1. Startseite
  2. Frankfurt

Hohe Energiepreise sind zum Gruseln: Fahrgeschäfte auf der Dippemess brauchen viel Strom

Erstellt:

Von: Matthias Bittner

Kommentare

Martin Blume betreibt eine Geisterbahn, die gerade auf dem Festplatz in Frankfurt aufgebaut wird. Das Fahrgeschäft ist eines, das sehr viel Strom braucht. Die hohen Strompreise erhöhen nun aber die Betriebskosten.
Martin Blume betreibt eine Geisterbahn, die gerade auf dem Festplatz in Frankfurt aufgebaut wird. Das Fahrgeschäft ist eines, das sehr viel Strom braucht. Die hohen Strompreise erhöhen nun aber die Betriebskosten. © Leonhard Hamerski

Schausteller auf der Dippemess in Frankfurt klagen über Mehrkosten. Da ihre Fahrgeschäfte viel Strom benötigen, droht eine Preiserhöhung.

Frankfurt – Die Medaille, das bewahrheitet sich immer wieder aufs Neue, hat leider zwei Seiten: So ist das auch für die Schausteller der Frühjahrs-Dippemess. Ihre Freude, dass der Rummel am Ratsweg wieder in seiner normalen Form mit drei Gängen aufgebaut werden kann, wird durch die hohen Energie- und Kraftstoffpreise getrübt. "Die Preissteigerungen können nicht eins zu eins weitergegeben werden, für Besucher hat der Spaß auch irgendwo eine Grenze", weiß Thomas Roie, Vorsitzender des Schaustellerverbandes Frankfurt/Rhein-Main.

Ohne eine Preiserhöhung wird es nach Angaben von Martin Blume aber wohl nicht gehen. "Was bleibt uns denn anderes übrig", sagt er fast schon etwas entschuldigend. Er betreibt mit dem Daemonium - das ist die größte mobile Geisterbahn weltweit - ein sehr Energie-intensives Fahrgeschäft. 50 Cent mehr werde er wohl aufschlagen müssen, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Bislang haben Erwachsene für die Gruselrunde 6 Euro pro Fahrt bezahlt, Kinder bis zu einer Größe von 1,40 Metern waren für 4 Euro dabei.

Dippemess in Frankfurt: Schausteller haben mit hohen Energiepreisen zu kämpfen

Blumes Mehrkosten resultieren nicht nur aus gestiegenen Strompreisen. "Wir brauchen auch Öle und Schmierstoffe, die teurer geworden sind", sagt er. Mehrkosten entstünden auch durch einen höheren Mindestlohn und teurere Wartungsarbeiten. Unter dem Strich rechnet er mit 1000 Euro mehr - täglich. Macht bei 24 Tagen Dippemess-Betrieb 24.000 Euro, normalerweise ist Blume 130 bis 140 Tage im Jahr unterwegs. Obendrauf summieren sich dann noch Mehrausgaben für Diesel. Laut Blume kommen so allein für die Dippemess nochmals 5000 bis 6000 Euro mehr für den Transport dazu. 15 Schwertransporte rollen von der Basis nahe Hannover nach Frankfurt. Einmal geht es jeweils per Leerfahrt zurück, um die nächste Fuhre zu holen. Eine Strecke sind 400 Kilometer.

Bei den Ausgaben für Strompreise haben die Schausteller in Frankfurt aber sogar noch Glück. Die Kilowattstunde hat sich um 3 Cent gegenüber dem Vorjahr verteuert und kostet etwa 31, 32 Cent, sagt Jörg Renneissen von der Elektro Katzmann GmbH, die sich bei städtischen Festen um die Stromversorgung und die Anschlüsse kümmert. Zum Vergleich: Vor drei Wochen in Nordrhein-Westfalen habe die Kilowattstunde Schausteller mehr als 60 Cent gekostet.

Bei der letzten regulären Dippemess vor drei Jahren wurden laut Renneissen in drei Wochen rund 400.000 Kilowattstunden Strom verbraucht. Das entspricht dem Jahresverbrauch von 75 Einfamilienhäusern mit je vier Personen im Haushalt. In diesem Jahr profitierten die Schausteller vom späten Dippemess-Termin mit frühlingshaften Temperaturen. "Da braucht man keine Heizung mehr und der Glühwein muss nicht warm gehalten werden", sagt Renneisen. Und wegen bereits erfolgter Zeitumstellung könne das Licht eine Stunde später eingeschaltet werden.

Fahrgeschäfte auf der Dippemess in Frankfurt brauchen viel Strom: Schausteller hoffen auf guten Umsatz

"Ich bin ein Optimist", schaut Blume jedenfalls zuversichtlich nach vorne und hofft auf guten Umsatz. Denn die Menschen hätten ein unwahrscheinlich großes Nachholbedürfnis, wollten nach zwei Jahren Pandemie endlich wieder etwas Spaß am Leben haben und für ein paar Stunden den Alltag vergessen. "Das bekommen sie alles bei uns: Volksfeste sind das beste Antidepressiva", betont Blume. Er glaubt, dass die Besucher den Schaustellern auch eine kleinere Preisanpassung nachsehen werden. "Wir haben die Fahrpreise in den letzten Jahren stets sehr stabil gehalten. Vielleicht gönnen uns die Leute ein bisschen was von dem Geld, das sie während der Pandemie gespart haben."

Roie hofft, dass diese Einsicht nicht am Essens- oder dem Mandelstand, an der Losbude oder dem Schießstand endet. Denn natürlich hätten auch diese Betreiber mit gestiegenen Energiekosten zu kämpfen. Roie selbst hat ein Kettenkarussell. "Das habe ich vorausschauend schon vor längerer Zeit auf Energie sparende LED-Beleuchtung umgestellt", sagt er. Im Vergleich zum Daemonium brauche sein Fahrgeschäft aber auch deutlich weniger Strom.

Dass die Bundesregierung jetzt ein Paket zur Entlastung der Bürger geschnürt hat, sei überfällig gewesen. 30 Cent weniger pro Liter an der Tankstelle zu bezahlen, mache sich im Geldbeutel deutlich bemerkbar. Nach einem Vierteljahr würden die Preise aber wieder steigen. Und deswegen macht sich Blume große Sorgen um eine andere Branche: die Spediteure. "Da gehen bald noch einige deutsche Betriebe Pleite", ist er sicher. (Matthias Bittner)

Auch interessant

Kommentare