Frankfurter Kommunalwahl 2021

Bei der SPD hören einige freiwillig auf, andere werden aufgehört

  • Thomas Remlein
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Die Frankfurter SPD stellt ihre Wahlliste für die Stadtverordnetenversammlung auf. Verdiente Altmeister bleiben erhalten, dafür erwischt es manches Talent.

Frankfurt -Wer kommt, wer geht? Die Frankfurter SPD zimmert für den Parteitag am 29. August die Liste ihrer Stadtverordnetenkandidaten zusammen. Der Frankfurter SPD-Vorsitzende Mike Josef will den Verjüngungskurs, den er beim Unterbezirksvorstand eingeleitet hat, auch in der Fraktion fortsetzen. Die Hälfe der Listenplätze soll an Frauen gehen. 50 Prozent der Frankfurter haben einen Migrationshintergrund. Auch das soll die Liste bei der Kommunalwahl im März 2021 widerspiegeln.

Trotz der Verjüngung gilt der wohnungspolitische Sprecher der SPD im Römer, Sieghard Pawlik, als gesetzt. Pawlik ist 79 Jahre alt und wird von seinem Ortsverein Sindlingen erneut vorgeschlagen. Auch die 70-jährige kulturpolitische Sprecherin Renate Wolter-Brandecker gilt als Leistungsträgerin in der Fraktion.

Ebenso wie der 71-jährige Eugen Emmerling, der sich neben seinem kulturpolitischen Engagement als verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion einen Namen gemacht hat. Emmerling hat sich "nach reiflicher Überlegung aus persönlichen Gründen entschlossen, bei der Kommunalwahl nicht mehr anzutreten". Dennoch hat er die "deutliche Ermunterung zur Weiterarbeit im Stadtparlament durch die Verantwortlichen in der Frankfurter SPD dankbar wahrgenommen". Gemeint ist Josef, der über Emmerling wie über Pawlik sagt: "Bei ihnen spielt das Alter keine Rolle." Emmerling sei immer ein Fels in der Brandung gewesen und stellt das eigene Interesse hinter den Strukturen zurück." Emmerling kündigte an: "Als Sozialdemokrat werde ich mich weiter engagieren, auch im Wahlkampf. Und auch als Vorsitzender des Frankfurter Kulturforums der Sozialdemokratie bin ich gerne weiter aktiv."

Ehepaare haben es schwer

SPD-Schatzmeister Roger Podstatny kann sich als Vorstandsmitglied Hoffnung auf einen aussichtsreichen Listenplatz machen. Seine Frau Petra Scharf dagegen muss sich wohl hinten anstellen. Dass zwei aus dem Hause Podstatny-Scharf einen Platz unter den ersten 20 auf der Liste erhalten, gilt als ausgeschlossen, zumal der Frankfurter Westen auch noch mit Hubert Schmitt vertreten sein wird. Wie viele angeblich sichere Listenplätze die SPD zu vergeben hat, ist fraglich. Die Verstrickung der Partei und ihres Oberbürgermeisters Peter Feldmann (SPD) in die Awo-Affäre könnte Stimmen kosten, auch der Bundestrend spricht nicht dafür, dass die Sozialdemokraten ihre derzeit 22 Sitze halten können. Zwar hofft Parteichef Josef auf den Hamburg-Effekt, wo sich die Sozialdemokraten unter Peter Tschentscher vom Bundestrend abkoppeln konnten.

Wegen der Awo-Affäre wird auch die 30-jährige Stadtverordnete Myrella Dorn nicht mehr auf der SPD-Liste antreten. Sie gilt als belastet durch den Awo-Skandal. Auch die Partei-Karriere von Christian Heimpel ist vorerst gestoppt, allerdings aus anderen Gründen. Figen Brandt will dem Vernehmen nach aus eigenem Antrieb auf eine erneute Kandidatur verzichten.

Für die 80-jährige Anneliese Scheurich winkt nach 22 Jahren im Römer nach dem Ausscheiden die Ehrung als Stadtälteste.

Weiter zur SPD-Kerntruppe gehören unter der Fraktionschefin Ursula Busch auch Holger Tschierschke, Gregor Amann, Stella Stilgenbauer, Bäppi LaBelle und Milkica Romic. Esther Gebhardt, die ehemalige Vorsitzende des Evangelischen Regionalverbandes soll bei den Religiösen Stimmen ziehen. Roland Frischkorn als Vorsitzender des Sportkreises Frankfurt bei den Sportlern. Ein Stimmenbringer anderer Art ist Abdenassar Gannoukh. Der Betriebsrat der FES motiviert die Mitarbeiter, zur Wahl zu gehen.

Die Parteifunktionärin (und Harheimerin) Christian Luxen kann mit einem sicheren Listenplatz rechnen. Ebenso der Fechenheimer Jan Klingelhöfer. Kritisch schaut es für Elke Sautner (64) aus, die dem ehrenamtlichen Magistrat angehört. Aus diesem scheidet der 76-jährige Eugenio Muñoz del Rio aus. Damit wird ein weiterer Platz für jemand Neuen auf der SPD-Liste frei.

Als Newcomer kann Oliver Strank, der 2017 einen ausgezeichneten Bundestagswahlkampf im Frankfurter Westen geführt hat, mit einem vorderen Listenplatz rechnen. Auch Stefanie Minkley und Amand Zorn sollen für Verjüngung sorgen und mit vorderen Plätzen bedacht werden.

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