. Den Blick auf den See hätten sie mit der Gestaltung ihres mainwärts ausgerichteten Gartens nachempfunden, sagt Brandt. Der dortige Palast sei in noch üblerem Zustand als der Höchster Bolongaropalast, doch der Blick aufs Wasser sei Inspiration für Höchst gewesen. Brandt wünscht sich, dass das nicht mal 5000 Einwohner zählende Stresa einmal Schlossfestpartner wird - "vielleicht zur Wiedereröffnung des Palasts". Holger Vonhof

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