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Kerbe-Stammgast Mike Roie ist in fünfter Generation Schausteller und bereitet sein Kettenkarussell "Wellenflug" für die Besucher vor. 

Schlossfest-Kerb am Mainufer

Die Schlossfest-Kerb belebt das Mainufer 

Von heute bis Montagabend lädt die traditionelle Kerb zum Höchster Schlossfest zu einem Bummel über die Festmeile am Mainufer für die ganze Familie ein. Hinter den beiden Organisatoren liegt ein hartes Stück Arbeit - und manches Hindernis.

Höchst – Noch wird auf dem Kerbe-Areal am Main zwischen Fähre und Süwag-Parkplatz vereinzelt gedübelt und gehämmert, doch im Großen und Ganzen ist alles bereitet für das große Höchster Jahrmarkt-Spektakel mit 54 Ständen und Fahrgeschäften von heute bis Montag. "So schwierig wie in diesem Jahr war's noch nie": Wenn Bernd Bruch vom Vereinsring Höchst, seit 13 Jahren Organisator der Höchster Kerb, eine solche Feststellung über die Vorbereitungen zum Großereignis trifft, will das etwas heißen. Denn er und Bernd Scheu, der ihm ebenfalls seit vielen Jahren zur Seite steht, wurden diesmal in ihrer Planung durch einige Absagen zurückgeworfen, mussten improvisieren und Lücken stopfen.

Kein Riesenrad

So wird es in diesem Jahr zum Bedauern der beiden und vermutlich auch vieler Kerbe-Besucher kein Riesenrad geben. Das hatte im vergangenen Jahr auf dem Festplatz am Main seine Premiere gefeiert und viele Freunde gefunden. Immerhin; Die Absage der Schaustellerfamilie Landwermann-Henschel und ihrem "Caesars Wheel" kam schon im Februar. "Wir liegen leider diesmal nicht auf ihrer Route", bedauert Bruch. Zwar habe er seitdem "mit vermutlich sämtlichen Riesenradbesitzern Deutschlands gesprochen", um adäquaten Ersatz zu finden - doch vergeblich.

Noch einmal über den Tresen gewischt: Brigitte und Horst Stein kommen seit Jahrzehnten mit ihren Crêpes Suzette auf die Kerb.

Nun nimmt ein großes Spiegelkabinett den Platz des Riesenrads ein - das mag etwas weniger spektakulär sein, ist aber dennoch "attraktiv für die ganze Familie: Da kann auch die Oma mit der Enkelin durchlaufen und viel Spaß haben", ist Bernd Scheu zuversichtlich.

"Hopser" feiert Premiere

Doch noch einen weiteren Ausfall einer Kerbe-Attraktion musste das eingespielte Organisatoren-Duo verkraften: Am Dienstagmorgen, erzählt Bernd Bruch, habe ihn der Frankfurter Schausteller Alex Schramm angerufen: "Du, Bernd, ich stehe hier auf dem Heinerfest in Darmstadt - mein ,Breakdancer' ist gerade kaputt gegangen!" Was normalerweise den Supergau für die Jahrmarkt-Planer bedeutet hätte, konnten sie gerade noch abwenden: "Zum Glück hat Alex Schramms Schwager einen ,Hopser', den wir kurzfristig hergeholt haben", sagt Bernd Bruch. Er hat nun seinen Platz in der Nähe des Autoscooters hinter der "Alten Schiffsmeldestelle" gefunden. Wie der "Breakdancer" sei auch der "Hopser" vor allem reizvoll für die jugendlichen Besucher der Kerb. "Da kann ich kein Fahrgeschäft für die ganze Familie hinstellen," erklärt Bernd Scheu.

Wer die beiden Bernds bei ihrem Rundgang über das Festgelände begleitet, spürt schnell: Der Draht zu den Schaustellern ist gut, manchmal sogar freundschaftlich. Dennoch scheuen die Kerbe-Macher auch die klare Ansage nicht. So springt Bernd Bruch in der Nähe des Brüningparks ein Box-Automat ins Auge: Ein freundlicher, aber bestimmter Satz in Richtung eines Schaustellers, schon wird der Automat entfernt. "Die Dinger passen nicht zum familiären Charakter unserer Kerb", macht Bruch deutlich.

Bernd Scheu (li.) und Bernd Bruch vom Höchster Vereinsring organisieren ehrenamtlich die Kerb und sind Ansprechpartner für die Schausteller.

Apropos Familie: Seit Jahrzehnten kommt die Frankfurter Schausteller-Familie Roie mit ihrem Traditionsgeschäft und dem historischen Kettenkarussell "Wellenflieger" zur Höchster Kerb. "Schon als Baby hatten mich meine Eltern in einem Korb im Kassenhaus dabei", berichtet Chef Mike Roie, Schausteller in fünfter Generation. "Höchst ist für uns absoluter Pflichttermin", betont er und lobt die "tolle Atmosphäre und das gute Publikum". Und auch das ist für ihn die Kerb: "Nach einem langen Tag gehen wir auch schon mal hier am Main angeln oder grillen."

"Nutella geht immer"

Ebenso zum Inventar des Jahrmarkts gehören Horst und Brigitte Stein mit ihrem Crêpes-Stand. "Seit 40 Jahren kommen wir schon", erinnert sich Brigitte Stein. "Früher noch mit einer Imbissbude, dann stiegen wir auf Crêpes um." Was ist der Renner unter ihren rund 40 Sorten? "Nutella geht immer!"

Wenn der Kerbe-Betrieb erst einmal angelaufen sei, erzählt Bernd Bruch, "und wir kommen an ihrem Stand vorbei, stößt Brigitte auch schon mal mit einem Prosecco mit uns an - das gehört einfach dazu".

Dass Kerbe-Organisation auch jede Menge Laufarbeit bedeutet, macht ein Blick auf Bernd Bruchs Schrittzähler am Handgelenk deutlich. Wenn er auf der Festmeile als Mädchen für alles hin- und herläuft, kommt der rührige Macher vom Vereinsring am Tag locker auf 14 Kilometer und 17.000 Schritte.

Öffnungszeiten

Die Höchster Kerb hat von heute bis Montag zwischen 13 und 24 Uhr geöffnet. Montag ist zwischen 14 und 17 Uhr der Familientag mit Ermäßigungen von 50 Cent bis 1 Euro.

Von Michael Forst

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