Plakate mit Botschaft

Mit Humor gegen Hundekot

Auf dem Bürgersteig vor seinem Büro häuften sich eine Zeitlang die Hundehaufen, was Elmar Lixenfeld überhaupt nicht witzig fand. Als Reaktion setzte der Grafiker dennoch auf Humor statt auf Zorn, entwarf eine Reihe komischer Plakate – und die Haufen verschwanden.

Von Thorben Perlemann

Elmar Lixenfeld geht gerne zu Fuß. Vor zwei Jahren lief er 740 Kilometer über die historische Via de la Plata in Spanien, einen Teil des berühmten Jakobswegs. Zuhause in Frankfurt durchstreift er gerne die Gassen der Stadt, besonders in Bockenheim, wo er als Grafiker, Typograph und Texter in der zweiköpfigen Agentur „Duodez“ Bücher, Prospekte und Ähnliches kreativ gestaltet und illustriert.

Schon wegen seiner Vorliebe für das Trottoir kennt Elmar Lixenfeld daher einen natürlichen Feind des Fußgängers allzu gut: den Hundehaufen. „Ich finde es nicht so gut, wenn braune Haufen die Straße so in Beschlag nehmen“, sagt der 51-Jährige gewohnt diplomatisch. Er könnte sich schließlich auch aufregen über die stinkenden Hinterlassenschaften, die blöden Tölen, die ignoranten Herrchen und Frauchen, welche lieber die Zahlung eines Strafgelds über satte 75 Euro riskieren, als den Gehweg per Plastiktüte sauber und gefahrlos nutzbar zu halten. Elmar Lixenfeld kann Wut und Strafandrohung nämlich nichts abgewinnen. „Ich glaube an die Kraft des Humors“, sagt er stattdessen. Und meint es ernst.

Eine Zeitlang, erzählt er, häuften sich vor seinem Büro an der Werrastraße die Haufen auf dem Bürgersteig. Der vierbeinige Übeltäter und dessen zweibeiniger Komplize blieben jedoch Phantome, zu einem klärenden Gespräch kam es nicht. Fassbar blieb nur die etwa 50 Meter lange Spur des Phantoms: Alle 1,5 Meter fand sich ein weiterer Hinweis. Alles was Lixenfeld über den Hund allerdings weiß, ist dies: „Das war kein Dackel, sondern was Größeres.“

Es erging ihm somit wie der Stadtpolizei, die Strafen nur durchsetzen kann, wenn sie die Täter „inflagranti erwischt“, wie Michael Jenisch, Sprecher des Ordnungsamts, berichtet: „In Zivilkleidung klappt das manchmal, in Uniform weniger gut. Das Geschäft ist ja in wenigen Sekunden erledigt. Zu Anzeigen kommt es daher nicht häufig.“ Genaue Zahlen kann Jenisch aber nicht nennen.

Angesichts der tierischen Verwüstung hätte Elmar Lixenfeld natürlich einem menschlichen Impuls folgen können: sich zornig auf die Lauer legen oder mit aggressiven Botschaften dem Phantom die Pest an den Hals wünschen. Doch entschied er sich für eine „kleine, bescheidene, unaufdringliche“ Variante: Er verwandelte aus einer „lustigen Laune heraus“ seinen Ärger in kreative Energie, erfand die „Initiative der Hundeliebhaber/innen für unbeschwerte Schuhsohlen und Bürgersteige in unserem Viertel“ und gestaltete 20 kleine Plakate mit subtil-komischen Sprüchen über „deplatzierte Geschäfte“.

Schlagzeilengleich heißt es dort mit dicken roten Lettern nebst der Grafik eines durchgestrichenen Hundehaufens: „Mancher Hund wurstelt sich halt so durchs Leben“, „Dieses Bioprodukt ist ökologisch abbaubar, hat ein fernes Mindesthaltbarkeitsdatum und ist sozial unverträglich“ oder: „Bewahrt sei das Herrchen vor Montezumas Rache“.

„Mein Beruf ist es, sich in Menschen hineinzudenken und sie nicht vor den Kopf zu stoßen“, erklärt Lixenfeld. Die Sprüche seien schließlich für die Hundehalter gedacht, nicht für die Hunde selbst, welche er im Übrigen sehr gerne möge, auch wenn sie anonym blieben. Seine Nachrichten sollten die Hundehalter daran erinnern, dass öffentlicher Raum vor allem sozialer Raum sei, „kein Dschungel, kein Niemandsland“. Nachbarschaftliche Drohbriefe erzeugten doch nur weitere Aggressionen, weshalb er lieber mit Humor reagiere, anstatt „Watschen zu verteilen: Das hilft mir auch, entspannt mit der Sache umzugehen“.

Im Ergebnis, betont Elmar Lixenfeld, habe seine Herangehensweise schließlich „den Praxistest bestanden“, weil die Haufen schnell verschwanden, nachdem er einen Spruch ans Hoftor geklebt hatte.

Er darf sich also im Recht sehen und auch als geistiger Verwandter einer modernen „Gartenguerilla, die Blumensaat im öffentlichen Raum verteilt, um ihn schöner aussehen zu lassen“. Ganz im Sinne dieser Überzeugung teilt der 51-Jährige seine Hundefreunde-Kreationen nun mit der Gemeinschaft und stellt sie zum kostenfreien, aber dezidiert unkommerziellen Gebrauch auf seine Website. Damit Hunde eben Hunde bleiben können, Fußgänger aber freie Bahn behalten.

Die Anti-Hundehaufen-Plakate finden sich unter und können als druckfähige Datei per E-Mail an e.lixenfeld@duodez.de bestellt werden.

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