Susanne Kohnen mit Oboe und Theremin, einem elektronischen Instrument, das berührungslos gespielt wird, im Garten des Bolongaropalasts. Dort wird sie am Samstag mit zwei Kolleginnen ein Konzert geben; die Idee dazu hat sie im Corona-Stillstand entwickelt.
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Susanne Kohnen mit Oboe und Theremin, einem elektronischen Instrument, das berührungslos gespielt wird, im Garten des Bolongaropalasts. Dort wird sie am Samstag mit zwei Kolleginnen ein Konzert geben; die Idee dazu hat sie im Corona-Stillstand entwickelt.

Poetische Filmkunst

Höchst: "Das ganze Leben ist Improvisation"

  • vonAlexandra Flieth
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Die Musikerin Susanne Kohnen präsentiert ein Projekt, das sie im Corona-Stillstand entwickelt hat.

Das Musikinstrument, das die Höchsterin Susanne Kohnen mit in den Bolongarogarten gebracht hat, ist nicht jedem bekannt. Der schwarze Kasten mit den zwei Antennen heißt Theremin und ist das einzige Instrument, das berührungslos gespielt wird. Das elektronische Musikinstrument wurde 1920 von Lew Termen (1896-1993) erfunden und hielt bereits früh auch Einzug in die Filmmusik, etwa in dem Klassiker des britischen Regisseurs Alfred Hitchcock "Ich kämpfe um dich" aus dem Jahr 1945.

Film und Musik gehen auch bei Susanne Kohnen eine Verbindung ein. Die Musikerin schafft "poetische Filmkunstwerke", wie sie es selbst beschreibt, und legt ihren Fokus dabei auf Besonderes in ihrer alltäglichen Umgebung: Spiegelungen, Schatten, bewegtes Wasser, Tanzszenen, Stadt- und Naturbilder gehören zu ihren Motiven. Die Musikerin spielt unter anderem Oboe, Barockoboe, Alt-Saxofon und das Theremin.

Ein Dialog zwischen Video und Musik

Mit ihrer Musik reagiert Susanne Kohnen auf das, was in ihren Filmen zu sehen ist. Es entstehen spontane, improvisierte Melodien - eben ein Dialog zwischen Bildern und Musik, ausgedrückt durch die verschiedenen Instrumente. Der Rhythmus der Melodien spiegelt den Rhythmus der Bilder. "Lichtspielraum" nennt sie selbst die Idee, die dahinter steht. Ihre Musik, erzählt sie, gehe in den vergangenen Jahren immer mehr in Richtung freie Improvisation. "Denn", so sagt sie, "das ganze Leben ist eigentlich eine Improvisation."

Wie dieses Zusammenspiel klingt und visuell in Szene gesetzt wird, davon können sich Musikliebhaber am kommenden Samstag, 12. September, um 20 Uhr selbst ein Bild machen. Susanne Kohnen gibt dann auf der unteren Terrasse des Bolongarogartens ein Konzert. Das musikalische Ereignis ist das Ergebnis eines auf den Ort bezogenen Projekts, das sie im Corona-Stillstand erarbeitet hat.

Projekt-Stipendium des Landes bekommen

Im Mittelpunkt des eigens dafür entstandenen Videos steht einer der beiden größeren Bäume der unteren Terrasse. Augenfällig sind dort ein Kirsch- und ein Magnolienbaum. Kohnen hat den Kirschbaum in diesem Frühjahr in voller Blüte filmisch eingefangen. "Der Wind wehte durch die Äste, dadurch wirkte der Baum so, als ob er tanzen würde", beschreibt sie ihre Eindrücke. Dieses Motiv möchte sie zum Konzert direkt in den Baum projizieren. Ihre Idee ist vom Land Hessen mit einem Arbeitsstipendium unterstützt worden.

Susanne Kohnen hat Musik mit dem Schwerpunkt Oboe für Orchester an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMdK) studiert und an der Musikhochschule in Würzburg, wo sie ihr Diplom ablegte. Seit Abschluss ihres Studiums hat sie als freiberuflich tätige Musikerin regelmäßig Engagements in verschiedenen Orchestern. Seit 2010 spielt sie etwa als Gast-Musikerin in den barocken Produktionen der Oper Frankfurt mit.

Zum Corona-Stillstand und den damit ausgefallenen Spielmöglichkeiten sagt sie: "Mir hat im Lockdown das Musikmachen gefehlt." Trotzdem sei es ihr wichtig, die unfreiwillig durch Corona gewonnene Zeit kreativ und sinnvoll zu nutzen. Für das geplante Konzert im Bolongarogarten holt sich Susanne Kohnen Unterstützung: Musikerin Annette Spehr, deren Instrument ebenfalls die Barockoboe ist. Die freie Schauspielerin und Kabarettistin Stefani Kunkel spricht Texte, die die beiden Musikerinnen für das Ereignis ausgewählt haben.

Das Konzert im Bolongarogarten, Bolongarostraße 109, ist kostenfrei; bei Regen fällt es aus. Wer möchte, kann einen Obolus in die Spendenbox werfen. Sitzgelegenheiten gibt es, bis auf wenige Bänke, keine. Alexandra Flieth

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