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Frankfurt, 24.11.2017; Das sogenannte ?Alte Schlo? ist eines der bekanntesten Wahrzeichen von Höchst und bietet einen pittoresken Rahmen für Feste und den berühmten Weihnachtsmarkt auf dem Schlossplatz. Das Schloss ersetzte eine gotische Zollburg aus dem 14. Jahrhundert, von der nur der Bergfried noch erhalten ist. Mit der barocken Haube von 1681 erlangte das Bauwerk ein einzigartiges Erscheinungsbild. In der Laterne der Haube hing einst die Sturmglocke der Stadt, die inzwischen in einer Nische der Schlossmauer steht. Heute befindet sich im Schloss die Denkmalakademie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Die früher vom Museum für Höchster Geschichte genutzten Räume werden gegenwärtig für neue Ausstellungszwecke umgebaut und sind deshalb nur eingeschränkt zugänglich.

Stadtteil-Serie (Teil 22)

Höchst, ein Frankfurter Stadtteil mit langer Historie

Höchst wäre ohne Hoechst in seiner heutigen Form nicht denkbar. Die chemische Industrie der ehemaligen Hoechst AG hat den erst 1928 nach Frankfurt eingemeindeten Stadtteil maßgeblich geprägt und

Höchst wäre ohne Hoechst in seiner heutigen Form nicht denkbar. Die chemische Industrie der ehemaligen Hoechst AG hat den erst 1928 nach Frankfurt eingemeindeten Stadtteil maßgeblich geprägt und maßgeblich zu Wohlstand und Lebensqualität des westlichen Subzentrums der Mainmetropole beigetragen.

Dabei beginnt die über zwölfhundertjährige Geschichte Höchsts schon viel früher. Ab dem frühen 9. Jahrhundert ließ der Mainzer Erzbischof Otgar von Mainz auf dem hohen Ufer über dem Main die Justinuskirche errichten, die Keimzelle des aufstrebenden Dorfs. Die im 12. Jahrhundert erhobenen Flusszölle sorgten immer wieder für Streitigkeiten. Mit dem Rückgang der kaiserlichen Macht erhob das zu Kurmainz gehörende Höchst im 13. Jahrhundert schließlich wieder Zölle und errichtete eine Burg inklusive Graben. Die Stadterhebung im 14. Jahrhundert sorgte für weitere Streitigkeiten zwischen Mainz und Frankfurt, durch die Höchst als Mainzer Tochterstadt vor den Toren Frankfurts ein wichtiges Instrument im Konkurrenzkampf der beiden Städte darstellte. In der Spätrenaissance und im 30-jährigen Krieg wurde Höchst schwer beschädigt. Doch das konnte den nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwung nicht aufhalten. Nach dem Ersten Weltkrieg war Höchst bis 1930 von französischen Truppen besetzt.

Die Höchster Stadtteile waren in Folge der Eingemeindung fortan Frankfurter Stadtteile. Hauptgrund der Eingemeindung war die Vereinigung der Hoechst AG mit anderen großen Chemieunternehmen zur I.G. Farben, deren Sitz in Frankfurt sein sollte. Aus den Restgemeinden des Landkreises Höchst und weiteren umliegenden Gemeinden wurde der Main-Taunus-Kreis gegründet. Eine Besonderheit war, dass dessen Kreisverwaltung sich trotzdem noch bis 1987 in Höchst befand.

Der hauptsächlich mit der schrumpfenden chemischen Industrie begründete Rückgang der Wirtschaftskraft zeigte sich auch ab den 1960er Jahren an der Bevölkerungsentwicklung. Erst ab dem ausgehenden 20. Jahrhundert kehrte sich die Entwicklung wieder langsam um. Die seit Beginn der 1990er Jahre ergriffenen Maßnahmen und der Rahmenplan zur Förderung und Stadtentwicklung Höchsts von 2006 zeigen Wirkung.

FNP-Reporter Michael Faust hat den Stadtteil mit seiner Kamera erkundet.

Die 7,5 Hektar große Höchster Altstadt blieb allen Katastrophen zum Trotz weitgehend erhalten. Selbst die Bomben des Zweiten Weltkriegs überstanden die meisten Bauwerke ohne größere Schäden.

Viele kleine und enge Gässchen vermitteln mit ihren Fachwerkhäusern noch heute lebhaft den Eindruck einer mittelalterlichen Stadt.  

1746 wurde die Höchster Porzellanmanufaktur gegründet und ist damit die zweitälteste in Deutschland. In Folge der Französischen Revolutionskriege und der Besetzung und Belagerung von Mainz kam es 1796 zur Schließung. Die Neugründung erfolgte nach einigen Zwischenperioden erst im Jahr 1947.

