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Die Kacheln sind mit Graffiti zugesprüht, die Unterführung stinkt nach Urin: Das Zugangsgebäude an der Leuna- / Ludwigshafener Straße ist jetzt gefallen, um der Erweiterung der Hostatoschule Platz zu machen.

Höchst: Weg für Erweiterungsbau ist frei

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Der Zugang zum heruntergekommenen Fußgängertunnel weicht einem Anbau der Hostatoschule.

Frankfurt - Das Eingangsgebäude der Fußgängerunterführung an der Leunastraße fällt - es muss einer Erweiterung der Hostatoschule weichen. Für diese Erweiterung wird der Platz gebraucht, auf dem der Zugang steht. Früher strömten die Rotfabriker durch die Unterführung ins Werk. Jetzt wird Unterführung mehr oder weniger stillgelegt: Genutzt wird sie nur noch selten für den Fußgängerverkehr, dafür aber - man riecht es deutlich - gerne als Toilette.

Die Unterführung wird allerdings nicht komplett stillgelegt: Von der Westseite, also vom Industriepark her, sowie von ihren Zugängen auf den Verkehrsinseln zwischen Leunastraße und den Industrieparkzufahrten wird sie weiter offen stehen. Wer aus der Stadt zum Industriepark möchte, wird allerdings die Straße künftig oberirdisch queren. Die Querung ist bereits angelegt - allerdings nur als Provisorium, denn die Leunastraße soll wegen der Regionaltangente West (RTW) ohnehin ihre Erscheinung völlig ändern. Geplant ist, in die Straßenmitte eine Haltestelle für die neue Nord-Süd-Schienenverbindung zu bauen, über die auch der Industriepark angebunden wird.

Neubau kostet knapp acht Millionen

Die Pläne für den Schulerweiterungsbau sind bereits vor einiger Zeit im Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen) vom Architekturbüro "Dierks Blume Nasedy" vorgestellt worden. Um die Hostatoschule zu erweitern, muss der geklinkerte und mit Glasbausteinen errichtete Flachbau an der Ecke Hostao- / Leunastraße verschwinden. Die Idee hatte seinerzeit die Stadtverordnete Petra Scharf (SPD) entwickelt. Die Erweiterung der Hostatoschule wird seit mehr als anderthalb Jahrzehnten gefordert. Zwischen dem bestehenden gründerzeitlichen Bau und der Leunastraße soll ein Flügel angebaut werden, der zur Hostatostraße hin die Optik des denkmalgeschützten Baus weiterführt - samt Fenstereinteilung und nachgebildetem Renaissance-Giebel. Dieser Bau wird auf das abgerissene Zugangsgebäude gegründet. Er soll rund 7 900 000 Euro kosten.

Tunnel bleibt vorerst erhalten

Der unterirdische Teil des Unterführungs-Zugangs - Treppen, Tunnel und Rampen, aber auch Lager- und Technikräume - soll vorerst erhalten bleiben. Die Unterführung wird spätestens verfüllt, wenn die Trasse der Regionaltangente West durch die Leunastraße geführt werde - allein aus statischen Gründen.

Zur vielbefahrenen Leunastraße hin soll der Anbau der Hostatoschule eher fensterlos werden, aber die Besonderheit der Architektur wird sich zum Pausenhof hin zeigen: Dort soll die Fassade gewölbt um den mächtigen alten Baum herum geschwungen werden. Der Anbau wird aus Erdgeschoss und zwei Vollgeschossen bestehen; unterm Dach - das sich an der Dachform des bestehenden Schulgebäudes orientiert - kommt ein Mehrzweckraum unter. Im Erdgeschoss soll eine Mensa für die Schule eingerichtet werden; ansonsten dient der Erweiterungsbau der Unterbringung der Nachmittagsbetreuung und einiger Büros. Durch den Anbau soll die ganze Schule zudem barrierefrei werden. Die Hostatoschule ist eine Grund- und Hauptschule mit Schwerpunkt "Berufsfindung", die im "Pakt für den Nachmittag" engagiert ist. Es gibt ein zehntes Hauptschuljahr; dort kann der Realschulabschluss erworben werden. Wann Baubeginn für den Erweiterungsbau sein wird, steht noch nicht fest; die Bauzeit wird auf zwei Jahre geschätzt.

Die mit Mosaiken verzierte Unterführung stammt aus den 1960er Jahren, als der Großteil der Beschäftigten noch zu Fuß und mit dem Tender untern Arm zur Arbeit strebte. Heute wird sie fast ausschließlich von Provadis-Mitarbeitern oder Lehrlingen benutzt, die in der Mittagspause nach Höchst möchten. Die Unterführung ist schmutzig, über und über mit Graffiti beschmiert, stinkt nach Urin und dient allenfalls einigen Drogenkonsumenten als Rückzugsraum. Die Zugangsbauten auf den Verkehrsinseln, die hin und wieder von Radfahrern genutzt werden, sehen schon seit einiger Zeit ziemlich angefressen aus: Dort wurden zum größten Teil die Glasbausteine herausgebrochen, so dass diese Einlass-Häuschen wie Bauruinen wirken. Holger Vonhof

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