Von der Bolongarostraße erscheint das Kronberger Haus eher unspektakulär. Es ist jedoch in den Jahren 1577 bis 1580 im Stil der Spätrenaissance erbaut worden, also ein halbes Jahrhundert vor dem 30-jährigen Krieg, und gehört zu den ältesten Gebäuden in Höchst.
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Von der Bolongarostraße erscheint das Kronberger Haus eher unspektakulär. Es ist jedoch in den Jahren 1577 bis 1580 im Stil der Spätrenaissance erbaut worden, also ein halbes Jahrhundert vor dem 30-jährigen Krieg, und gehört zu den ältesten Gebäuden in Höchst.

Bürger wollen Verkauf verhindern und fordern Nutzung für Vereine.

Höchst: Zukunft des Kronberger Hauses ungewiss

  • vonDavid Schahinian
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Von der Stadt gibt es seit Monaten keine Bestätigung und kein Dementi für einen Verkauf. Als der Ortsbeirat 6 jüngst beim Magistrat nachfragte, erhielt er zwei Sätze zur Antwort: Aktuell sei keine Veräußerung des Kronberger Hauses geplant. "Sobald das Porzellan Museum in den Bolongaropalast umzieht, wird eine mögliche Folgenutzung geprüft."

Höchst -Seit Monaten ist Kronberg in Höchst in aller Munde. Ausnahmsweise geht es allerdings nicht um die pittoreske Burg des Taunusstädtchens, sondern um das Kronberger Haus in der Bolongarostraße, am Rande der Altstadt: Es wurde in den Jahren 1577 bis 1580 von Franz von Cronberg, Sohn von Hartmut VIII. und Barbara von Sickingen, erbaut. Derzeit befindet sich darin das Porzellan Museum der Stadt - eine Dependance des Historischen Museums. In das Bewusstsein seiner jahrhundertealten Vergangenheit mischen sich nun aber zunehmend Zweifel - und verschiedentlich auch Sorgen ob der zukünftigen Nutzung des sanierungsbedürftigen Gebäudes.

Der Stein kam am 4. Juli vorigen Jahres ins Rollen. Seinerzeit überraschten Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann und Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig (beide SPD) die Höchster mit dem Vorhaben, dass das Porzellan Museum in den Bolongaropalast umziehen und dort Teil eines neuen Museums werden solle. Der denkmalgeschützte Palast wird derzeit aufwendig saniert, das neue Museum soll seine Pforten 2022 oder 2023 öffnen. Nur: Was passiert dann mit dem Kronberger Haus? Offiziell weiß es keiner, inoffiziell brodelt die Gerüchteküche - auch, weil es die Stadt bisher erfolgreich vermieden hat, klar und eindeutig Stellung in der Sache zu beziehen.

Historisch mehr als interessant

Druckerwerkstatt, Tabakfabrik, Rathaus, Schule, Höchster Stadtbibliothek - das sind nur einige der Funktionen, die das Haus in der Vergangenheit innehatte. Besonders interessant sind die Spuren, welche die Kronberger Adligen dort hinterlassen haben. So wurde bei Sanierungs- und Grabungsarbeiten ein silberner Löffel gefunden, der aus dem Jahr 1585 stammt. Auf der Unterseite sind die Wappen von Franz von Cronberg und Katharina von Hattstein eingraviert. An der Fassade findet sich ein großer Sandstein, der an die Grundsteinlegung erinnert: "Gott sei die Ehr durch des Genadt / Franz von Cronberg gebauet hatt / dies Haus welches der ewig Gott / sampt allen bewahr vor Fewers Noth". Ironie des Schicksals: Nach einer umfangreichen Sanierung beschädigte ausgerechnet eine durch Brandstiftung ausgelöste Explosion das Haus 1989 erheblich; die Restaurierung dauerte bis 1994 an.

Sanierungsbedarf von 1,3 Millionen Euro

Kein Wunder also, dass das Gebäude für viele mehr als eine schnöde Immobilie ist. Nach Angaben der Stadt werden die Sanierungskosten auf 1,3 Millionen Euro beziffert. Der Umzug des Porzellan Museums ist mittlerweile beschlossene Sache. Im Stadtteil wächst daher die Befürchtung, dass das Haus verkauft werden könnte. Von der Stadt gibt es seit Monaten keine Bestätigung und kein Dementi. Als der Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen) jüngst beim Magistrat nachfragte, erhielt er zwei Sätze zur Antwort: Aktuell sei keine Veräußerung des Kronberger Hauses geplant. "Sobald das Porzellan Museum in den Bolongaropalast umzieht, wird eine mögliche Folgenutzung geprüft."

Nicht nur der Ortsbeirat fordert, dass das Gebäude im Besitz der Stadt bleibt und "eine Nutzung Einzug hält, die dem Stadtteil zugutekommt". Auch der Vorstand der Bürgervereinigung Höchster Altstadt meldete sich unlängst in einem offenen Brief zu Wort. Die Antwort des Magistrats sei "mehr als unzureichend". Die Vereinigung ist ebenfalls gegen einen Verkauf und kann sich eine Nutzung als Haus für Vereine und Stadtteilinitiativen vorstellen. Es müsse den Höchstern "als Mittelpunkt für ihre Arbeit zur Verfügung stehen".

Bis 2022 wird noch viel Wasser den Main hinunterfließen. Mit der reservierten Haltung der Stadt will man sich trotzdem nicht zufriedengeben. Das könnte auch mit einem Bericht dieser Zeitung aus dem Januar zusammenhängen. Darin wurde eine Passage aus dem Protokoll der Mitgliederversammlung des Vereins Arbeits- und Erziehungshilfe (VAE) vom 28. November 2019 öffentlich. Das vereinseigene Haus Mundanis, in dem ganztägig junge Migranten betreut werden, befindet sich nur zwei Häuser weiter. Die teilstädtische Konversionsentwicklungsgesellschaft (KEG), heißt es im Protokoll, sei an VAE "bezüglich der möglichen Nutzung der bisherigen Räume des Höchster Porzellan Museums herangetreten". Mehr noch: "Eine erste Inaugenscheinnahme durch die örtliche Heimaufsicht ergab keine Hinderungsgründe für eine Nutzung im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe." Aufsichtsratsvorsitzende des Vereins Arbeits- und Erziehungshilfe ist Prof. Dr. Daniela Birkenfeld, Dezernentin für Soziales, Senioren, Jugend und Recht der Stadt Frankfurt.

David Schahinian

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