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Vor allem Hunde sind beliebt bei einem skurrilen Trend, der in der Coronakrise entstand.

Ein Haustier für die Quarantäne

Skuriller Corona-Trend: Anrufer wollen im Tierheim Hunde und Katzen „ausleihen“

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In der Corona-Quarantäne einen Hund oder eine Katze als Spielgefährte? Klingt nach Spaß, aber der bizarre Trend sorgt im Tierheim für Aufruhr.

  • Während der Corona-Pandemie hat sich ein skurriler Trend entwickelt
  • Immer mehr Menschen wollen in Zeiten des Coronavirus* ein Haustier auf Zeit
  • Eine Tierheimleiterin aus Frankfurt redet Klartext

Frankfurt - Kontaktverbot, Abstandhalten und wenig Aussicht auf Lockerungen in Zeiten der Corona-Krise. Gerade für Alleinstehende ist das ständige Zuhause sitzen oft besonders schwer erträglich. Aber auch Familien mit Kindern wissen die Kleinen oft kaum noch zu beschäftigen. Wie gut, dass es Hund und Katzen gibt, denken sich wohl viele, denn es hat sich ein skurriler Trend in Hessen entwickelt. 

Coronavirus: Ein Hund oder eine Katze für das Kontaktverbot – Im Tierheim steht das Telefon nicht still

Kurze Zeit, nachdem das Corona- Kontaktverbot * auch in Hessen eingeführt wurde, stand das Telefon des „Tierschutzvereins Frankfurt am Main und Umgebung von 1841“ plötzlich nicht mehr still. Und die Mitarbeiter des Tierheims staunten nicht schlecht, als die erste Anfrage sie erreichte. Ob es denn möglich sei, Hunde und Katzen auszuleihen. Auf Zeit - wegen der Corona-Krise

Man wolle das Haustier, den Hund oder die Katze, anschließend dann wieder zurückgeben, wenn die Corona-Maßnahmen wieder gelockert würden. Und bei einzelnen Anfragen blieb es bei weitem nicht, erklärt Sabine Urbainsky vom Tierheim Frankfurt: „Das war wirklich eine Menge, das war am Anfang tatsächlich so schlimm, dass das Telefon fast nur noch deshalb geläutet hat.“ Das beliebteste Leih-Haustier war dabei der Hund, nach Katzen wurde nur hin und wieder gefragt. 

Corona-Krise: Haustiere auf Zeit – Und bei Lockerung der Corona-Maßnahmen gerne wieder abzugeben

Mit Sätzen wie „Im Homeoffice hätte ich gerade viel Zeit für einen Hund“, und „bei mir hat es das Haustier doch besser als im Zwinger“, begründeten Menschen jeder Couleur ihre Anfrage. Sogar ein Vater rief an, erzählt die Tierheimleiterin aus Frankfurt. Weil sein Sohn die ganze Zeit vor seinem Computer hocke, wäre ein Hund eine prima Sache. Da würde der Sohn auch endlich einmal wieder herausgehen. Aber wenn die Schule nach Lockerung der Corona- Maßnahmen wieder losgehe, würde die Familie den Hund wieder zurückgeben wollen, denn für ein Haustier fehle die Zeit. 

Natürlich meinten es die Anfragenden in Zeiten von Corona nur gut, weiß Sabine Urbainsky, aber natürlich wird keine Hund und Katzen oder andere Haustiere auf Zeit vermittelt. „Das Haustier versteht das Ganze ja nicht. Es denkt, es habe ein neues Zuhause, und landet dann plötzlich wieder im Tierheim. Es gibt Haustiere, die brechen davon seelisch zusammen“, erklärt die Tierheimleiterin weiter. Hunde oder Katzen, die plötzlich ihr Zuhause wieder verlieren, entwickeln häufig ein lethargisches Verhalten und verweigern das Fressen. Die Tierheim-Mitarbeiter haben dann alle Hände voll zu tun, das Tier wieder aufzupäppeln. 

Hunde und Katzen in Zeiten von Corona: Ein weiterer besorgniserregender Trend in den sozialen Netzwerken 

In den sozialen Netzwerken wird außerdem über ein schockierendes Gerücht zu Katze, Hund und Coronavirus* diskutiert. So sollen Besitzer ihre Hunde und Katzen angeblich weggeben oder gar einschläfern wollen, aus Angst vor dem Coronavirus. Ersteres kann die Tierheimleiterin für Hessen ausschließen: "Wir haben weder mehr Fundtiere noch mehr abgegebene Tiere zu verzeichnen. Im Gegensatz zu den Ostertagen in den Vorjahren wurden sogar weniger Tiere abgegeben, weil ja kaum jemand in die Ferien fährt." 

Und auch das Einschläfern von Haustieren aus Angst von Corona hält sie für kaum möglich. Denn ohne feststehenden Grund dürfe kein Tierarzt eine solche Maßnahme vornehmen. Damit mache er sich strafbar. Auch bei der Landestierärztekammer Hessen ist kein solcher Fall bekannt. 

Tierhalter müssten sich außerdem nach jetzigen Forschungsstand nicht davor fürchten, dass das Haustier sich mit dem Coronavirus* anstecken und diesen dann an den Menschen übertragen könnte. Achim Gruber, Leiter des Instituts für Tierpathologie an der Freien Universität Berlin, stellte klar, dass Haustiere bisher nur in Einzelfällen mit dem Coronavirus infiziert worden seien. Und es habe bisher keine Hinweise darauf gegeben, dass Haustiere auch Menschen anstecken können, unterstreicht der Experte.

Von Sophia Lother

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