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Rund 70 Mädchen und junge Frauen haben gestern Nachmittag in der Höchster Fußgängerzone getanzt, um damit auf das Problem der häuslichen Gewalt aufmerksam zu machen. Statistisch ist jede dritte Frau weltweit betroffen.

„One Billion rising“

Mädchen und Frauen protestieren in Frankfurt gegen Übergriffe von Männern

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Unter dem Motto „Break the Chain“ haben die Teilnehmerinnen eine Choreographie gegen Gewalt an Mädchen und Frauen einstudiert und am diesjährigen Aktionstag “V-Day: One Billion rising“ getanzt.

  • Tanz-Demo in Frankfurt 
  • Teilnehmer protestieren gegen Gewalt an Frauen und Mädchen
  • Tanz-Demo in Frankfurt ist Teil einer weltweiten Aktion

Frankfurt Höchst - Musik schallt über die Fußgängerzone der Königsteiner Straße. Rund 70 Mädchen und Frauen ganz unterschiedlichen Alters haben sich in Position gebracht und tanzen. Sie möchten damit ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen setzen. Unter dem Motto "Break the Chain" (Spreng die Ketten) haben die Teilnehmerinnen des diesjährigen Aktionstages "V-Day: One Billion rising" - was so viel heißt wie "eine Milliarde erhebt sich" - eine Choreografie zum Song "Break The Chain" einstudiert.

Ihr Tanz ist ein Ausdruck des Protestes gegen die tägliche Gewalt, die weltweit viele Frauen und Mädchen erfahren müssen, und zugleich für Respekt. Zu sehen ist eine Choreografie, die Noura Taibi, Sozialarbeiterin bei der Caritas Frankfurt, gemeinsam mit Schülerinnen der Hostato- und der Kasinoschule sowie mit Frauen aus dem Stadtteil einstudiert hat, im öffentlichen Raum, um damit mehr Menschen für das Thema zu sensibilisieren und Solidarität zu zeigen.

Frankfurt „Break the Chain“: Weltweit wird gegen Gewalt getanzt

Dazu aufgerufen hat der "Arbeitskreis (AK) gegen Häusliche Gewalt Frankfurt West". Noch immer ist das Thema gesellschaftlich tabuisiert. Die Tanzdemo auf der Kö ist Teil einer weltweiten Aktion: Jährlich am 14. Februar soll mit der Kampagne das Ausmaß an Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufgezeigt werden. 2012 erstmals initiiert von der US-amerikanischen Theaterautorin und Aktivistin Eve Ensler, beteiligen sich mittlerweile Menschen in 190 Ländern mit Tanz-Aktionen an dem Protest.

Zum 4. Mal ruft auch schon der Arbeitskreis gegen Häusliche Gewalt Frankfurt West zum gemeinsamen Tanzen auf. In ihm engagieren sich ganz unterschiedliche Institutionen, Ämter und Vereine, deren Ziel es ist, sich miteinander zu vernetzen, um in Fällen von häuslicher Gewalt schnell Hilfe leisten zu können.

Die eine "Milliarde", die sich erhebt, bezieht sich auf eine UN-Angabe, nach der statistisch eine von drei Frauen in ihrem Leben vergewaltigt oder Opfer einer schweren Körperverletzung wird - das sind ungefähr eine Milliarde Frauen. "In Deutschland ist jede vierte Frau davon betroffen", weiß Ursula Barkow vom Sozialrathaus in Höchst, Teamleitung Kinder- und Jugendhilfe Sozialdienst. Die Zahlen für 2018 der polizeilichen Kriminalstatistik Hessen zeigen, wie akut das Thema ist: Fast 9000 Strafanzeigen wegen häuslicher Gewalt gab es, 1526 davon allein in Frankfurt. "Und die Dunkelziffer liegt viel höher", sagt Ursula Barkow.

„Break the Chain“ Frankfurt: Auch Kinder gehören zu den Opfern

Zudem seien nicht nur die Frauen, sondern auch die Kinder, die in einer von Gewalt begleiteten Beziehung lebten, Opfer: Sie müssten miterleben, wie ihre Mutter leidet. Das spiegelt auch die Statistik für Hessen für 2018, die aufzeigt, dass 5622 Kinder an Tatorten registriert wurden. In 83 Prozent der Fälle sind Frauen die Opfer. Jeden dritten Tag stirbt eine Frau in Deutschland an den Folgen von häuslicher Gewalt. Es gibt aber auch Männer, die Opfer sind: Die Statistik für Hessen spricht von 17 Prozent.

Ursula Barkow nimmt das Mikrofon in die Hand und ruft: "Stoppt die Gewalt gegen Frauen und Mädchen", die Teilnehmerinnen der Tanzdemo klatschen. Noch einmal zeigen sie ihre Choreografie und bekommen auch von Passanten, die das Spektakel teils mit der Handykamera filmen, viel Applaus.

Während die Aktion in Höchst nach 15 Minuten beendet ist, gibt es später noch eine weitere Tanzdemo vor der Katharinenkirche in der Innenstadt. Hierzu hat das Frauenreferat eingeladen.Für Ursula Barkow steht fest: "Wir sehen uns nächstes Jahr wieder am 14. Februar". 

Schon2019 haben viele Teilnehmerinnen am „V-Day“ eine Tanz-Demo gestartet. Seit 1976 unterstützt der Verein"Frauen helfen Frauen Frankfurt" Opfer häuslicher Gewalt. Wohnungsnot und Cyber-Stalking erschweren ihm derzeit die Arbeit.

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