Fähre

Höchst: Wirtschaftlichen Schiffbruch abwenden

  • Holger Vonhof
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Stadt soll die Zuschüsse für die Flussüberfahrt erhöhen.

Die Ortsbeirats-Fraktionen von SPD, CDU, Grünen und Linken ziehen an einem Strang und fordern den Magistrat mit einem gemeinsamen Antrag auf, mit einem erhöhten jährlichen Zuschuss den Fortbestand der Höchster Fähre zu sichern. Wie berichtet, ist Fährmann Sven Junghans in unruhigem Fahrwasser: Wegen der Corona-Pandemie hat sich nicht nur die Zahl der regulären Fahrgäste von "hibbe" nach "dribbe" verringert, sondern es sind in der warmen Jahreszeit auch viele Ausflugs- und Sonderfahrten ausgefallen. Im März und April hatte Junghans Einbußen von 85 Prozent, in den Sommermonaten von 70 Prozent. Bei Beginn der Corona-Restriktionen durfte er beim Verkehr von Ufer zu Ufer nur mit fünf, später bis zum 30. Juni nur mit acht Fahrgästen fahren. Die Abendfahrten, die er im Sommer als kleinen Ausflug aus dem Alltag anbietet, sind fast bis Mitte Juli komplett ausgefallen. Seine Skyline-Touren in die Innenstadt konnte er wegen Corona mit 15 bis 18 statt den üblichen 35 Fahrgästen besetzen.

Bald beginnt die harte Zeit

Jetzt, mit dem Oktober, hat für Sven Junghans die weniger lukrative Zeit begonnen; über Weihnachten und Neujahr ruht der Fährbetrieb für technische Instandhaltungen und Inspektionen. Über diese Zeit hilft normalerweise der Gewinn des Sommers hinweg - der diesmal fehlt.

Die Mainfähre "Walter Kolb" hat Junghans als Nachfolger von Rudi Kollath von der Stadt gepachtet; die Stadt besitzt das Fährregal. Nach dem Bau der Leunabrücke hatte die Stadt die letzte Frankfurter Mainfähre komplett einstellen wollen, war dabei jedoch auf solchen Widerstand aus der Bevölkerung gestoßen, dass der Entschluss revidiert wurde. Die "Walter Kolb", deren Name in einem Wettbewerb von unseren Lesern ausgewählt worden ist, ging im Herbst 1992 in den Dienst - zwar nicht mehr als Auto-, aber als Personen- und Radler-Fähre. Seit der Einrichtung des Frankfurter Grüngürtels ist die Höchster Fähre westlichster Teil des Grüngürtel-Rundwanderwegs und des Radrundwegs. Würde die "Walter Kolb" wirtschaftlichen Schiffbruch erleiden, wäre also auch der Grüngürtel-Rundweg unterbrochen.

Doch es geht um mehr: Die Fähre ist ein Stück Höchst; sie ist Teil des Main-Panoramas mit Schloss und Bolongaropalast und eine Institution, eines der Wahrzeichen des Frankfurter Westens. "Dieses Wahrzeichen möge erhalten werden", sagen nun die Vorsitzenden der vier Ortsbeirats-Fraktionen in ihrem Antrag und fordern die Stadt auf, mehr Geld zu geben. Es zeige sich, "dass der Zuschuss in der derzeitigen Höhe mittelfristig für den stabilen Weiterbetrieb nicht auskömmlich" sei, formulieren sie in ihrem Antrag.

In drei Jahren - 2023 - könnte die Höchster Fähre ihr 400-jähriges Bestehen feiern. Zwar weiß man nicht genau, seit wann es eine Fähre in Höchst gibt, aber 1623 ist sie das erste Mal urkundlich erwähnt worden: Damals erwarb ein gewisser Jost Ferg für sieben Gulden das Recht, eine Fähre zu betreiben.

Ferg, Förg oder Förch heißt Fährmann. Ein interessanter Aspekt: Im Eingemeindungsvertrag 1928 hat sich die Stadt Frankfurt verpflichtet, bestehende Höchster Verkehrsverbindungen aufrechtzuerhalten. Zu diesen Verbindungen gehört, nachgewiesen seit 1623, die Fähre.

Verträge, die es in sich haben

Im Eingemeindungsvertrag ist unter dem Anhang "Kommunales Programm der Stadt Höchst", das Frankfurt weiterzuführen hat, übrigens nicht nur von der Verlängerung der Straßenbahn bis nach Sindlingen, sondern sogar von der Fährverbindung nach Kelsterbach die Rede . . . Holger Vonhof

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