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Ist jetzt wieder von der Straße her zu sehen: Das steinerne Familienwappen der Bolongaro-Familie. Der Westflügel ist fast fertig saniert. fotos: Leonhard hamerski

Sanierung

Höchst: Fertigstellung verzögert sich um ein weiteres halbes Jahr

  • Michael Forst
    vonMichael Forst
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Das Warten dauert an: Bolongaropalast wohl erst im Frühsommer 2023 fertig.

Die Sanierung des Bolongaropalastes in Höchst dauert ein weiteres halbes Jahr länger - das hat die Stadt gestern bestätigt. Bislang hatte sie den Herbst 2022 als Fertigstellungstermin genannt.

Auf Nachfragen dieser Zeitung sagt Henning Brandt, Verwaltungsstellenleiter Höchst jedoch: "Es wird wahrscheinlich Frühsommer /Sommer 2023 werden." Als Grund nennt er "die vielen Kleinigkeiten und die technischen Ausbaugewerke wie Heizung, Klima, Elektrik, die ein bisschen nachhängen und wieder ihre Zeit benötigen." Es sei gar nicht an einem einzigen Punkt festzumachen, warum sich der Abschluss nun ein weiteres Mal verzögere. Vielmehr stecke der Teufel in vielen Details - wenn etwa elektrische Leitungen noch nicht verlegt werden können, "weil vorher noch ein Heizungsrohr durchgezogen werden muss."

Mehrkosten sind noch ungewiss

Wie viel teurer als die bislang veranschlagten Baukosten von 38,6 Millionen Euro es nun angesichts der neuerlichen Verzögerung werden könnte, vermochte Brandt nicht zu sagen, glaubt aber, dass es nicht mehr lange dauern werde, bis die Stadt die Zahlen aktualisieren und kommunizieren wird.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) erwähnte die neue Verzögerung beim gestrigen Pressetermin auf der Baustelle nicht. Stattdessen gab er zu Protokoll: "Ich freue mich, dass es vorangeht. Der Bolongaropalast ist eine Perle des Frankfurter Westens - die viel zu lange im Schönheitsschlaf war," sagte er. Er betonte, dass die Arbeiten an den Dächern und Fassaden im Zeitplan lägen. Insgesamt erstreckten sich die Fassaden über eine Fläche von 6 000 Quadratmetern. Bis jetzt restauriert worden seien an der Straßenfassade 500 Quadratmeter - an der Gartenfassade sind es 150 Quadratmeter.

Rund 20 Prozent der Außenwände, 40 Prozent des Daches, sowie drei von vier Aufzugschächten im Untergeschoss seien bereits fertiggestellt. Alle müssten wegen der komplizierten Statik des Gebäudes in die oberen Gewölbedecken eingepasst werden. In den oberen Etagen ließen sich die Aufzüge dann problemlos weiterbauen.

Auch sonst betonte Feldmann die Fortschritte der Bauarbeiten. So war die Tatsache, dass die Baugerüste an der Außenfassade des Westflügels derzeit abgebaut werden und dieser Gebäudeteil nun fast saniert ist, der Anlass des Termins.

Arbeiten greifen ineinander

"Hier, am Westflügel, kann man sehen, wie die Arbeiten ineinandergreifen", erklärte das Stadtoberhaupt. "Erst mussten die Zimmerleute sich des Dachstuhls annehmen, bevor die Dachdecker mit Schiefer eindecken konnten", beschrieb Feldmann und fuhr fort: "Danach durften die Maler auf das Gerüst, bevor Blitzschutz und Taubenabwehr montiert wurden."

Mit der jetzt bekannt gegebenen Verzögerung ist die versprochene Fertigstellung des Bolongaropalastes nun zum wiederholten Mal aufgeschoben worden. Schon den nach Sanierungsbeginn von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) versprochenen Abschluss bis Ende 2020 konnte die Stadt nicht einhalten. Der Baugrund erwies sich als ungeeignet, um den notwendigen schweren Kran aufzustellen - die Fertigstellung wurde auf das Jahr 2021 verschoben.

Im November 2019 recherchierte diese Zeitung, dass im Amtsblatt der Stadt im Frühling 2019 Bauleistungen für den Palast ausgeschrieben waren, deren Ausführungsfrist bis zum März 2022 reicht. Das ließ den für den Westen zuständigen Ortsbeirat 6 (Goldstein, Griesheim, Höchst, Nied, Schwanheim, Sindlingen, Sossenheim, Unterliederbach, Zeilsheim) hellhörig werden und beim Magistrat nachhaken. Die Auskunft war ernüchternd: Die Stadt hatte der Spezialtiefbaufirma gekündigt, da ein Gutachten deren Arbeiten im Untergeschoss für die geplanten Aufzüge als unzureichend einstufte. Zudem zeigten sich im Ostflügel, dem ältesten Teil des Gebäudes, zahlreiche schadhafte Stellen: Von Pilzbefall und Feuchteschäden war die Rede. michael forst

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