+
Bildnis von Friedrich Hölderlin

Friedrich Hölderlin

Hölderlin war einst ein Skandal

In Frankfurt verliebte sich der Dichter in Susette Gontard. Eine Geschichte von Heimlichkeit und Sehnsucht.

Die weltberühmte Kurstadt, schnell zu erreichen über A 5 oder A 661 und mit der S 5 von Frankfurt, hat so viel Erlebens- und Sehenswertes zu bieten, dass wir hier auf den Spuren des Dichters wandeln.

Wer den Weg vom Kaiser-Wilhelms-Bad quer durch den mit 36 Brunnen und Wasserspielen und 21 Denkmälern geschmückten Kurpark zum Kurhaus nimmt, kommt auch zum Hölderlin-Denkmal beim Schwanenteich. Es ist ein dreiseitiger Obelisk aus rotem Sandstein, das den Kopf des Dichters als Relief aus Marmor zeigt und die Inschrift trägt: „Geb. in Lauffen den 20. März 1770. Gest. in Tübingen den 7. Juni 1843. Zur Erinnerung an des Dichters Aufenthalt in Homburg 1798-1800 u. 1804-1806. Errichtet von dem Verein für Geschichte und Altertumskunde zu Homburg am 28. Juni 1883.“ Auf den Seiten sind Verse aus dem „Hyperion“ zu lesen: „Ein Sohn der Erde bin ich, / Zu lieben bestimmt, zu leiden. // Die Schönheit flüchtet / Aus dem Leben der Menschen / Sich herauf in den Geist, / Ideal wird was Natur war.“

Als Hauslehrer bei den Gontards 

Johann Christian Friedrich Hölderlin war Klosterschüler, Student, Hofmeister, Dichter – und ein unglücklicher Mensch. Er traf am 28. Dezember 1795 in Frankfurt ein, um bei der Familie Gontard im Großen Hirschgraben in der Nachbarschaft der Familie Goethe die Stelle eines Hauslehrers anzutreten. Hölderlins Freund Isaac von Sinclair aus Homburg hatte ihm diese Stelle vermittelt.

Susette war 27 Jahre alt, seit zehn Jahren die Gattin des Bankiers Gontard, Mutter von vier Kindern. Hölderlin schwärmte von ihr: „Sie ist schön wie ein Engel. Ein zartes geistiges himmlisch reizendes Gesicht. Ach! Ich könnte ein Jahrtausend lang in seliger Betrachtung mich und alles vergessen . . .“ Es blieb nicht bei der Betrachtung. „In meinen Armen lebt der Jüngling auf“, bekannte sie. Und er nannte sie in seinen Gedichten: Diotima. So hieß in Platons „Symposion“ die Priesterin, von der Sokrates das Wesen der Liebe gelernt hatte.

Die junge Haushälterin der Familie Gontard, die sich gern mit Hölderlin verbunden hätte, aber abgewiesen wurde, wusste die Eifersucht Gontards zu wecken. Der tobte, Susette brach zusammen, Hölderlin verließ Mitte September 1798 Frankfurt und ging nach Homburg. Sinclair nahm sich des Freundes in seinem Haus an.

Briefe zwischen Diotima und dem Dichter wurden heimlich ausgetauscht, verstohlene Treffen vereinbart. 1799 erschien der zweite Band von Hölderlins „Hyperion oder der Eremit in Griechenland“; der Dichter in einem Brief an Diotima: „Hier unsern Hyperion, Liebe! Ein wenig Freude wird diese Frucht unserer seelenvollen Tage Dir doch geben.“ Sie las und fand sich und ihren Geliebten: „Noch einmal möcht ich wiederkehren an deinen Busen, wo es auch wäre! Ätheraugen! Einmal noch mir wieder begegnen in euch! An deinen Lippen hängen, du Liebliche! Du Unaussprechliche! Und in mich trinken dein entzückend heilig süßes Leben . . .“

Ihr Tod macht ihn krank

Anfang Juni 1800 kehrte Hölderlin in seine Heimat zurück. Zwei Jahre später, am 22. Juni 1802, starb Diotima an den Röteln. Hölderlin wurde krank, Sinclair holte ihn nach Homburg, hoffte: „Wenn das Schicksal es gebieten sollte, so werden wir als ein treues Paar seine Bahn gehen.“

Isaak von Sinclair wurde am 3. Oktober 1775 im Sinclair-Haus in der Nähe des Schlosses geboren, war Patensohn des Landgrafen Friedrich von Hessen-Homburg, Diplomat, Schriftsteller und ein Revolutionär. Er musste den kranken Freund 1806 in eine Tübinger Klinik einliefern. Isaak von Sinclair starb am 29. April 1815 während des Wiener Kongresses in der Donaustadt.

Kristiane Müller-Urban und Eberhard Urban, 2004

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare