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Mit vereinten Kräften bringen diese beiden jungen Feuerwehrmänner eine (vermeintlich) Verletzte aus der Gefahrenzone.

Jugendfeuerwehr

Hoffentlich nie: Schule in Flammen

Feuer, laute Explosionen, dichter Qualm, Verletzte und Bewusstlose – damit hatten 270 Teilnehmer an der Herbstabschlussübung der Jugendfeuerwehr aus allen Frankfurter Stadtteilen zu tun. Die Prüfung an der Schule im Ried haben sie pitschnass bestanden.

Vorsichtig füllt Christian Beha feinstes gelbes Lycopodium-Pulver in abgeschnittene Plastikflaschen, deren Boden mit Kieselsteinen gefüllt ist. „Den Blütenstaub benutzen auch Feuerspucker, da die Flammen relativ kalt sind“, erklärt der Wehrführer von der Feuerwehr Niederrad und Leiter der Schadensdarstellung der Feuerwehr Frankfurt. Beha und seine Kollegen bereiten einen Großeinsatz für 270 freiwillige junge Feuerwehr-Jungen und Mädchen zwischen 10 und 16 Jahren penibel vor.

Aus der Schule im Ried dringt dichter Qualm. Schmerzens- und Entsetzensschreie sind zu hören. Kurz darauf rücken 27 Einsatzfahrzeuge mit Martinshorn an, die Jugendlichen rollen eifrig Schläuche aus, andere suchen nach rund 35 Verletzten, die im und rund um das Schulgebäude liegen.

Jacky (16) hat eine tiefe Platzwunde an der rechten Schläfe, weint und schreit. Neben ihr liegt jemand, der sich nicht mehr bewegt. „Helfen Sie doch. Der sagt nichts, der bewegt sich nicht. Ich weiß nicht, ob er noch lebt,“ ruft sie verzweifelt den Einsatzkräften mit den orangefarbenen Helmen zu. Sie führen Jacky weg, stützen sie, während sie weiter schreit. Um den bewusstlosen Mann kümmern sich andere Einsatzkräfte, legen ihn auf eine Trage. Jackys Platzwunde ist geschminkt. Eine Viertelstunde haben ihre Feuerwehr-Freundinnen Lotte und Emily (16) dazu gebraucht. Sie haben auch offene Brüche und Verbrennungen geschminkt, „damit es real aussieht.“ Das tut es.

In Gruppen streifen Einsatzteams mit Taschenlampen durch das Schulgebäude. Die gelben Sauerstoffflaschen auf ihrem Rücken sind nötig. Der Qualm ist so dicht, dass man kaum atmen kann. Hinter Schreibtischen und unter Stühlen liegen schwer verletzte Kinder, die behutsam aus dem Gebäude getragen werden. Peter (10) trägt eine Spitzhacke. „Mit dem Stiel können wir tasten, ob irgendwo jemand liegt. Wenn er eingeklemmt ist oder eine Tür versperrt ist, können wir mit der Spitze helfen“, so der kleine Feuerwehrmann fachmännisch. „Räumen Sie das Gebäude“ ruft es ständig aus Lautsprechern, Martinshorn und lautes Spritzen von Wasser mischen sich mit den Schreien der Verletzten. Stress und Adrenalin pur.

Schulleiter Christof Gans (54) betrachtet das Geschehen aufgeregt. „Da fühlt man schon mit“, sagt er, während seine Schule in Rauch gehüllt ist. „Zwei Schüler hatten die Idee, hier eine Herbstübung für die Freiwillige Jugendfeuerwehr zu machen. Die Idee der Ehrenamtlichen fand ich klasse. So erlebt man, was passieren könnte und wie geholfen wird.“ Dass etwas bei der Übung kaputt gehen könnte, befürchtet er nicht. „Die Aktion ist doch in den besten Händen.“ Stadtjugendfeuerwehrwart Daniel De Marco ist stolz auf die Kleinen. „Die sind wirklich fit und es macht ihnen Spaß. Diese Übungen sind wichtig, auch wenn es nicht immer leicht ist, geeignete Gelände für die großen Einsätze zu finden. In Frankfurt haben wir immerhin 28 freiwillige Feuerwehren und fast alle sind dabei. Eine Schule ist für die Jugendlichen sehr nah an ihrem eigenen Leben.“ Nach zwei Stunden spritzt immer noch eiskaltes Wasser durch rote Schläuche, die die Jugendlichen festhalten.

Besucher und Teilnehmer sind nass, das Feuer gelöscht. Mit großen lauten Ventilatoren wird Qualm aus dem Gebäude geblasen. Der Lärm strengt an, aber die Gefahr ist gebannt. Leni (10) ist seit drei Monaten bei der Freiwilligen Feuerwehr. „Es war toll. Wir haben Verletzte gesucht und gefunden. Ich mag es gerne, wenn ich Leute rette oder gerettet werde“, sagt sie mit leuchtenden Augen.

Die Verletzten sind alle erstklassig versorgt. Auch Jackys Platzwunde ist verbunden. „Was ist mit dem Mann?“ fragt sie immer noch geschockt. Ein Feuerwehrmann beruhigt sie. „Er lebt. Er wird es überstehen. Er ist nicht tot. Er ist bewusstlos.“

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