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Herausforderung Home- Office: Eltern müssen dieser Tage den Spagat meistern, ihren Kindern wie auch dem Arbeitgeber gerecht zu werden.

Coronavirus

Homeoffice wegen Coronavirus: Wie eine Familie in Frankfurt den Alltag regelt

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Wie ein Vater in Frankfurt dieser Tage den Alltag mit drei Kindern bewältigt, während seine Frau in der Klinik arbeitet.

Frankfurt - Die Kantine ist geöffnet. Es gibt Nudeln und Brokkoli. Der Chef kocht selbst.

Der Küchenchef ist gleichzeitig Lehrer, Kita-Erzieher und Mitarbeiter eines Medienunternehmens im Home-Office. Das Kontor ist Kantine, Klassenzimmer, Kindergarten. Es ist die Küche einer Wohnung in Bornheim, in der Andreas B. (Name von der Redaktion geändert) mit seiner Frau und den drei Kindern lebt. Das jüngste ist mit drei Jahren das Kita-Kind. Der ältere Bruder ist sechs und geht in die erste Klasse, die neunjährige Schwester in die dritte. Die Mutter geht pünktlich um 7.30 Uhr zur Arbeit. Sie ist Ärztin in einer Frankfurter Klinik. Sie wird gebraucht, jetzt mehr denn je. Sie hat einen "systemrelevanten Beruf". Den hat Andreas B. gemäß Definition der Landesregierung nicht. Sein Arbeitgeber hat ihn wie seine Kollegen aus Vorsicht ins Home-Office geschickt. Dort übt er jetzt quasi vier Berufe gleichzeitig aus.

Homeoffice wegen Coronavirus: Koch, Erzieher, Lehrer und Arbeitnehmer gleichzeitig

"Die Schulkinder haben ja nicht etwa Ferien, sondern schulfreie Zeit. Das ist ein Unterschied", erklärt der auf ungewohnte Weise vielseitig beschäftigte Vater. Die Lehrer gäben den Schülern Aufgaben, die sie zu Hause statt in der Klassengemeinschaft erledigen müssten. Küchentisch statt Klassenzimmer also. Damit das funktioniert, achten Andreas B. und seine Frau strikt darauf, gewohnte Taktung und Struktur des Alltags auch für die Kinder aufrechtzuerhalten. Heißt konkret: Um 6.30 Uhr ist Aufstehen, Anziehen, Frühstück angesagt. Um 7.30 Uhr geht die Mutter zur Arbeit in die Klinik. Andreas B. räumt die Küche auf. Sie ist ab 8.30 Uhr Klassenzimmer, Kita und Büro. "Den Stundenplan machen wir jeden Tag neu und entscheiden basisdemokratisch, welche Fächer bearbeitet werden", erklärt der Lehrer-Vater. Musik hätten sie heute irgendwie vergessen. "Aber Religion steht drauf."

Sport auch. Zur Leibesertüchtigung geht es in den Hausgarten.

Homeoffice wegen Coronavirus in Frankfurt: Ein Lernprozess für alle

Während die Drittklässlerin von der Schule mit Arbeitsblättern versorgt wird, fehlt das Lernmaterial für den Erstklässler noch. Er habe dem Sohn passende Arbeitsaufträge aus einer Cloud geladen, erklärt Andreas B. die Unwuchten des Alltags. Auf sich zukommen sieht er die Aufgabe, die Schulkinder behutsam und dosiert an digitale Medien heranzuführen, mit deren Hilfe sie im Küchenklassenzimmer lernen können, wo es keine Tafel gibt. Auch der Dreijährige muss angemessen beschäftigt und berücksichtigt werden. Die Lernaktivitäten der älteren Geschwister zu verfolgen, findet er interessant, Bilderbücher aber noch viel mehr. Der findige Vater hat die Lösung: Das Dschungelbuch auf Englisch begeistert alle drei.

Erster kritischer Punkt des Tages ist das Telefon-Meeting mit den Kollegen um 11 Uhr. Im Küchenbüro erklärt Andreas B. den Kindern: Bitte mal eine Weile ruhig sein. Dann setzt er Kopfhörer auf, spricht sich mit den Kollegen ab. Derweil blubbert auf dem Herd der Topf mit Brokkoli vor sich hin. Die innerfamiliären Absprachen halten. "Wir lernen jetzt alle", sagt Andreas B. Er lerne, was es bedeutet, auch die schulischen Bedürfnisse seiner Kinder zu berücksichtigen und zu bedienen und gleichzeitig einen Dreijährigen zu beaufsichtigen und adäquat zu beschäftigen. Die Kinder lernten, wie das, was früher in Ein-Klassen-Dorfschulen funktionierte, jetzt in der Familie ginge: gemeinsam lernen bei gegenseitiger Rücksichtnahme und Aufmerksamkeit. Und die drei Kinder lernten gerade, dass es Zeiten am Tag gibt, wo der Vater arbeiten muss. Wo er nur Arbeitnehmer ist und dann mal nicht Lehrer-Erzieher-Koch. Die Ansage laute dann: "Das muss ich jetzt machen." Meist funktioniere das gut, aber eben nicht unendlich lang. Antizyklisch zu arbeiten, wann immer möglich, sei ein Ausweg. Heißt konkret: Wenn seine Frau vom Dienst zurück sei, könne er Arbeiten erledigen, die Konzentration am Stück erforderten.

Die Kinder von den Großeltern betreuen zu lassen, käme während dieser Corona-Pandemie ausdrücklich nicht in Frage. "Die bleiben außen vor", sagt Andreas B. entschieden. Darüber herrsche Einigkeit bei allen Beteiligten.

Von Sylvia Amanda Menzdorf

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