Das in Handarbeit hergestellte Hartporzellan in kunsthandwerklicher Qualität ist weit über die Landesgrenze hinaus bekannt und gerade die Unikate sind begehrte Sammelobjekte.

Das Technische Verwaltungsgebäude der Hoechst AG ist ein expressionistisches Bürogebäude, das von dem Architekten Peter Behrens entworfen wurde. Es liegt auf dem Gelände der früheren Hoechst AG. Von Infraserv, dem heutigen Betreiber des Industrieparks Höchst wird es als Peter-Behrens-Bau bezeichnet.

Weltweite Bekanntheit erlangten der Turm und der Übergang des Bauwerks in stilisierter Form als Firmenlogo der Hoechst AG. Die 2007 originalgetreu restaurierte Eingangshalle leuchtet in kräftigen Farben, mit denen Behrens die Qualität der in den Werken hergestellten Farben und Lacke demonstrieren wollte.

Der Einzelhandel hat es nicht leicht: Steigende Mieten und die Konkurrenz aus dem Internet haben das Höchster Stadtbild erheblich verändert. Nur wenige Geschäfte wie die Bastelkiste von Gudrun Spieske in der Justinuskirchstraße 5 widersetzen sich mit viel Herzblut dem Trend hin zu den großen Ketten.

Die 62-Jährige betreibt ihren Laden in Teilzeit neben ihrem Beruf als Erzieherin: „In den letzten acht Jahren haben wir die Bastelkiste bereits zweimal vergrößert. Obwohl wir viele Stammkunden haben, könnten ich und meine neun Mitarbeiter nicht davon leben. Das hält uns aber nicht davon ab weiterzumachen. Das Geschäft ist unsere Leidenschaft.“

Das Alte Schloss ist eines der bekanntesten Wahrzeichen von Höchst und bietet einen pittoresken Rahmen für Feste wie das Höchster Schlossfest und den berühmten Weihnachtsmarkt, der kommendes Wochenende auf dem Schlossplatz stattfindet. Das Schloss ersetzte eine gotische Zollburg aus dem 14. Jahrhundert, von der nur noch der Bergfried erhalten ist.

Mit der barocken Haube von 1681 erlangte das Bauwerk ein einzigartiges Erscheinungsbild. In der Laterne der Haube hing einst die Sturmglocke der Stadt, die inzwischen in einer Nische der Schlossmauer steht. Das Schloss gehört heute der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die hier auch Büros hat. Für die Öffentlichkeit zugänglich sind Hof und Terrasse. Es gibt das Schlosscafé und auch der Schlosskeller wird bewirtschaftet.

Der Markt in Höchst besitzt eine lang zurückreichende Geschichte: Bis in das 14. Jahrhundert lässt sich die Tradition zurückverfolgen. Jeden Dienstag, Freitag und Samstag bieten Marktleute auch heute noch Pflanzen, Lebensmittel, Feinkost sowie Fleisch- und Wurstwaren an.

Seit 1955 ist ein Drittel des etwa 30 Stände umfassenden Marktes in einer überdachten Halle untergebracht.

Der Fährbetrieb zwischen Höchst und Schwanheim lässt sich bis in das frühe 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Seit diesen Tagen setzt die Höchster Mainfähre ihre Passagiere zuverlässig von einer Seite des Mains auf die andere.

In dieser Tradition steht Sven Junghans, der seit Sommer 2015 das Steuerruder der „Walter Kolb“ übernommen hat – der einzigen Fähre im Frankfurter Stadtgebiet: „Ohne die Leunabrücke war es früher lukrativer, aber selbst heute kann man vom Fährbetrieb leben, zumal die Fähre Teil des Grüngürtels ist. Gerade in der warmen Jahreszeit nutzen viele Fußgänger und Radfahrer die Fähre“, sagt der gebürtige Meißener.

Die karolingische Justinuskirche ist das älteste erhaltene Gebäude in Frankfurt am Main und eine der ältesten Kirchen nördlich der Alpen. Die zum Zeitpunkt ihrer Errichtung für die Siedlung viel zu große Kirche war ein Machtsymbol des Mainzer Erzbischofs gegenüber dem Frankfurter Königshof.

Die dreischiffige Basilika stammt aus der Zeit nach 830 und der spätgotische Hochchor aus dem 15. Jahrhundert. In nördlicher Richtung liegt ein Vorplatz, zum Main hin ein großer Blumen- und Kräutergarten, der von der Stadtmauer begrenzt wird. Die seit rund 1150 Jahren ununterbrochen genutzte Kirche wird ab dem 1. Januar 2018 zur Pfarrkirche der Pfarrei St. Margareta.

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