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Gegen die aktuelle Flüchtlingspolitik und für ein größeres Engagement der Stadt Frankfurt haben am Samstag mehrere Hundert Menschen in der Innenstadt demonstriert.

Initiative „Seebrücke“

Hunderte demonstrieren in Frankfurt für Seenotrettung Geflüchteter

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Mehrere Hundert Menschen haben am Samstag in der Innenstadt für die Seenotrettung Geflüchteter demonstriert. Frankfurt steht damit nicht alleine: In vielen deutschen Städten gab es am Wochenende Demonstrationen, die größte mit rund 12 000 Teilnehmern in Berlin.

Die Kreuze sind aus Pappe, doch ihre Botschaft ist eindrücklich: „Wann sind uns Menschlichkeit und Solidarität abhanden gekommen?“ steht auf dem einen, „2000 – 2018: 32 400 Tote an den europäischen Grenzen“ auf einem anderen. Zwei Frauen halten die Kreuze in den Händen. Spontan sind sie zur Demonstration „Schafft sichere Häfen! Seebrücke statt Seehofer“ am Samstag gekommen, zu der die Initiative „Seebrücke“ kurzfristig aufgerufen hatte. Angemeldet waren 200 Teilnehmer, gekommen sind – so schätzt die Polizei – etwa 750. Mit-Initiator Bernd Eichinger (38) spricht von rund 1000 Teilnehmern.

Egal ob es nun 750 oder 1000 waren – von der großen Resonanz, die der spontane Aufruf beim sozialen Netzwerk Facebook innerhalb kürzester Zeit hervorgebracht hat, zeigt sich Eichner überwältigt. „Ich habe den Eindruck, dass total viele Leute nur darauf gewartet haben, ihrem Ärger über dieses ganze rechte Getöse Luft machen zu können“, sagt der Bornheimer.

Worum es den Demonstranten geht, die Aufschrift auf dem T-Shirt einer jungen Frau bringt es auf den Punkt: „Wer flüchten musste, verdient ein bisschen Frieden. End of Story (Ende der Geschichte).“

Aus Sicht der Initiatoren sollte Frankfurt dem Beispiel anderer europäischer Metropolen wie Berlin, Barcelona, Neapel oder Palermo folgen und „Sichere Hafenstadt“ werden. Soll heißen: Frankfurt sollte Geflüchtete freiwillig aufnehmen, die bei ihrer Flucht über das Mittelmeer von Rettungsbooten aufgegriffen werden. Die Forderung richtet sich direkt an Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Auch die Initiative „Solidarity City Frankfurt“ wendet sich in einem offenen Brief an das Stadtoberhaupt und fordert, Geflüchtete von der „Lifeline“ aufzunehmen, einem Rettungsboot mit 230 Menschen an Bord, das tagelang keinen europäischen Hafen anlaufen durfte, bevor es im maltesischen Valletta vor Ankern gehen durfte.

Seit Jahresbeginn sind nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) vermutlich mehr als 1400 Menschen im Mittelmeer ertrunken. „Es könnte das tödlichste Jahr bisher werden“, fürchtet Eichner. Er kritisiert auch die städtische Patenschaft mit dem Marine-Einsatzgruppenversorger „Frankfurt am Main“, der in der Ägäis im Verbund mit der Nato und der europäischen Grenzschutzagentur Frontex zur Abschottung Europas gegen Geflüchtete eingesetzt gewesen sei. „Als Zeichen gegen die menschenverachtende Blockade der zivilen Seenotrettung könnte die Stadt Frankfurt eine Patenschaft für die ,Sea Watch 3’ übernehmen“, schlägt er stattdessen vor. Das Rettungsboot werde zurzeit von Malta am Auslaufen gehindert.

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